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«Wir prüfen jede Bewertung selber»

Raphael Tobler hat zusammen mit seinem Partner Benjamin Vidas 2017 die Plattform eduwo gegründet. Er selber beschreibt sie als «booking.com oder tripadvisor für Aus- und Weiterbildungen». Dort kann man Schweizer Studiengänge, Kurse und Weiterbildungen im Tertiärbereich bewerten, vergleichen oder sich direkt anmelden.

Raphael, wie ist bei euch die Idee für eduwo entstanden?

Raphael Tobler: Es war eine klassische Pausenplatzidee. Wir waren im FH-Studium in St. Gallen und sehr zufrieden, haben uns aber gefragt, wie wir eigentlich dort gelandet waren. Wir kamen zum Schluss, dass bei beiden der Zufall ein wenig mitentschieden hatte. So kamen wir auf die Idee, eine Plattform zu schaffen, die der Studienwahl etwas mehr Richtung geben könnte.

Wie funktioniert nun euer Geschäftsmodell?

Finanziert werden wir durch die Schulen. Anstatt dass sie ihr Geld in Werbung und Marketing stecken, zahlen sie uns dafür, dass wir ihnen via unsere Anmeldungsfunktion Studierende vermitteln. Wir erhalten pro vermittelte Person einen Kick-back-Beitrag. Zudem kann man in unserem Bildungsmagazin auch Sponsored Content kaufen. Hingegen kennen wir kein Modell, wonach sich Schulen bessere Listenplätze kaufen könnten. Eine derartige Verzerrung möchten wir nicht.

Bewertungsplattformen können anfällig werden für Manipulationen. Wie verhindert ihr, dass sich eine Hochschule gute Bewertungen «kauft»?

Das Thema gibt es tatsächlich, gerade bei Hotelbewertungsplattformen. Wir sind zum Glück noch nicht so gross, dass wir Probleme damit hätten. Wir prüfen jede Bewertung noch selber. Was zum Beispiel beleidigend oder homophob ist, wird gelöscht. Auf der anderen Seite bemerken wir auch positive Auffälligkeiten. Wenn nach 30 mittelmässigen Bewertungen plötzlich mehrere sehr gute folgen, gehen wir dem nach und schreiben die User an. Das ist schon passiert. Insgesamt ist das Risiko allerdings überschaubar. Die Gefahr eines Imageschadens ist einfach zu gross. Stell dir vor, eine Schule würde Bewertungen fälschen, und das käme raus.

Gibt es eine Tendenz, welche Weiterbildungen oder Schultypen am beliebtesten sind?

Wir sind stets im Austausch mit unseren Usern und können da schon spannende Rückschlüsse ziehen. Gerade im Weiterbildungsbereich haben zum Beispiel die Fachhochschulen einen sehr guten Job gemacht. Die CAS und die MAS sind äusserst beliebt. Das grosse Thema ist derzeit natürlich die Digitalisierung, sowohl bei jungen wie älteren Teilnehmenden. Das Angebot wächst stetig. Und dann gibt es die Dauerbrenner wie Leadership und Führung, Buchhaltung oder HR.

Wie hast du dein eigenes FH-Studium erlebt?

Für mich als praxisorientierter Mensch war es natürlich toll. Vom Studium in St. Gallen habe ich ein Brettspiel in sehr guter Erinnerung, bei dem wir, ähnlich wie bei Monopoly, ein Unternehmen aufbauen mussten. Das ist für mich anwendungsorientiertes Lernen. Die Möglichkeit, berufsbegleitend studieren zu können, zusammen mit der dualen Ausbildung, ist von unschätzbarem Wert für die Schweiz.

Hotelfachschule, dann FH

Raphael Tobler hat zuerst die Hotelfachschule Zürich absolviert. Darauf folgte der Bachelor in Business Administration mit Vertiefung in General Management an der ZHAW. Schliesslich absolvierte er an der OST in St. Gallen einen MBA. Er ist Geschäftsführer und zusammen mit Mitgründer und CMO Benjamin Vidas Inhaber der Plattform eduwo. Er ist seit Sommer 2020 Präsident der Swiss Startup Association und sitzt zudem seit diesem Jahr für die FDP im Stadtparlament von Winterthur.

Dieser Artikel ist als Erstpublikation im INLINE November 2022 erschienen.

 

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