Vom EMBA international Management zum internationalen Trinkwasserprojekt - Teil 2

Mein Trinkwasserprojekt nahm Fahrt auf und ich durfte meine Idee vielen interessanten Kontakten präsentieren. Dabei hat eine Person eine wichtige Rolle gespielt, die ich durch Zufall oder Fügung am Flughafen in Brisbane kennengelernt habe.

Bevor es an die Planung ging, musste ich mir ein Bild vor Ort machen. Mit im Gepäck hatte ich medizinische Hilfsgüter für das General Hospital in Honiara. So u.a. einen Defibrillator mit 2 Ersatz – Akkus. Leider ist bei den Airlines nur ein Ersatz- Akku erlaubt. Emirates machte eine Ausnahme – Solomon Airlines hielt sich strikt an die Weisungen. Das Bodenpersonal war jedoch sehr hilfreich und so wurde ich dem Flugkapitän, dem Copiloten und Kabinen Crew vorgestellt. Der 2. Ersatz-Akku wurde von der Maître d’Cabin in ihr Handgepäck genommen.

Warum erzähle ich das? Es kommt zu meinem ersten unbezahlbaren Kontakt im Flughafen Brisbane. Im Wartebereich am Gate zum Flugzeug vom Solomon Airlines setzte sich eine Dame an den Tisch und während sie ihre Papiere ordnete, rutsche ein Factsheet «Malaria Project Solomon Airlines» heraus. Ich sprach die Dame an und sie sagte, warten wir doch bis wir im Flugzeug sitzen. Zufall oder Fügung? Wir sassen in der gleichen Reihe nebeneinander.

Sie stellte sich als Professor Maxine Whittaker von der Queensland University vor. Maxine war auch Präsidentin einer australischen Organisation zur Bekämpfung von Malaria im Südpazifik. Ich stellte ihr meinen fiktiven Businessplan vor und kam dann auf meine Idee mit dem Trinkwasserprojekt. Diese Projekt-Idee fand sehr grossen Anklang. Da wir beide im gleichen Hotel in Honiara gebucht hatten, verabredeten wir uns zum Nachtessen. Ich muss hier anfügen, dass ich das Hotel gut kenne, da dort schon im Jahr 2000 alle internationalen Hilfsorganisationen ihre Leute untergebracht hatten.

Auf dem Weg ins Hotel boten sich mir diese Bilder. In den zerstörten Häusern wohnten die Menschen, um ein Dach über dem Kopf zu haben.

Für da Nachtessen war nicht ein Tisch, sondern ein ganzer raum reserviert. Das erstaunte mich. Und dann kamen immer mehr Gäste nahmen Platz und Maxine sagte zur Begrüssung, dass sie mich gerne allen am Tisch versammelten Vertretern verschiedener internationalen Hilfsorganisationen vorstellen möchte. Ich hätte eine sensationelle Idee für ein Trinkwasserprojekt auf dem Solomon Islands.  So konnte ich meine Idee präsentieren und bekam wettvolle Tipps.

Am nächsten Tag ging ich zum vorher bereits geplanten treffen ins General Hospital und stellt dort die beiden Optionen für das Trinkwasserprojekt vor. Da ich genügend Info-Material mithatte, USB-Stick von Trunz Water Systems und Portfolio Mappe von Aquatec, konnten wir das für und wider beider Firmen gemeinsam abwägen.

Anschliessend ging ich zum Office der Australian High Commission. Dank einem guten Draht zum EDA bekam ich fĂĽr das Treffen dort die offizielle Bundesrat Geschenketasche mit, die ich im Namen des ED ĂĽberreichte. Wie auf dem Foto zu sehen ist, gefiel der Inhalt.

Auch hier wurde ich ermutigt, das Projekt in Angriff zu nehmen. Ich flog weiter auf die Inseln Munda und Gizo, die Spitäler unterhalten. Auf Munda wurde sofort beschlossen, das ist etwas für uns. Das Spital hatte bereits komplett auf Solar Energie umgestellt. Träger des kleinen Spitals ist eine Kirche und wie ich später erfuhr, hatte die Kirche die Trunz Anlage gekauft.

Auf Gizo ist das zweitgrösste Spital der Solomon Islands und wurde nach einem Erdbeben und Tsunami durch die japanische Regierung wieder neu aufgebaut – diesmal Erdbeben- und Tsunami sicher. Die Überreste vom alten Spital wurden administrativ genutzt, bis es durch ein Feuer zerstört wurde.

Nach 3 Tagen flog ich zurück nach Brisbane und traf am Flughafen Honiara Maxine Whittaker. Als wir ins Flugzeug stiegen, war die gleiche Crew an Bord, wie auf dem Hinflug. Wir setzen uns nebeneinander und berichteten einander. Die Maître d’Cabin kam, begrüsste mich und fragte, wie meine Treffen verlaufen sind. Ich berichtete ihr, dass ich mit dem Trinkwasserprojekt definitiv beginnen werde, und sie sagte unter Tränen: «Thank you for taking care of our people!» Nach 14 Jahren Abwesenheit von den Solomon Islands wurde ich durch diese Aussage einmal mehr zutiefst berührt und motiviert loszulegen.

Finanzierung der ersten Anlage

Zurück in der Schweiz ging es an die Planung des Projekts. Ich wollte zunächst im neuesten Spital eine Trinkwasseranlage installieren lassen – und das war Gizo Hospital. Das OK vom Hospital Management hatte ich noch während meinem Besuch dort erhalten.

Welche Firma kommt jetzt in Frage? Aufgrund der Gespräche in Honiara kontaktierte ich die Firma Trunz Water Systems in Steinach /SG – dort ist nämlich der Hauptsitz und nicht in Sidney. In einem ersten Gespräch stellte ich mich und meine Projekt-Idee vor. Trunz Water Systems hatte bereits Erfahrungen in Trinkwasserprojekten in Asien, im Südpazifik und in der Karibik.

Jetzt musste ich einen Projektplan erstellen und nahm mir als Vorlage dafĂĽr den fiktiven Businessplan. Dort waren Punkte wie Risk Analysis, Milestones etc. enthalten. Ich schrieb den Projektplan um, bekam von Trunz Water Systems die Kosten genannt = financial plan und ging auf die Suche nach Investoren. Das war gar nicht einfach und so beschloss ich 11'000 Franken von meinem ersparten Geld zu investieren, 2 Freunde von mir spendeten je rund 100 Franken und ich erteilte der Firma Trunz den Auftrag.

Der erste sichtbare Erfolg

Wie konnte ich für weitere Trinkwasserprojekte auf dem Solomon Islands Investoren oder Spender finden, wenn ich nicht eine installierte und volllaufende Anlage vorstellen konnte. Am 30.12.2015 stieg ich wieder in ein Flugzeug Richtung Brisbane. In der ersten Januarwoche rief ich Maxine Whittaker an – ich bin wieder da! Und sie fragte mich, ob ich den Schweizer Botschafter informiert hätte. Wie den Botschafter informieren, über mein Trinkwasserprojekt? «Ja sicher, ruf die Botschaft an und sprich mit. Er ist ein guter Freund.»

Also rief ich die Schweizer Botschaft in Canberra an und bat darum, mit dem Botschafter zu sprechen. Was ich denn möchte, ich solle ein Mail schicken. Also habe ich eine Mail geschickt, Projektplan in den Anhang und keine 10 Minuten später kam die Antwort: Rufen Sie bitte umgehend an.

Der Botschafter begrüsste mich am Telefon sehr freundlich und meinte, das hätte er auch nicht erlebt. Eine Frau imitiert ein internationales Trinkwasserprojekt OHNE Organisation oder sonst was als Rückendeckung. Chapeau! Ich möchte bitte den Projektplan verfeinern und anschliessend für ein anderes Spital einreichen. Er würde zusehen, dass das Geld für das Jahr 2017 dafür freigegeben  wird.

Ein paar Tage später flog ich für knapp 3 Wochen für weitere treffen auf die Solomon Islands. Ich flog mit Solomon Airlines – und es ist kaum zu glauben, wieder mit der Crew von 2014. Ich wurde sofort erkannt und musste berichten, wie das Projekt vorankommt. Von Honiara ging es nach Gizo. Auf Gizo konnte ich mir vor Ort anschauen, wie die von mir und meinen Freunden gespendet Trunz Anlage läuft

Können Sie sich vorstellen, was das für ein Gefühl für mich war? Das erste Projekt erfolgreich und ganz allein geschafft – HURRA!

Interessante Kontakte und vielversprechende Aussichten

Mein erstes offizielles Treffen war in der japanischen Vertretung in Honiara. Den Termin bekam ich dank eines vorausgegangenen Treffens mit dem japanischen Botschafter in Bern. Ich hatte ihn an einem Ziebelemärit Zmorge im Schweizerhof Bern getroffen, zu dem ich jedes Jahr bis zum Ausbruch der Pandemie 2020 eingeladen wurde.

Dort konnte ich zwar begeistern, jedoch kein Geld erwarten. Ich berichtete zudem von den sehr schlechten sanitären Bedingungen trotz neugebautem Spital. Meine Schilderungen waren so eindrücklich, dass der japanische Botschafts-Vertreter umgehend Massnahmen einleitete und mich bat, den Head Infection Control (in Schweizer Spitälern sind das die Hygienebeauftragten) zu kontaktieren. Er möchte ihn mit ins Team vom Grasroot Project aufnehmen. Ich rief die Spitalleitung im Gizo Hospital an und die Freude darüber war riesig.

Mein nächstes Treffen war mit der offiziellen WHO-Vertretung in Honiara Dr. Audrey Aumua. Auch hier half mir Maxine Whitaker – sie und Audrey kennen sich gut.

Dr. Aumua hörte mir aufmerksam zu und meinte, das wäre ja echt mega, was ich leiste. Ich durfte ihr den Projektplan per E-Mail schicken. Das wäre die Lösung im Südpazifik. Leider hat die WHO nichts investiert, bzw. den Ausbau des Projekts nicht weiterverfolgt.

Jedoch tat sich ein Jahr später eine neue Tür auf. Und damit eine grosse Investition der Schweizer Botschaft in Canberra für mein Trinkwasserprojekt.

 

Neugierig, wie es weiter ging? Sei gespannt auf Teil 3.

Jede Spende zählt

FĂĽr das aktuelle Projekt auf Papua-Neuguinea hat Petra ein Crowdfunding gestartet. Informiere dich und unterstĂĽtze das Projekt mit deiner Spende.

Dein Beitrag hilft!

Kommentare