Professional Bachelor – Was es damit auf sich hat

Seit Jahren fordern diverse Kreise die Einführung von Titeln wie «Professional Bachelor» und «Professional Master» für die Abschlüsse der höheren Berufsbildung. Warum ist das so?

Forderung der Höheren Berufsbildung

Zur höheren Berufsbildung (HBB) gehören die Höheren Fachschulen (HF), die Berufsprüfungen (BP) oder auch die Höheren Fachprüfungen (HFP). Als Hauptgrund für die Forderung nach von Titeln wie «Professional Bachelor» und «Professional Master» wird genannt, dass die Arbeitgeber im Ausland die Schweizer Abschlüsse in der HBB, auch in ihrer offiziellen englischen Übersetzung, nicht kennen und nicht mit ihren Abschlüssen vergleichen können. Auch in der Schweiz würden immer häufiger von Arbeitgebern Abschlüsse mit «Bachelor» oder «Master» gefordert. Um sich im Aus- und Inland gegen Mitbewerber:innen mit «Bachelor» oder «Master» besser durchsetzen zu können, sollen daher Titel wie «Professional Bachelor» und «Professional Master» eingeführt werden.

Politische Entwicklungen

Die erste Forderung nach «Professional Bachelor» und «Professional Master» wurden 2012 im Parlament eingereicht. Ende 2014 hat der Ständerat diese Forderung deutlich abgelehnt. Damit war das Thema aber nicht vom Tisch. Per 2020 führte Deutschland für Fortbildungen im beruflichen Bereich die Abschlussbezeichnungen «Bachelor Professional» und «Master Professional» ein. Aus diesem Grund folgte 2020 ein weiterer politischer Vorstoss in der Schweiz, welcher 2023 erneut am Ständerat scheiterte. Postwendend folgten ganze sechs neue gleichlautende parlamentarische Vorstösse. Diese wurden Anfang 2024 vom Nationalrat angenommen. Der Ständerat wird noch darüber entscheiden.

Arbeiten des Bundes

Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) nahm parallel zu den politischen Forderungen im 2020 eine umfassende Auslegeordnung zur Positionierung der höheren Fachschulen vor. Unter den darin vorgeschlagenen 19 Massnahmen zur besseren Positionierung der HF fand sich auch der Punkt «Einführung eines Bachelor-Titels». 2021 folgte vom SBFI das Projekt «Positionierung HF». Als Ergebnis beschloss das Spitzentreffen der Berufsbildung Ende 2022, dass das SBFI ergänzende Titel für die Abschlüsse der höheren Berufsbildung mit «Professional Bachelor» oder «Professional Master» prüfen soll.

Vorschlag des Bundes

Im April 2023 stellte das SBFI seinen Vorschlag vor. Dieser sieht vor, dass die bisherigen Titel der höheren Berufsbildung bestehen bleiben, aber mit «Professional Bachelor» oder «Professional Master » ergänzt werden. Es handelt sich um einen Titelzusatz. Das SBFI hatte verschiedene Varianten geprüft, um eine Lösung für die gesamte höhere Berufsbildung zu finden. Beim finalen Vorschlag geht das SBFI von der sogenannten Abschlusslogik aus. Demnach sollen geschützte Titelzusätze zu den heutigen Titeln in den Amtssprachen eingeführt werden und die englischen Titelbezeichnungen angepasst werden. Heisst konkret, dass eidg. Fachausweise (Berufsprüfung) und HF-Abschlüsse den Titelzusatz sowie die englische Übersetzung «Professional Bachelor» erhalten. Eidgenössische Diplome (Höhere Fachprüfung) erhalten den Zusatz «Professional Master». Es soll nicht erlaubt sein, nur «Professional Bachelor» oder «Professional Master» als Titel zu führen. Diese neuen Titelzusätze müssten immer zusammen mit dem Abschluss der höheren Berufsbildung verwendet werden. Ein konkretes Beispiel würde also «dipl. Sozialpädagoge HF, Professional Bachelor» lauten. Zum Vergleich: Die Fachhochschulen verleihen den Titel «Bachelor of Science [FH] in Sozialer Arbeit».

Haltung FH SCHWEIZ

FH SCHWEIZ setzt sich im Namen der Absolvent:innen der Fachhochschulen seit Beginn gegen eine Einführung von Titeln wie «Professional Bachelor » oder «Professional Master» ein. Das sind die primären Gründe:

  • Es kommt zu einer Vermischung von Hochschul- und beruflichen Titeln.
  • Mit dem Titel «Bachelor»/«Master» wird durch eine in der Bildungslandschaft unpassende Akademisierung die eigentliche Stärke der HBB – nämlich die konsequente Orientierung an der Berufsbildung – untergraben.
  • Ein Titel wie «Professional Bachelor» wird den sehr heterogenen und spezialisierten beruflichen AbschlĂĽssen der HBB nicht gerecht.
  • Mit den neuen Titeln werden die ausbildenden Institutionen im Bereich Tertiär B international mit einer anderen Bildungsstufe verglichen und damit indirekt abgewertet.

Ausblick

Eine Vernehmlassung für die Einführung von «Professional Bachelor» und «Professional Master» als Titelzusätze wird aktuell vom SBFI vorbereitet und ist bis spätestens im dritten Quartal 2024 zu erwarten. Eine Verabschiedung der Massnahmen und die Anpassung des Berufsbildungsgesetzes durch das Parlament wird frühestens Ende 2025 stattfinden.

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