Autorin: Kathrin Ott, Leiterin der Ehemaligen-Organisation FHGR Alumni
Die Begeisterung fĂŒr Technik entdeckte Denise Peng schon frĂŒh. Als Kind begleitete sie ihren Vater, der eine SanitĂ€r- und Heizungsfirma hat, regelmĂ€ssig auf Baustellen. Bereits als Kind erklĂ€rt sie dort den Kundinnen und Kunden eine Heizungssteuerung in verstĂ€ndlicher Sprache. Nach der Matura studierte sie an der damaligen HTW Chur Elektrotechnik und Informationstechnologie. An ihre Zeit an der HTW erinnert sie sich noch lebhaft: «Ich durfte als Einzige im Mathe-Unterricht reden. Wenn ich meinen Tischnachbaren jeweils Mathe erklĂ€rte und sie dann begriffen und mir zunickten, ging der Unterricht weiter. Der Dozent war immer froh, wenn der Knopf gelöst werden konnte.»
Nach dem Studium findet sie direkt eine Stelle bei ABB im Bereich der elektrischen Antriebe bei Bahnen und Bussen. Viel Knowhow eignet sie sich in der Praxis an, doch das Fundament aus dem Studium wie z.B. Programmieren oder Elektrotechnik erweist sich als entscheidend. «Ohne die Ausbildung wĂ€re ich nicht an diese Stelle bei ABB gekommen», sagt sie rĂŒckblickend. Trotz guter akademischer Vorbereitung und Leidenschaft, spĂŒrte sie als Frau den Berufseinstieg in eine mĂ€nnerdominierte Branche. Am Anfang wurde sie unterschĂ€tzt und musste sich hĂ€ufiger als ihre mĂ€nnlichen Kollegen erklĂ€ren, bis sie Gehör fand. Doch es bringt auch Vorteile, eine Frau zu sein. Die mĂ€nnlichen Kollegen helfen gern und sind sehr zuvorkommend. Mittlerweile hat sie sich einen guten Ruf und ein starkes Netzwerk aufgebaut und einen respektvollen Umgang in einem Team erarbeitet, das sich auf Augenhöhe begegnet.Â
Denise persönliche Entwicklung fĂŒhrte sie etwas spĂ€ter zurĂŒck an die FH GraubĂŒnden. Diesmal wollte sie mehr ĂŒber Management wissen, ĂŒber FĂŒhrung und Entrepreneurship.  Deshalb absolvierte sie den Executive Master in Business Administration EMBA. Auch dieser Schritt erwies sich als wegweisend: SWOT-Analysen, Risiko-Chancen-Matrizen und strategische Werkzeuge gehören heute zu ihrem beruflichen Alltag. Vor allem aber versteht sie nun Entscheidungsprozesse im Management besser â ein klarer Vorteil, wenn sie vor der GeschĂ€ftsleitung prĂ€sentiert.
Denise Peng fĂ€hrt nicht mit dem Zug zur Arbeit. Das hat aber einen guten Grund. Sie ist Teilprojektleiterin Elektrisch bei Stadler-Rail AG. Ihr Alltag ist eng getaktet. Erste Meetings beginnen oft schon um sieben Uhr morgens, abends wird es hĂ€ufig spĂ€t. Die Verbindungen mit dem öffentlichen Verkehr zwischen ihrem Wohnort Diepoldsau und dem Arbeitsort St. Margrethen sind zu Randzeiten unpraktisch. Deshalb steigt sie meist ins Auto und wechselt im Sommer hĂ€ufig aufs Velo. So ist sogar schneller als mit dem ĂV.
Denise verantwortet bei Stadler-Rails AG alles, was im Zug ein Kabel hat und elektrisch angesteuert wird â von der Beleuchtung, ĂŒber die Software bis hin zur gesamten elektrischen Auslegung. Sie koordiniert die internen Fachbereiche, ist die zentrale Schnittstelle zu Kundinnen und Kunden und ist sogar fĂŒr die Inbetriebnahme eines Zuges zustĂ€ndig.
Auch wenn sie privat oft das Auto nutzt â ihr Herz schlĂ€gt fĂŒr den Zug. Wenn sie selbst einmal einsteigt, betrachtet sie den Zug mit geschultem Blick. Und besonders genau, wenn es ein Stadler-Zug ist. Den besten Sitzplatz kennt sie ebenfalls: möglichst in der Mitte, weit weg vom Hauptschalter. Denn beim Hauptschalter hat es eine Klappe, die sich regelmĂ€ssig laut öffnet und wieder schliesst. «Ich mag es nicht, wenn es ĂŒber mir âchlöpftâ.»
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