Der Ausbau der Photovoltaik (PV) ist zentral für die Energiestrategie 2050. Im Winter jedoch bleibt die Stromproduktion in schneereichen Regionen wie Graubünden eine Herausforderung – viele Dächer sind monatelang von Schnee bedeckt und liefern kaum Energie. Hier setzt die FH Graubünden an und untersucht über mehrere Jahre, ob durch Rückstrombeheizung der PV-Module der Schnee effizient entfernt werden kann. Dabei wird Strom zugeführt, um die Module zu erwärmen und ein gezieltes Abrutschen der Schneemassen zu ermöglichen. Zwar ist die Technologie der Rückbestromung nicht neu, die Forschenden der FH Graubünden kombinieren sie jedoch erstmals mit einem besonders stabilen und schneefreundlichen System. Dieses zeichnet sich durch einen überlappenden Aufbau, minimale Rahmenelemente und das Fehlen von Halteklammern auf der Modulfläche aus – ideale Voraussetzungen für eine hohe Rutschfreudigkeit und damit eine effektive Schneeräumung.
Das Projekt analysierte die Energiebilanz der Rückbestromung auf Basis von Messungen in Davos im Winter 2024/2025 sowie historischer Wetterdaten. Diese Untersuchungen ergaben, dass mit einer Kilowattstunde Rückstrombeheizung zur Schneeräumung zusätzliche fünf Kilowattstunden Stromertrag erzielt werden können – und dies über die vergangenen zehn Winter betrachtet. Die Forschenden geben sich nicht mit dieser positiven Wirtschaftlichkeit des eingesetzten Systems zufrieden. In diesem Winter sollen weitere Daten analysiert werden, um u.a. die optimale Heiz-Zeit zu evaluieren. Falls die Rückbestromung eine zuverlässige Schneeräumung ermöglicht, könnte über eine Senkung der statischen Anforderungen an Schneelasten von Gebäuden diskutiert werden. Das Forschungsprojekt wird von der Organisation «Klimaneutrale Landwirtschaft Graubünden» unterstützt. Die Branchenvereinigung setzt sich für praxistaugliche Lösungen zur Förderung einer klimafreundlichen Landwirtschaft ein.
Das Projekt wird am Institut für Bauen im alpinen Raum der FH Graubünden durchgeführt, das sich mit den besonderen Herausforderungen des alpinen Lebensraums befasst. Hier sind Bauwerke extremen klimatischen Bedingungen und Naturgefahren ausgesetzt, während die Bauphase oft durch schwierige topografische Verhältnisse und grosse Distanzen geprägt ist. Das Institut erforscht nachhaltige Baulösungen und die Nutzung lokaler Materialien wie Holz, um den spezifischen Anforderungen der Alpen gerecht zu werden.