Doktoratskooperationen - Der Bundesratsbericht zeigt Stärken und Grenzen des Systems

Die Zusammenarbeit zwischen Fachhochschulen, Pädagogischen Hochschulen und Universitäten in der Doktoratsausbildung funktioniert grundsätzlich gut. Zu diesem Schluss kommt eine vom Bund in Auftrag gegebene Evaluation. Gleichzeitig zeigt der Bericht aber auch die Grenzen des heutigen Systems auf. Für FH SCHWEIZ ist klar: Die Ergebnisse liefern wichtige Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der Nachwuchsförderung – und bilden die Grundlage für die Prüfung weiterer Massnahmen.

Wie können Fachhochschulen und Pädagogische Hochschulen ihren wissenschaftlichen Nachwuchs ausbilden, obwohl sie kein eigenes Promotionsrecht besitzen? Diese Frage beschäftigt die Schweizer Hochschulpolitik seit Jahren. Nun liegt ein neuer Bericht des Bundesrats vor. Er zeigt: Die bestehenden Kooperationen mit Universitäten funktionieren grundsätzlich gut. Gleichzeitig macht die Evaluation deutlich, dass das heutige System an Grenzen stösst.

Warum es diesen Bericht gibt

Ausgangspunkt war ein Vorstoss der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur des Nationalrats (WBK-N). Sie verlangte vom Bundesrat eine vertiefte Analyse der Doktoratskooperationen zwischen Fachhochschulen (FH), Pädagogischen Hochschulen (PH), universitären Hochschulen sowie ausländischen Partnerhochschulen.

Hintergrund dieser Forderung war die Frage, ob die bestehenden Kooperationsmodelle ausreichen, um den wissenschaftlichen Nachwuchs an FH und PH langfristig zu sichern. Oder ob es zusätzliche Lösungen braucht.

FH SCHWEIZ, der Dachverband der Fachhochschulabsolvent, hat diese Diskussion in den vergangenen Jahren aktiv mitgeprägt. Denn für viele Disziplinen an Fachhochschulen ist eine qualitativ hochwertige Doktoratsausbildung zentral. Sie bildet die Grundlage für Forschung, Lehre und Innovation. Gleichzeitig verfügen FH und PH bis heute über kein eigenes Promotionsrecht und sind deshalb auf Kooperationen angewiesen.

Kooperationen haben sich bewährt

Die nun vorliegende Evaluation kommt zu einem klaren Ergebnis: Die Zusammenarbeit zwischen FH, PH und Universitäten funktioniert insgesamt gut.

Viele Kooperationen entstehen aus bestehenden Forschungsprojekten und entwickeln sich aus gemeinsamen fachlichen Interessen. Besonders positiv bewertet werden Programme, bei denen stabile institutionelle Strukturen geschaffen wurden. Dort gelingt die Zusammenarbeit nachhaltig und mit klarem Mehrwert fĂĽr alle Beteiligten.

Auch Kooperationen mit ausländischen Hochschulen spielen eine wichtige Rolle. Sie schaffen zusätzliche Möglichkeiten in Fachgebieten, die an Schweizer Universitäten nur schwach oder gar nicht vertreten sind. Dazu gehören beispielsweise die Künste, die Soziale Arbeit oder Teile der Fachdidaktik.

Die Evaluation zeigt zudem, dass Fachhochschulen und Pädagogische Hochschulen von diesen Partnerschaften profitieren. Sie stärken ihre Forschungskompetenzen, erhöhen ihre Sichtbarkeit und können ihren wissenschaftlichen Nachwuchs besser fördern.

Der Bericht zeigt aber auch klare Grenzen auf

Wer jedoch nur auf die positiven Befunde blickt, greift zu kurz. Die Evaluation benennt eine Reihe von Herausforderungen, die bis heute bestehen und teilweise systembedingt sind.

Genannt werden unter anderem ein hoher administrativer Aufwand, komplexe Zulassungsverfahren, Finanzierungsfragen sowie unterschiedliche akademische Kulturen zwischen den beteiligten Institutionen. Hinzu kommt, dass die langfristige Sicherung einzelner Programme oft nicht gewährleistet ist.

Besonders bemerkenswert ist die Feststellung einer «systemischen Asymmetrie» zwischen Fachhochschulen beziehungsweise Pädagogischen Hochschulen und Universitäten. Die Universitäten verfügen über das Promotionsrecht und bestimmen damit die wesentlichen Rahmenbedingungen. Fachhochschulen und Pädagogische Hochschulen bleiben auf deren Mitwirkung angewiesen.

Die Evaluation macht deutlich, dass diese Abhängigkeit nicht nur organisatorische Folgen hat. Sie beeinflusst auch die Gestaltung der Programme und die Entwicklungsmöglichkeiten der beteiligten Institutionen.

Nachwuchsförderung bleibt eine Herausforderung

Der Bericht zeigt zudem, dass der Zugang zur Doktoratsausbildung für Absolventinnen und Absolventen von Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen weiterhin sehr unterschiedlich ausfällt. Je nach Programm ist ihr Anteil hoch, in anderen Fällen hingegen gering.

Von einer flächendeckend etablierten Doktoratsausbildung für die an Fachhochschulen angesiedelten Disziplinen kann deshalb noch nicht gesprochen werden. Zwar bestehen heute zahlreiche Angebote, doch deren Verfügbarkeit hängt oftmals von einzelnen Kooperationen, engagierten Personen oder zeitlich befristeten Projekten ab.

Die Evaluation hält ausdrücklich fest, dass Doktoratskooperationen kein Ersatz für ein eigenes Promotionsrecht von Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen sind. Sie erfüllen eine andere Funktion. Sie ermöglichen die Nachwuchsförderung innerhalb der bestehenden Strukturen, beseitigen die strukturellen Unterschiede zwischen den Hochschultypen jedoch nicht.

Die Diskussion geht weiter

Der Bundesrat unterstützt die Weiterführung des bisherigen Ansatzes und betont die Bedeutung der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses an Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen. Gleichzeitig soll die Entwicklung der Kooperationen weiterhin beobachtet werden.

Für FH SCHWEIZ liefern die Ergebnisse wichtige Erkenntnisse. Die Evaluation bestätigt einerseits, dass die bestehenden Kooperationen wertvolle Beiträge leisten und vielen Nachwuchsforschenden den Weg zum Doktorat ermöglichen. Andererseits zeigt sie deutlich, dass die heutige Lösung mit strukturellen Grenzen verbunden ist und weiterhin von Abhängigkeiten geprägt bleibt.

Die zentrale Frage lautet deshalb nicht mehr, ob Kooperationen funktionieren. Sie tun es – zumindest in vielen Fällen. Entscheidend ist vielmehr, ob sie langfristig ausreichen, um den Bedarf der Fachhochschulen und ihrer praxisorientierten Disziplinen nachhaltig abzudecken.

FH SCHWEIZ wird die Ergebnisse der Evaluation nun vertieft analysieren. Dabei wird auch zu prüfen sein, welche zusätzlichen Massnahmen notwendig sind, um die Nachwuchsförderung an Fachhochschulen langfristig zu stärken und die bestehenden strukturellen Herausforderungen anzugehen. Die Diskussion über die Zukunft der Doktoratsausbildung an Fachhochschulen ist mit diesem Bericht nicht abgeschlossen. Vielmehr liefert er neue Argumente dafür, sie weiterzuführen.

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