Die Berufsmaturität hat noch mehr Potenzial



Mit der Berufsmaturität kann man unter anderem an einer Fachhochschule studieren. Die Quote, wie viele Lernende die BM wählen, unterscheidet sich je nach Beruf aber sehr stark. In einer neuen Studie des Schweizerischen Observatoriums für Berufsbildung OBS EHB werden die Herausforderungen beleuchtet und aufgezeigt, wo noch Potenzial wäre.

Die Berufsmaturität ermöglicht den direkten Zugang in die Fachhochschulen. Mit einer Ergänzungsprüfung ist auch ein Studium an einer Pädagogische Hochschule oder Universität möglich.


BM1

Vom BM1 spricht man, wenn die Berufsmaturität während der regulären beruflichen Grundbildung absolviert wird. Da die Lernenden bei der BM1, die während einer betrieblichen Ausbildung absolviert wird, zusätzliche Schullektionen absolvieren müssen, sind sie weniger im Betrieb anwesend. Die Bereitschaft der Ausbildungsbetriebe Lernende mit BM auszubilden, ist daher wichtig. Die BM1-Abschlüsse sind von 2012 bis 2019 leicht zurückgegangen.


BM2 

Die BM2 kann durch eine einjährigen (Vollzeit) bis zweijährigen (Teilzeit) Besuch einer Berufsmaturitätsschule im Anschluss an die berufliche Grundbildung erlangt werden. Im Gegensatz zur BM1 sind die Absolvierenden freier in ihrer Wahl nach der Ausrichtung («Technik, Architektur, Life Sciences», «Natur, Landschaft und Lebensmittel», «Wirtschaft und Dienstleistungen», «Gestaltung und Kunst» sowie «Gesundheit und Soziales».). Die BM2-Abschlüsse sind von 2012 bis 2019 um fast 21 Prozent gestiegen.


Aus dem Trendbericht OBS EHB

Welche Faktoren begünstigen einen erfolgreichen BM-Abschluss und den anschliessenden Übertritt in die Tertiärstufe an Fachhochschule etc.? Welche Faktoren hemmen diesen Weg? Diese Fragen wurden von Forschenden des OBS EHB am Eidgenössischen Hochschulinstitut für Berufsbildung EHB genauer untersucht. Dank der Bildungsstatistik ist es seit Kurzem möglich, die Bildungswege aller Lernenden über einen längeren Zeitraum zu analysieren. Die Resultate wurden in einem Trendbericht mit dem Titel «Berufsmaturität. Bildungsverläufe, Herausforderungen und Potenziale» festgehalten.


  • 13% der Lernenden einer drei- oder vierjährige berufliche Grundbildung absolvieren die BM1 während der Lehre, 10% die BM2 nach der Lehre.
  • 2/3 schliessen die BM1 erfolgreich ab. 4/5 sind es bei der BM2.
  • 2/3 der Absolventinnen und Absolventen beginnen ein Hochschulstudium, davon wechselt 1/3 in ein neues Berufsfeld.
  • 3/4 der BM1-Abschlüsse entfallen auf acht Berufe, 3/4 der BM2-Abschlüsse entfallen auf 15 Berufe
  • Elektroniker/in, Laborant/in, Konstrukteur/in und Mediamatiker/in sind die Berufe mit den höchsten BM-Anteilen.
  • Die höchsten BM-Quoten (BM1 und BM2 zusammen) haben das Tessin und der Kanton Schaffhausen, die tiefsten haben Genf und Basel-Stadt. Die Unterschiede sind kantonal sehr gross.


Flexibilisierung BM1

Die Stärkung der BM ist ein strategisches Ziel des Bundes, der Kantone und der Organisationen der Arbeitswelt, um die Attraktivität der Berufsbildung zu erhöhen und um der anhaltenden Nachfrage nach Arbeitskräften mit einem Tertiärabschluss zu begegnen. Um die BM-Quote zu steigern und der Nachfrage nach tertiär gebildeten Fachkräften nachzukommen, soll die BM für Lernende und Betriebe aus einem breiteren Berufsspektrum attraktiv gemacht werden. Dazu sind beispielsweise seit 2017 national vier verschiedene Wege (Eckwerte) etabliert worden, um die BM-Ausbildung flexibler zu gestalten. Wenig genutztes Potenzial in Bezug auf die Flexibilisierung zur Erhöhung der BM1-Quote liegt in den kaum flexibilisierten BM-Ausrichten bzw. Berufen mit Ausrichtung Natur, Landschaft und Lebensmittel mit einer generell tiefen BM-Quote. Ausserdem besteht noch Potenzial für Berufe mit hoher BM2-Quote.


Mehr zur Flexibilisierung der BM1

Mehr zur Studie des Schweizerischen Observatoriums für Berufsbildung OBS EHB





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