Studentische Mitwirkung


Lea Schlenker | Studentin07.02.2020

Studentische Partizipation - wieso engagierte Studierende wichtig für die Hochschullandschaft in der Schweiz sind.

Wohin mit einer studierenden Person, die politisch interessiert ist und sich engagieren möchte? Eine politische Partei ist nicht automatisch die erste Wahl, wenn sich das Interesse vor allem auf Studierendenanliegen bezieht. Partizipationsmöglichkeiten in der Studierendenorganisation der Hochschule liegen da schon eher auf der Hand. Aber kennen die Studierenden denn überhaupt das Konzept einer Studierendenorganisation, oder eines Verbands der Studierendenschaften auf nationaler Ebene?

«Eher nein» meint Micha Neumair, der aktuelle Präsident des Verein der Studierenden an der ZHAW (VSZHAW). «Der Mangel an hochschulpolitischen Engagement liegt möglicherweise daran, dass die Kenntnisse nicht genügend vorhanden sind, viel Aufwand und wenig Anerkennung dahintersteckt und eine zu geringe Wirkung sichtbar ist». Oftmals sind auch die Strukturen von Seiten der Hochschulen nicht so ausgestaltet, dass eine Partizipation von Studierenden neben dem Studium zeitlich machbar wäre.


Was machen die Studierendenschaften

Die Studierendenschaften vertreten die Interessen der Studierenden gegenüber ihren Hochschulen. Sie fördern die Partizipation an den jeweiligen Hochschulen und organisieren mit den Fachvereinen Feste, Sportanlässe, Willkommens-Bags, Apéros, aber auch Podiumsdiskussionen. Meistens bestehen sie aus einem von den Studierenden gewählten Vorstand, einer Geschäftsstelle und einem oder zwei Präsident*innen. Finanziert werden sie durch Beiträge der Studierenden und gelegentlichen Zuschüssen der Hochschulen. 


Nationale Vertretung

Der Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS) vertritt diese Studierendenorganisationen auf nationaler Ebene. Derzeit (Februar 2020) sind elf solcher Studierendenschaften Mitglieder des VSS, darunter auch zwei Fachhochschulen. Die Hauptziele des VSS sind Chancengerechtigkeit in der Bildung und Mitspracherechte der Studierenden im Hochschulwesen. Der VSS gilt als anerkannter Vertreter der Studierenden auf Bundesebene.

«Ich bin überzeugt, dass unsere Studierendenschaft den meisten Studierenden ein Begriff ist», erzählt Micha weiter. «Das politische Engagement der Studis ist nach unserem Kenntnisstand jedoch aktuell praktisch inexistent. Die Studierenden interessieren sich viel stärker für Veränderungen an der Hochschule und in den jeweiligen Studiengängen. Der VSZHAW engagiert sich im Kanton Zürich, gemeinsam mit den anderen Studierendenorganisationen des Kantons, wobei sich dieses gemeinsame Engagement meist auf das Mindeste beschränkt.» 


Durch Partizipation zur Qualitätssteigerung

Wozu denn überhaupt die studentische Partizipation? Zum einen ist studentische Mitwirkung ein Qualitätsmerkmal. Hochschulen mit studentischer Mitwirkung erreichen auf vielen Ebenen eine Qualitätssteigerung. Zum anderen sind die Studierenden per Gesetz als mitgestaltender Teil der Institutionen angesehen. Aktive und engagierte Studierende sind also sowohl für die Hochschulen als auch für die Studierenden selbst ein grosser Pluspunkt. Die engagierten Studis, die in einer Studierendenschaft oder einem Verband für Studierende erste Arbeitserfahrungen sammeln können, berichten meist von den vielen Kompetenzen, die sie während ihres Mandats angeeignet haben, seien das Führungserfahrungen, Einblicke in das Personalwesen, selbstständiges Arbeiten oder erste Finanzverantwortlichkeiten. 

Studentische Partizipation dient heute nicht mehr nur dazu, soziale Bindungen zu stärken. Sie ist also auch ein Motor des Wandels an den Fachhochschulen und sollte entsprechend gefördert werden. 

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