Rein in die Branche

Ivo Macek
Studienleiter MAS IS FH Graubünden | Präsident Alumni FH Graubünden
  • 03.01.2019
  • 4 min
Gewisse MAS-Studiengänge an Fachhochschulen positionieren sich als Quereinsteiger-Programme. Der MAS in Information Science (MAS IS) der Fachhochschule Graubünden ist ein solches. Es stellt den Branchenzugang in den Mittelpunkt.

≪Die meisten Dozierenden arbeiten in der Praxis. In Exkursionen wurde uns die ganze Breite des zukünftigen Tätigkeitsfelds aufgezeigt.≫ Die Aussage stammt von einer Absolventin des MAS IS. Sie hebt die Bedeutung des Studiums hervor, ihr die Tür zu einer neuen Branche aufzustossen und den Zugang zur Berufspraxis zu eröffnen. Jahr für Jahr gehen rund zwei Dutzend Studierende diesen Weg. Es sind Abgängerinnen und Abgänger von universitären Hochschulen, meist geisteswissenschaftlicher Richtung. Sie alle hegen den Wunsch, Fuss in einer Branche zu fassen, für welche zum Beispiel Germanistinnen oder Historiker naturgemäss eine gewisse Affinität nachgesagt wird ‒ der sogenannten ≪IuD≫-Branche. ≪IuD≫ steht fur ≪Information und Dokumentation≫, vermehrt auch unter dem Begriff Informationswissenschaft≫ bekannt.

 

Im Zentrum der Disziplin steht die Frage, wie vorhandenes Wissen organisiert werden kann, damit es wieder auffindbar ist. Zu den klassischen Wissensverwaltungsorganisationen gehören Archive, Bibliotheken und Dokumentationsstellen, auch Museen. Viele Wege führen in die schweizerische ≪Information Community≫, doch nur der MAS-Studiengang der Fachhochschule Graubünden vermag Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern den Zugang zum Arbeitsmarkt zu verschaffen.

 

Gerade in den vergangenen fünf bis sechs Jahren zeigte sich immer deutlicher, wie schwierig es gerade für Hochschulabgehende geisteswissenschaftlicher Richtung ist, in ihrem fachlichen Umfeld eine qualifizierte Stelle zu bekommen. Den wenigsten gelingt es – trotz hervorragender Qualifikationen –, ihrer erlernten Disziplin treu zu bleiben und eine adäquate Stelle zu finden.

 

Arbeitsmarkt im Blickfeld

Doch auch der Einstieg ins informationswissenschaftliche Berufsfeld geht nicht so einfach vonstatten: Ohne eine einschlägige Ausbildung ist dieser nur schwer zu realisieren. Als Quereinsteiger-Programm positioniert, vermittelt der MAS IS das nötige Praxishandwerk, ohne dabei das  theoretische Fundament zu vernachlässigen.

 

Für die Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger mit universitärem Hintergrund ist die Praxisorientierung ein entscheidendes Argument, um die 18-monatige Ausbildung in Angriff zu nehmen. Gleichzeitig sind die Job-Aussichten auf dem IuD-Arbeitsmarkt nach wie vor gut. Mit der Teilnehmerbeschränkung auf 24 Studierende pro Jahrgang sorgt die Studienleitung zudem dafür, dass nicht zu viele Personen auf den Arbeitsmarkt strömen. Neben den rund 20 MAS-Diplomierten pro Jahr treten zusätzlich rund 60 Bachelors sowie eine Handvoll Masters auf den Markt, allesamt ebenfalls an der Fachhochschule Graubünden ausgebildet.

 

Hinzu kommen die jährlichen Abgängerinnen und Abgänger der universitären MAS-Angebote wie jene der Universitäten Bern und Zürich. Diese Angebote sprechen eher ein wissenschaftsorientiertes Publikum an, wahrend der MAS IS in Chur klar die Praxisnahe und die Breite der Ausbildung betont: Als sogenannte integrierte Weiterbildung wird im Verlaufe des Studiums auf alle vier klassischen Typen (Archiv, Bibliothek, Dokumentation, Museum) eingegangen. Eine Vielfalt, die ankommt. Darüber hinaus werden der Unterricht im Klassenverband und der damit entstehende Austausch untereinander als besonderer Mehrwert erachtet. Angesichts der Überschaubarkeit der Szene ist die Wahrscheinlichkeit, sich während der beruflichen Laufbahn wieder zu begegnen, relativ hoch. Während der Studiendauer bildet sich dergestalt ein Netzwerk heraus, das weit über die Studiendauer hinaus wirkt. In diesem Sinne wird bereits im Studium die Basis fürs spätere berufliche Netzwerk gelegt.

 

Gute Chancen auf Job

Die Abgängerinnen und Abgänger des MAS IS werden von den Arbeitgebern geschätzt. Insbesondere spricht für die MAS IS-Absolventinnen und -Absolventen die Tatsache, dass sie ihre Primärqualifikation, wie gesagt, mit den für den Berufseinstieg notwendigen Handwerkskenntnissen ergänzen. Was ein FH-Bachelorprogramm über drei Jahre Ausbildung anstrebt, wird im MAS in eineinhalb Jahren angestrebt: die Berufsbefähigung. Doch kein Studium gibt letztlich die Garantie für den beruflichen Erfolg. ≪Man muss offen bleiben und auch mal einen Aushilfsjob annehmen. So lernt man Leute und neue Bereiche kennen und merkt, was man gern macht und warum≫, konstatiert die eingangs erwähnte Absolventin. Mit dem MAS IS erhöhen sich die Chancen signifikant, im Arbeitsmarkt Fuss zu fassen. Das Ausrichtungsprofil der Fachhochschule schlagt sich auch in diesem Feld deutlich nieder.

 

Dieser Beitrag ist als Erstpublikation im INLINE Februar 2016 erschienen.

Kommentare