Mein Austauschjahr in Paris


Deborah Keller | Studentin ZHAW02.03.2020

Habt ihr schon einmal vom «Paris Syndrom» gehört? Paris… die Stadt der Liebe, der Lichter, die vielen gemütlichen Kaffees, überall riecht es nach frisch gebackenen Baguettes und an jeder zweiten Strassenecke wirft dir ein sympathischer Franzose eine Kusshand in Begleitung mit einem süssen «Mon amour» zu. So sieht das Erwartungsbild Personen meistens asiatischer Herkunft aus. Leider müssen sie dann nach der Ankunft ihres Honeymoontrips in Paris doch feststellen, dass nicht alles ganz so perfekt ist wie erwartet. Das Phänomen nennt sich "Paris Syndrom". Seit September wohne ich in Paris und besuche für zwei Semester die Schule Paris School of Business. Wie ich die Zeit bis jetzt empfunden habe? Ein paar Eindrücke findet ihr in den nächsten paar Zeilen.

Der harte Anfang 

Die Ankunft und ersten Wochen waren sehr schwierig für mich. Zwar bin ich mir es gewohnt, für längere Zeit von zu Hause weg zu sein, doch leider hatte ich bis zu meiner Abreise noch keine fixe Bleibe gefunden – was mich zusätzlich beunruhigte. Also kam ich erstmal in einem Airbnb unter. Die Wohnungssuche gestaltete sich auch nicht wirklich leicht und es traf mich fast der Schlag, als ich bei einer Besichtigung mit 45 anderen Studenten zusammen im Treppenhaus auf den Vermieter wartete.
Zusammengequetscht in der Metro zwischen den vielen multikulturellen Passanten, fühlte ich mich zu Beginn jedes Mal unglaublich allein. Dies legte sich jedoch nach dem ersten Schultag und mit der gefundenen Bleibe sehr schnell. Die vielen Künstler trugen auch einen Teil dazu bei, welche in der Metro sowie auf den Strassen mit den unterschiedlichsten Unterhaltungsprogrammen mich mein Heimweh ein wenig vergessen liessen.
Mit jedem Tag wurde es ein wenig besser und sobald man sich ein wenig auskennt, beginnt man die Zeit immer mehr zu geniessen.

Die Sonnenseiten der Stadt

Die Seine, zusammen mit den «typisch französischen Häusern» sowie dem Eiffelturm im Hintergrund, ist ein perfektes Fotomotiv für viele Touristen. Besonders an schönen Tagen lädt der Fluss zum Verweilen ein. Doch die «typischen» Gebäude von Paris sind eigentlich gar nicht so antik. Der Architekt George Eugène Haussmann, war Mitte 19. Jahrhundert von Napoleon III beauftragt worden, aus der französischen Hauptstadt eine neue, moderne und übersichtlichere Metropole zu erschaffen. Sein Stil prägt die Stadt bis heute.

Paris hat wirklich einiges zu bieten und ich habe mich bis heute nie gelangweilt. Von Kunstausstellungen über historische Sehenswürdigkeiten, Shopping, Theater sowie anderen Attraktionen, hat es für jeden etwas dabei. Mir gefallen besonders die unzähligen Theater, die überall in der Stadt verteilt sind. Einige von Ihnen sind so klein und in einer Seitenstrasse versteckt, dass der Raum für nicht mehr als 20 Personen Platz bietet. Die Künstler sind unglaublich und falls man die französische Sprache beherrscht, empfehle ich einen Besuch in einem Theater unbedingt!

Da ich sehr gerne spät Brunchen gehe, ist die Stadt perfekt für mich. Überall findet man schöne und gemütliche Cafés. Ein perfekter Ort für Frauengespräche. Schade ist jedoch, dass durch Instagram und Pinterest auch viele Touristen diese Orte aufsuchen. Es kam schon vor, dass ich mit Freunden bis zu einer Stunde in einer Schlange warten musste.

Der Mittwoch ist dieses Semester der einzige Tag, an welchem ich früh zur Schule muss. Am Abend ist es daher kein Problem noch ein wenig auszugehen. Egal ob Montag, Dienstag oder Samstag, man findet immer eine coole Bar oder einen Nachtclub, um gemütlich etwas zu trinken oder feiern zu gehen! Einen Club, mitten in einem Aquarium mit Fischen und Quallen oder eine versteckte Bar mitten im Quartier Montmartre, bei welcher man zuerst durch eine "Fleischerei" gehen muss, sind für spezielle Abende immer ein Highlight.


Die Schattenseiten der Stadt

Die mühsamste Zeit war definitiv im Dezember als die Transportunternehmen streikten! Wenn die Metro nicht läuft, kommt man nicht weit. Viele Leute gingen auf die Strasse, um gegen die vorgeschlagene Rentenreform von Emmanuel Macron zu protestieren. Nebst den Stosszeiten waren die Stationen somit geschlossen! Für einige Mitstudenten war es sogar nicht mehr möglich gewesen, in die Schule zu kommen. Der TGV war davon natürlich auch beeinträchtigt. In den ersten 3 Wochen verkehrte manchmal nur ein einziger Zug nach Zürich und man wusste erst 48h vor der Abfahrt, ob sein Zug annulliert wird oder nicht.

Etwas schwieriges für mich mitanzusehen ist die hohe Anzahl von Obdachlosen. Besonders jetzt im Winter, wenn sie in den Metrostationen oder in der Metro selber herumliegen, ist der Gestank manchmal nicht auszuhalten und das Bild nicht anschaubar.

Die Stadt ist erstaunlicherweise nicht wie oft gesagt sehr dreckig, aber dafür wie die meisten Grossstädte sehr laut. An den Hauptstrassen und in einigen Quartieren geht es oft Tag und Nacht hektisch zu und her. Da ich selber nicht direkt in der Stadt gross geworden bin, ist das für mich auch eher ungewohnt und ich könnte mir das nicht für immer vorstellen.

Fazit

Natürlich könnte ich noch so viele weitere tolle Facetten von Paris nennen und somit auch jedem empfehlen, seinen Austausch hier zu machen!
Nun haben bereits die letzten zwei Monate meines Aufenthalts begonnen und ich bin gespannt, was diese noch so mit sich bringen. Ich freue mich jedoch auch sehr, Ende April nach Hause kommen zu können. J 

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