KV-Reform - Übertritt an Fachhochschulen muss sichergestellt sein

FH SCHWEIZ befürchtet durch die geplante KV-Reform, die 2022 eingeführt werden soll, einen Abfall des schulischen Niveaus und eine Gefährdung des Übertritts von der KV-Lehre an die Fachhochschule und hat deshalb Stellung genommen: Die Berufsmaturität während der Lehre, der Erwerb von Fremdsprachen und grundlegendem Wissen müssen weiterhin möglich sein.

Mit der Reform ¬ęKaufleute 2022¬Ľ wird die Verordnung √ľber die berufliche Grundbildung und der Bildungsplan f√ľr den Beruf Kauffrau/Kaufmann EFZ √ľberarbeitet. Die Reform soll sicherstellen, dass kaufm√§nnisch-betriebswirtschaftliche Fachkr√§fte fit f√ľr die Zukunft bleiben. Die Ausbildung Kauffrau/Kaufmann EFZ ist zusammen mit der Berufsmaturit√§t (BM) eine der gr√∂ssten Zubringerinnen an die Fachhochschulen. Die Anpassungen an der Verordnung √ľber die berufliche Grundbildung und der Bildungsplan f√ľr den Beruf Kauffrau/Kaufmann EFZ haben damit direkte Auswirkungen auf die zuk√ľnftigen Studentinnen und Studenten der Fachhochschulen und auf den Arbeitsmarkt der Absolventinnen und Absolventen.

Was ist geplant?

Die Reform beinhaltet im Wesentlichen: Die Handlungskompetenzen stehen im Fokus. Diese gewinnt man durch praktische Erfahrungen. Der Lehrbetrieb steht als wichtigster Lernort im Zentrum. Handlungskompetenzbereiche ersetzen die F√§cher. Nur eine Fremdsprache wird obligatorisch sein. Eine zweite kann im Wahlpflichtbereich anstatt einer individuelle Projektarbeit gew√§hlt werden. Die Profile E und B verschwinden. Eine Arbeitsgruppe f√ľr die integrierte BM erarbeitet bis im Sommer 2021 je ein Umsetzungskonzept f√ľr die integrierte BM (BM1) und f√ľr den √úbergang zur BM2 (BM nach der Lehre). Mit den neuen kaufm√§nnischen Grundbildungen EFZ und EBA soll im Sommer 2022 gestartet werden k√∂nnen.

Was sagt FH SCHWEIZ dazu?

Die Intention der Reform, den Betrieben den administrativen Aufwand zu verringern, bef√ľrworten wir. Wir begr√ľssen auch grunds√§tzlich die mit der Reform angestrebte St√§rkung der Handlungskompetenzen, doch wir bef√ľrchten wie zahlreiche weitere indirekt betroffene Kreise einen massiven Abfall im schulischen Niveau. Es darf durch die Reform nicht generell zu einer Nivellierung nach unten kommen. Folgende Punkte sind besonders wichtig, um die Anschlussm√∂glichkeit an die Fachhochschule auch weiterhin sicherzustellen:

 

  • Die Berufsmaturit√§t muss auch weiterhin w√§hrend der Lehre m√∂glich sein
    Die BM1 ist die Berufsmaturit√§t, welche w√§hrend der Lehre besucht wird. Sie dient auch dazu, dass die Lernenden direkt nach der Ausbildung ein Studium an einer Fachhochschule beginnen k√∂nnen. Im Bildungsplan wie auch in der Verordnung wird die BM1 nicht erw√§hnt. Sie muss aber weiterhin integriert m√∂glich sein, wurden doch zuletzt von Bund und Verbundspartnern umfangreiche Anstrengungen unternommen, die BM1 zu f√∂rdern. Zudem m√ľssen die Vorgaben der Berufsmaturit√§tsverordnung BMV bei Integration zwingend eingehalten werden. Ausserdem muss der √úbergang in die BM2 (Berufsmaturit√§t durch Besuch einer Berufsmaturit√§tsschule im Anschluss an die berufliche Grundbildung) trotz Verschmelzung E/B Profil auch m√∂glich sein.

  • Sprachen sind wichtig und f√ľr Auszubildende wie f√ľr Ausbildner verbindlich zu regeln
    Die Beherrschung von Sprachen ist nicht nur in der Berufswelt wichtig, sondern auch f√ľr ein zuk√ľnftiges Fachhochschulstudium. Zudem sollte der √úbertritt nach der Lehre in die BM2 oder auch in Ausbildungen im Bereich Terti√§r B nicht unn√∂tig erschwert werden. F√ľr den √úbertritt ist meist eine zweite Landessprache sowie konkret Englisch notwendig. Wird anstatt einer zweiten Sprache im Wahlpflichtbereich die individuelle Projektarbeit besucht, entstehen Defizite, die aufgeholt werden m√ľssen. In der Anh√∂rung werden zwei Varianten zu Art. 4 Fremdsprache dargelegt. Der Originaltext sieht vor, dass eine Fremdsprache obligatorisch erlernt wird. Dies kann je nach Kanton eine Landessprache oder auch Englisch sein. Der Lehrbetrieb bestimmt die Sprache aus der Auswahl, die der Kanton vorgibt. Bei der alternativen Variante ist die obligatorische Sprache immer eine Landessprache. Englisch kann nur als Wahlpflichtbereich gew√§hlt werden. Englisch ist jedoch in vielen Kantonen und f√ľr viele Lernende sowie Ausbildungsbetriebe wichtig. Daher sollte Englisch als obligatorische Fremdsprache immer zur Auswahl stehen. FH SCHWEIZ bevorzugt den Originaltext, der es den Kantonen √ľberl√§sst, auch Englisch als obligatorische Fremdsprache anzubieten.

  • Grundlegendes Wissen darf nicht vollends verschwinden
    Der Fokus auf Kompetenzen ist gut. Aber F√§cher wie ¬ęWirtschaft und Gesellschaft¬Ľ sind wichtig. Die Waagschale kippt sonst zu einseitig von der bisherigen F√§cherorientierung (Fachkompetenz) hin zur reinen Darstellung (Methodenkompetenz). Handlungsorientierung bedeutet aus unserer Sicht eine zielgerichtete Verbindung und Verkn√ľpfung zwischen den fachlichen, methodischen, selbst- und sozialorientierten Kompetenzen, um dabei eine Balance zu finden und nicht die Priorisierung einzelner Kompetenzen. Ausreichende fachliche Grundlagen in Volkswirtschaft, Recht oder Buchhaltung dienen n√§mlich dazu, die Lehrabg√§ngerinnen und Lehrabg√§nger zu bef√§higen, betriebswirtschaftliche Basis-Zusammenh√§nge in der Wirtschaft besser zu verstehen. Dies geht √ľber die unmittelbare T√§tigkeit am kaufm√§nnischen Arbeitsplatz hinaus und bildet das Fundament, auf welchem Fachhochschulen, die h√∂here Berufsbildung und BM2 aufbauen k√∂nnen. Ansonsten muss dies nach der Lehre mit mehr Aufwand und Kosten nachgeholt werden.

 

>> Mehr Informationen zur Stellungnahme der FH SCHWEIZ zur KV-Reform

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