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«In der Baubranche wird der Faktor Mensch viel zu wenig berücksichtigt»

Maria Hischier ist Architektin und Studentin des Master-Studiengangs «MSc FHNW in Virtual Design and Construction (VDC)». Im Interview berichtet sie über ihre bisherigen beruflichen Erfahrungen in der Baubranche und was sie motiviert hat, ein Master-Studium in Virtual Design and Construction zu absolvieren.

Virtual Design and Construction (VDC) - Die Digitalisierung der Baustelle ganzheitlich denken

Virtual Design and Construction (VDC) stellt die Zusammenarbeit aller Beteiligten in den Mittelpunkt und beschreibt einen gesamtheitlichen Abwicklungsprozess für Bauprojekte. VDC geht dabei noch weiter als die technischen Aspekte von BIM (Building Information Modeling), da dieser Ansatz auch neue Handlungs- und Denkweisen fordert und fördert. Denn die Arbeit mit neuen digitalen Werkzeugen ist das eine – um mit diesen auch nachhaltiger und effizienter arbeiten zu können, braucht es Wissen zu neuen Formen der Zusammenarbeit, neuen Herangehensweisen und dazu, wie ein neues Mindset in die Baubranche kommt. Hier setzt der Master-Studiengang «MSc FHNW in Virtual Design and Construction (VDC)» der Hochschule für Architektur, Bau und Geomatik FHNW an. Einmalig im deutschsprachigen Raum kombiniert er den Einsatz von neuen Technologien mit geeigneten Organisations- und Prozessformen in der Baubranche.

Maria Hischier ist eine der ersten Absolventinnen des neuen Master-Studiengangs und erzählt uns im Interview über ihre Motivation für das Studium und was sie in den letzten zwei Jahren lernen konnte.

Maria, kannst du uns kurz ĂĽber deinen beruflichen Werdegang und Background informieren?

Vor meinem Studium habe ich eine Ausbildung als Hochbauzeichnerin mit berufsbegleitender Matura gemacht und danach praktische Erfahrungen gesammelt, indem ich ein Jahr Vollzeit gearbeitet habe. Nach diesem Jahr habe ich mich dazu entschlossen ein berufsbegleitendes Architekturstudium an der Hochschule Luzern zu absolvieren. Während dieses 4-jährigen Studiums war ich als Projektleiterin in einem Architekturbüro in Luzern tätig. Aktuell arbeite ich als wissenschaftliche Assistentin an der Hochschule Luzern und unterstütze den Unterricht. Zusätzlich bin ich seit Anfang 2022 als Projekt- & Prozessmanagerin bei der Firma Digireal AG tätig und berate Bauprojekte zum Thema Integrated Project Delivery (IPD), Lean und Building Information Modelling (BIM).

Mit welchen Erwartungen bist du in das Studium gestartet?

Als ich mich für ein Studium in VDC entschied, hatte ich die Ambition mein Wissen über digitales Bauprozessmanagement zu vertiefen. Ich erwartete, dass das Studium mir die notwendigen Kenntnisse und Werkzeuge vermitteln wird, um komplexe Projekte im Bauwesen effektiver zu planen, zu koordinieren und zu managen. Ich hoffte auch, dass ich lernen würde, wie ich fortschrittliche Technologien und Tools einsetzen kann, um virtuelle Modelle von Bauwerken zu erstellen und zu analysieren. Während des Studiums hatte ich auch die Gelegenheit, mit erfahrenen Experten auf diesem Gebiet zusammenzuarbeiten und von ihren Erfahrungen und Einsichten zu profitieren. Insgesamt denke ich, dass das Studium in VDC eine spannende Gelegenheit war, um mein Wissen und meine Fähigkeiten auf ein neues Niveau zu bringen. Vor allem der Aufbau und die Inhalte des Studiums hatten mich dann überzeugt, denn es gibt in diesem Bereich nichts Vergleichbares in der Schweiz.

Das Highlight meines Studiums war definitiv die Seminarwoche in Oslo. Dort hatten wir die Möglichkeit, uns intensiv mit erfahrenen Expert*innen aus dem Bereich Virtual Design and Construction bzw. dem Digitalen Bauen auszutauschen.

Was kannst du nun nach rund vier Semestern festhalten, haben sich deine Erwartungen erfĂĽllt?

Das Master-Studium in Virtual Design and Construction hat meine Erwartungen definitiv erfüllt. Ich kann es nur wärmstens weiterempfehlen. Während der letzten zwei Jahre konnte ich mir ein breites Spektrum an neuem Wissen aneignen, das ich bereits in meiner Arbeitspraxis erfolgreich anwenden konnte. Sowohl meine vorherigen Erfahrungen als auch das neu Gelernte haben mir dabei geholfen, meine Arbeit auf ein höheres Niveau zu bringen. Insgesamt war das Studium eine grossartige Gelegenheit, um meine Fähigkeiten im Bereich VDC zu erweitern und zu vertiefen. Ich bin dankbar für die wertvollen Erfahrungen, die ich während des Studiums gemacht habe, und ich bin zuversichtlich, dass ich das Gelernte auch in Zukunft erfolgreich anwenden werde.

Der Studiengang wird von zwei Fachhochschulen durchgeführt, der Hochschule für Architektur, Bau und Geomatik FHNW sowie der Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW. Wie fliessen die, für ein Studium in der Baubranche ja eher untypischen Inhalte aus dem Bereich Psychologie, mit ein? Wie schätzt du die Relevanz dieser Themen ein?

Meiner Meinung nach lässt sich die Psychologie sehr gut in das Thema des digitalen Bauens integrieren. Denn Bauen ist immer mit Menschen verbunden, daher ist es entscheidend, dass wir die Menschen verstehen, mit denen wir zusammenarbeiten. Für mich ist es auch faszinierend zu sehen, wie eine einzelne Person eine Gemeinschaft zusammenbringen kann. In der Baubranche wird der Faktor Mensch oft vernachlässigt, weshalb ich denke, dass das Master-Studium eine hohe Relevanz für die Baubranche hat.

Was war fĂĽr dich ein besonderes Highlight im Studium?

Das Highlight meines Studiums war definitiv die Seminarwoche in Oslo. Dort hatten wir die Möglichkeit, uns intensiv mit erfahrenen Expert*innen aus dem Bereich Virtual Design and Construction bzw. dem Digitalen Bauen auszutauschen. Während dieser Zeit erhielten wir wertvolle Einblicke in digitale Prozesse und Methoden und wie diese in aktuellen und zukünftigen Infrastrukturprojekten Anwendung finden.

Was hat dich am Studiengang besonders ĂĽberrascht?

Das Studium hat mir die Augen geöffnet, wie sehr die Schweizer Baubranche in Bezug auf die Digitalisierung hinterherhinkt. Während meiner Zeit in Oslo wurde mir klar, wie viel weiter andere Länder bereits bei der Anwendung von Prozessen und Methoden des Digitalen Bauens sind. Es war beeindruckend zu sehen, wie fortgeschritten und innovativ die Infrastrukturprojekte in anderen Ländern sind, die auf digitale Lösungen setzen. Für mich war es ein Weckruf, um mich noch intensiver mit den Möglichkeiten der Digitalisierung im Baugewerbe auseinanderzusetzen und meinen Beitrag zur Weiterentwicklung dieses wichtigen Bereichs zu leisten.

Das Master-Studium in Virtual Design and Construction hat meine Erwartungen definitiv erfüllt. Ich kann es nur wärmstens weiterempfehlen.

Welche Lehrinhalte lassen sich bereits jetzt gut in deine Arbeitspraxis integrieren?

Besonders fasziniert haben mich im Studium die Themen des digitalen Bauprozessmanagement, die behandelt wurden. Durch das Studium konnte ich lernen, Prozesse besser zu gestalten und mehr Struktur in Bauaufgaben zu bringen. Die Führungsinstrumente, die ich erlernt habe, konnte ich erfolgreich einsetzen, um das Baumanagement zu verbessern. Besonders interessant waren für mich die Module «Zusammenarbeit gestalten» und «Prozessgestaltung», da sie mir viele neue Erkenntnisse für meinen Berufsalltag brachten. Auch die Module, die sich intensiv mit dem Thema «Psychologie auf der Baustelle» auseinandersetzten, waren ein grosser Gewinn für meine Fähigkeiten, da ich das Gelernte bereits erfolgreich in der Praxis anwenden konnte.

Welche WĂĽnsche hast du fĂĽr die Weiterentwicklungen in der Baubranche?

Mein Wunsch ist, dass es ein stärkeres Miteinander gibt, und weniger Konkurrenz herrscht. Der Fokus sollte mehr auf dem besten Projekt liegen und nicht auf den persönlichen Bedürfnissen oder Interessen. Denn leider sind ineffiziente Arbeitsabläufe, Verschwendung von Ressourcen und mangelnde Koordination oft noch vorhanden. Diese Aspekte können zu Verzögerungen, Qualitätsproblemen und Budgetüberschreitungen führen. Ich hoffe, dass ich dazu beitragen kann, diesen Paradigmenwechsel zu fördern und durch mein neues Know-how zur Transformation und Digitalisierung beitragen kann. Allerdings habe ich auch Bedenken, dass es möglicherweise zuerst noch einen Tiefpunkt geben wird, bevor es bergauf geht und wir aus unseren Fehlern lernen. In jedem Fall bin ich der Meinung, dass Veränderungen in der Baubranche unvermeidbar sind, da wir so nicht weitermachen können wie bisher.

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