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Hans-Jürg Rickenbacher (1) | Beirat FH SCHWEIZ Sänger und Dozent HSLU03.04.2020

Endlich haben wir genug Zeit zum Üben! Die Pause haben wir uns doch in der Hektik so oft herbeigesehnt. Jetzt ist sie da und was machen wir nun mit der plötzlichen Freiheit? Der Präsenzunterricht, in unserem Fall das tolle Eins-zu-eins Setting im Einzelunterricht, ist nun auf Wochen hinaus nicht mehr möglich. Hier ein paar Gedanken, um trotzdem weiterzukommen.

Selbstverständlich können wir jederzeit in Kontakt treten über alle bekannten Kanäle: Klassenchat, Mails und Anrufe werden aber irgendwann unübersichtlich und der Videostream über Skype oder Zoom kann den Einzelunterricht nur begrenzt ersetzen, wie unsere ersten Erfahrungen zeigen. Dieser Blog sei deshalb Forum und Archiv für das neue, selbstbestimmte Lernen!


Struktur gibt Halt

Aus eigener Erfahrung empfehle ich, den Tag gut zu strukturieren: einen eigenen Stundenplan erstellen, To-Do-Listen führen und nicht alles auf einmal erledigen wollen in den vielen freien Stunden, die vor einem liegen. Man kann sich in der neuen Freiheit auch verirren.

  1. Den Tag am besten mit Bewegung anfangen: Peter und ich schwören auf das „7 Minutes-Workout“ – damit habt ihr in kurzer Zeit schon etwas erledigt und die Apps verleihen Auszeichnungen für Fleissige! Seven Minutes. Wir empfehlen diese für CHF 4.- aber es gibt auch viele gratis Apps dazu. Selbstverständlich könnt ihr euren Tag auch mit Joga, Pilates, Tai Chi, Jogging, frischer Luft und/oder einem Espresso beginnen – was euch gut tut und einstimmt!
  2. Danach braucht ihr einen Raum, in dem ihr arbeiten und üben könnt. Jetzt wo der Campus geschlossen wird, müsst ihr gut kommunizieren, wenn in eurer Umgebung Üben normalerweise nicht erwünscht ist: genaue Zeiten abmachen, sich daran halten und ab und zu die Früchte eures Tuns verschenken. Die Balkonkonzerte in Italien sind ein Hit und eure Stimmen werden von all den Home-Officern bestimmt geschätzt.
  3. Stellt euch ein gutes Übeprogramm mit eurem eigenen, individuellen Menu zusammen. Übephasen
  4. Neue Stücke könnt ihr mit System anpacken: Acht-einfache-Schritte (zusammengestellt von meinem Kollegen René Perler)
  5. Die Listen von Peter Brechbühler kann ich sehr empfehlen: AUFGABENSTELLUNGEN_Unterrichtsunterbruch / BÜCHERLISTE / GESANGMentaltraining_Arbeitsblatt
  6. Neue Musik-Apps ausprobieren, Liedtexte, Phonetik
  7. Online-Angebote unserer Bibliothek (Am besten über eine VPN-Verbindung, damit ihr bei IMSLP nicht warten müsst) – hier könnt ihr euch richtig austoben in Notensammlungen, Aufnahmen etc.


Meine erste Corona-Woche

Nach vier Tagen HomeVoice-Unterricht komme ich langsam in die Gänge, aber das Format hat seine Grenzen: Stimmbildung geht und „begleitetes Üben“ auch, ein Lied am Klavier zu begleiten wird schwierig…Am besten fährt man mit einer guten WLAN-Verbindung und Computer plus Bluetooth Lautsprecher o.ä. Auch ein Headset kann von Vorteil sein und bei schlechten Verbindungen mussten wir auch schon notfallmässig auf reine Audiogespräche oder Sprachmemos ausweichen. Es gab auch viel zu lachen, wenn wieder ein Bild einfriert oder die Sängerin mitten in der Phrase im akustischen „Tunnel“ verschwindet. Die Studierenden reagieren gut und scheinen froh, um die persönliche Kontaktaufnahme. Sozusagen ein keimfreier Hausbesuch in den diversen WGs und Heimaten meiner Klasse. Die ersten Tage waren sehr anstrengend und heute bin ich bereits selber froh, um diese Kontakte nach aussen! Ob wir das wochenlang so durchhalten, werden wir noch sehen…keep singing and resisting!


Dieser Beitrag ist als Erstpublikation und in voller Länge auf dem Blog der Hochschule Luzern erschienen.

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