Deshalb habe ich vor bald einem Jahr gestreikt


Lea Schlenker | Studentin02.06.2020

Zeit. Lohn. Respekt. Es gibt viele Gründe, sich für die Gleichstellung der Geschlechter einzusetzen. Auch in der Hochschullandschaft der Schweiz.

Seit 1981 ist die Gleichstellung der Geschlechter in der Verfassung verankert. Obwohl in den letzten Jahren einige beträchtliche Erfolge gefeiert werden konnten, harzt es in vielen Bereichen aber noch stark. Frauen verdienen immer noch weniger als Männer, trotz gleichwertiger Ausbildung und Arbeit, und es gibt keine verbindlichen Sanktionen und Kontrollen, die dem Ganzen ein Ende bereiten. Folgt noch die «Gratisarbeit», die viele Frauen leisten, die sich neben ihrer Erwerbstätigkeit um ihren Nachwuchs kümmern und somit in die Zukunft dieses Landes investieren. 


Übergriffe sind keine Ausnahme

Die Liste der greifbaren Probleme ist lang, auch im Privatleben sind Frauen häufig von (explizitem oder implizitem) Sexismus betroffen. Ausdrücke wie «Mansplaining» oder «Slutshaming» sind, so bedenklich das auch ist, praktisch jeder Frau ein Begriff. Grenzen wurden bei Frauen schon immer viel leichter überschritten, seien es physische oder mentale. Schnell landet mal die Hand des Vorgesetzen auf dem Knie, in wenigen Sekunden wird in der Kommentarspalte eine selbstbewusste Frau als «hässliche Kuh» beschimpft oder eine Frau mit rotem Lippenstift als weniger kompetent als der männliche Gegenspieler wahrgenommen. 


In der Hochschulbildung untervertreten

Äusserst bedenklich ist auch, dass in der Bildung sexistische Stereotype noch viel stärker verankert sind, als wir eigentlich denken. Die gesamte Schul- und Berufslaufbahn wird von impliziten Geschlechterrollen geprägt, bis hin zu der Wahl des Studiums. Rund die Hälfte der Studierenden an Schweizer Hochschulen sind zwar Frauen. Das ist ein Fortschritt. Aber selbst heute besteht noch ein grosses Ungleichgewicht der Geschlechter zwischen den einzelnen Studiengängen. 2018 studierten in der Schweiz beispielsweise rund 73% Frauen Sprach- und Literaturwissenschaften, aber nur 16% Maschinen- und Elektroingenieurwissenschaften. An der Universität Bern beispielsweise hat es bloss 20% weibliche Professorinnen, an der Universität Zürich sind es 23%.


Einsatz für Gleichstellung

Auch ein Jahr nach Streik gilt es, sich für die Gleichstellung einzusetzen, wie das auch der VSS (Verband der Schweizer Studierendenschaften) auf Hochschulebene macht. Wir setzen uns für die Gleichstellung der Geschlechter ein, sei es während des Studiums oder einer akademischen Karriere. Denn trotz eines erfolgreichen Frauenstreiks gibt es noch viel zu machen, sei es im Privatleben oder im Studialltag. 





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