Prof. Dr. Marc Schnyder ist seit September 2025 im Amt und damit der dritte Rektor der recht jungen Fernfachhochschule (FFHS). Unter seinen Vorgängern Kurt Grünwald (ab Gründung 1998) und Michael Zurwerra (ab 2017) wurde die FFHS aufgebaut, 2021 institutionell akkreditiert und organisatorisch der Tessiner Fachhochschule SUPSI angeschlossen (sog. affiliiert). Sie wuchs dabei von einer Klasse bis hin zu aktuell 3300 Studierenden. In den letzten Jahren wurden ausserdem nebst des Hauptsitzes in Brig die weiteren Standorte in Zürich, Bern, Basel und St. Gallen eröffnet.
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Den geografischen Wurzeln bleibt die FFHS hingegen treu, auch was ihren neuen Rektor betrifft. Der 53-jährige Oberwalliser Marc Schnyder hat an der Universität Fribourg Wirtschaft studiert und dort auch promoviert. Zuletzt war er Professor an der Hochschule für Wirtschaft HES-SO Wallis. Dort hatte er das Institut für Tourismus mitaufgebaut und bis 2022 geleitet. Er lebt in Sion, ist verheiratet und hat eine 20-jährige Tochter. Im Interview verrät er, was das Amt einerseits für ihn persönlich bedeutet, und wohin er in nächster Zeit mit der FFHS steuert.
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Marc Schnyder: Unter meinem Vorgänger Michael Zurwerra ging es während des Wachstums viel um Strukturierung, Organisation, Prozesse und Qualitätsmanagement sowie natürlich die Akkreditierung. Er hat hier grossartige Arbeit geleistet, heute sind wir in der gesamten Deutschschweiz präsent. Ich konnte diese Erfolgsstory nun übernehmen, bin mir jedoch bewusst, dass irgendwann die Obergrenze erreicht ist. Wir gehen derzeit von maximal 4000 Studierenden aus. Ich denke ich bin auch hinsichtlich dieser anstehenden Konsolidierung gewählt worden, da ich viel Führungserfahrung in der Hochschullandschaft einbringen kann.
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(Lacht) Nein, so war das natürlich nicht gemeint. Selbstverständlich müssen wir uns stets weiterentwickeln. Gerade in der Lehre ist das in diesen Zeiten sehr wichtig. Als Fernhochschule haben wir im digitalen Bereich einen hohen Anspruch. Blended Learning, also die Verbindung von Online-Unterricht mit Präsenz, ist unser USP. Hier sind wir führend. Dabei ist mir persönlich wichtig, die zwanzig Prozent Präsenzzeit, die in den meisten Studiengängen gelten, auch persönlich umsetzen. So bin ich nebst dem Hauptstandort in Brig auch möglichst einmal in der Woche in Zürich, regelmässig auch in Bern oder an den Standorten in Basel und St. Gallen.
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Für uns schon. Das Blended Learning haben wir in unserer DNA. Wir arbeiten im Verbund der virtuellen Hochschulen in dieser Hinsicht auch viel mit deutschen Hochschulen zusammen. Auch andere Hochschulen holen hier auf, wir sind aber gut aufgestellt und bleiben dran. Wichtig ist zu erwähnen, dass wir auch weiterhin keine reine Online-Hochschule werden möchten, sondern der Anteil an Präsenzzeit wichtig für uns bleibt.
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Wir haben eine einheitliche KI-Strategie entwickelt und sind damit bereits weiter als andere. Nun beschäftigt uns insbesondere, wie man die Strategie gewinnbringend integrieren kann – vor allem in die Lehre, aber auch bei Mitarbeitenden und Dozierenden. Diese sollen beispielsweise KI-Assistenten erhalten. Zudem müssen nun bereits vorliegende Erkenntnisse aus Projekten in Teilbereichen zusammengebracht und umgesetzt werden.
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Da sich die gefragten Kompetenzen im Arbeitsmarkt durch KI laufend verändern, versuchen wir unsere Module in den Studiengängen entsprechend anzupassen. Dazu müssen sich die Dozierenden fragen, welche Kompetenzen an KI ausgelagert werden können und in welchen Bereichen das Gesamtverständnis bei den Studierenden umso mehr gefördert werden muss. Ein Beispiel dazu wäre die Wirtschaftsinformatik. Die Dozierenden sind daran, die Curricula entsprechend anzupassen. Ein weiterer Punkt ist, wie KI-Anwendungskompetenzen geprüft werden können, und inwiefern KI auch bei Prüfungen integriert werden kann. Insgesamt wird klar unterschieden, ob eine Kompetenz KI beinhaltet oder nicht. Auf der anderen Seite werden die Soft Skills wieder wichtiger, auch Resilienz oder Change Management.
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Diese Veränderungen bemerken wir auch bei der Nachfrage der Studiengänge. Wir hatten auf dieses Jahr hin zum Beispiel einen Rückgang bei der Nachfrage nach Informatik, nicht aber bei der Wirtschaftsinformatik. Sie verknüpft zwei Bereiche, was eher zukunftsfähig ist. Wir müssen aber die Entwicklung der nächsten Jahre beobachten und schauen, ob sich der Trend weiterzieht. Aber ich glaube, dass die Bedeutung von Informatik-Studiengängen sich verändern wird, beispielsweise sehen wir ein Wachstum bei Cyber Security. Im Arbeitsmarkt zeigt sich wiederum, dass Entwickler mit wenig Erfahrung mehr Mühe haben eine Stelle zu finden als vor einigen Jahren. Erfahrung hingegen zählt. Die Frage dort ist also: Wie kommt man vom Junior zum Senior?
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Kompetenzen, die gefragt sein dürften, sind Organisationskoordinationskompetenzen und jegliche Kompetenzen im Zusammenhang mit menschlicher Interaktion, also psychologische Soft Skills. Als ich in den 90er-Jahren Wirtschaft studiert habe, waren Soft Skills schlicht kein Thema. So etwas kam dann mit der Erfahrung «on the Job» oder in Seminaren. Heute muss man das zwingend im Studium integrieren, zusätzlich zum Fachlichen. Auch Change Management sollte auch im Studium integriert sein – sowohl in betrieblicher Hinsicht als auch in Bezug auf das persönliche Life Long Learning.