Bachelorarbeit "Digitales Arztzeugnis"


Tim Kriemler & Daniel Siegenthaler | Absolventen | BFH12.03.2021

Erhalten wir Arztzeugnisse bald nur noch digital? Was braucht es, damit sich ein digitales Arztzeugnis durchsetzt? In diesem Artikel stellen wir Ihnen unsere Bachelorarbeit im Studiengang Informatik an der Berner Fachhochschule (BFH) zum Thema «Digitales Arztzeugnis» vor und machen einen Ausblick, wie sich das Thema in Zukunft entwickeln könnte.

Ausgangslage

Ein Arztzeugnis ist eine Bescheinigung, dass jemand aufgrund seines Gesundheitszustands einer vertraglich verpflichteten Tätigkeit nicht nachgehen kann. Typischerweise findet es Anwendung bei einem Arbeitsverhältnis, einer Prüfung oder für den (vorzeitigen) Rücktritt von einem Vertrag. In der Schweiz werden Arztzeugnisse oft per Papier abgewickelt, was von Medienbrüchen (Drucken und Scannen) und somit von Aufwand begleitet wird. Bei einem Arztzeugnis sind drei Parteien involviert: Aussteller, meistens Ärzte, behandelte/r Patient/in und Empfänger, üblicherweise ein Arbeitgeber oder eine Bildungseinrichtung.


Ziele

Unser digitales Arztzeugnis soll folgende Anforderungen erfüllen, damit es akzeptiert wird:

  • Schutz der Personendaten gewähren
  • Authentizität des Arztes überprüfbar machen
  • Integrität der Daten bewahren
  • Rasche sowie einfache Ausstellung und Überprüfung ermöglichen


Umsetzung

Wir implementierten eine Web-Applikation, welche die notwendigen Daten für ein Arztzeugnis sowohl per Web-Formular wie auch über eine Web API entgegennimmt: Namen des/der Patienten/in, Start, Ende und Grad der Arbeitsunfähigkeit, den Behandlungsgrund sowie allfällige Bemerkungen.

Unsere Web-Applikation ist in das Netzwerk der Health Info Net AG (HIN) eingebunden, ein System, welches bei Ärzten stark verbreitet ist. Wir nutzen somit gewisse Funktionalität von HIN: Authentisierung und Autorisierung werden von HIN übernommen. Ebenso nutzen wir einen Blockchain-basierten Dienst zum Signieren von Dokumenten, HIN Sign, sowie HIN Mail für den verschlüsselten Versand von E-Mails.

Nach der Übermittlung der Daten an unser System, wird ein PDF-Dokument generiert. Dieses Dokument wird anschliessend von HIN Sign signiert und schlussendlich über HIN Mail entweder an den/die Patienten/in oder direkt an den endgültigen Empfänger sicher übermittelt.


Fazit

Eine digitale Lösung des Arztzeugnisses berücksichtigt die Schnittmenge der Anforderungen von Aussteller, Patient/in und Empfänger. Dabei sind die Aussteller, Ärztinnen und Ärzte, für den Erfolg von diesem Service zentral. Unsere durchgeführte Umfrage zeigt, dass Aussteller sich eine ins Primärsystem integriert Lösung wünschen.


Bereits formieren sich andere digitale Lösungen: Telemedizinische Anbieter stellen digitale Arztzeugnisse ebenfalls als signierte PDF-Dokumente aus. Diese werden innerhalb von ihrer Smartphone App sicher übermittelt. Die E-Mails der Kantonsärzte während COVID-19 sind ebenso eine Art digitales Arztzeugnis, obschon sie nicht besonders fälschungssicher sind.


Wir sind der Auffassung, dass HIN aufgrund der starken Verbreitung bei Ärzten, aktuell die ideale Umgebung für einen solchen Service ist. Unser Prototyp bietet die notwendige Funktionalität für ein digitales Arztzeugnis und überzeugt punkto Prozess- und Systemintegration, Datenschutz und Sicherheit.

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