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Auf Augenhöhe mit den Ärzten

Vanessa Leutenegger ist eine von wenigen FH-Absolventinnen, die den Weg zum Doktortitel anstrebt. Die ausgebildete Hebamme erklärt, warum dies für sie Sinn macht und was sie am Kooperationsmodell zwischen Fachhochschule und Uni schätzt.

Was ist Ihre Motivation, ein PhD zu absolvieren?

Vanessa Leutenegger: Diese Frage musste ich schon ein paar Mal beantworten. Meine Hauptmotivation ist es, einen möglichst umfassenden Rucksack für meine Profession als Hebamme zu füllen. Das gilt auch für meine bisherigen Ausbildungen. Denn angesichts der stark eigenständigen Fachexperten/-innen in meinem Berufsumfeld kann ich so auch den Stand der Hebammen stärken. Ich sehe es täglich im Beruf: Nach der Grundausbildung fehlte mir als Hebamme ein gewisses Werkzeug, um auf Augenhöhe mit den ärztlichen Fachpersonen zu diskutieren. Meiner Meinung nach ist dies aber nötig, damit gemeinsam neue Versorgungsmodelle entwickelt oder adaptiert werden können.

 

Welches Berufsziel verfolgen Sie?

Ich bin leidenschaftlich gerne Hebamme und werde das auch immer sein. Welchen beruflichen Weg ich genau gehen werde, ist jetzt aber noch nicht klar. Die Kombination von Dozieren an der Hochschule, dem Austausch mit Kolleginnen und meinem Beruf als freiberufliche Hebamme macht für mich im Moment den Reiz aus und erfüllt mich sehr. 

 

Welche Vorteile sehen Sie im Kooperationsmodell zwischen Uni und FH?

Ich sehe es als grosse gegenseitige Bereicherung. Die Involvierten an den Hochschulen müssen überlegen, wie man gemeinsame Programme gestaltet, wer wie wovon profitieren kann. Das öffnet die Augen für das Gegenüber. So können nicht nur wir Doktorierende von zwei verschiedenen Welten profitieren, sondern auch die Institute. Dies natürlich ganz abgesehen davon, dass solche Modelle es erst ermöglichen, dass ich als Hebamme ein Doktorat absolvieren kann.

 

Wie unterscheidet sich die Wissensvermittlung an der Uni von jener an der FH?

Ich kann das nur in Bezug auf das PhD beurteilen. Die Uni ist sicher viel stärker auf das selbstständige Er­arbeiten von Wissen ausgerichtet, während man dann «nur» noch für Diskussionen und den Austausch zusammenkommt. Wissensvermittlung geschieht nicht im Präsenzunterricht, das ist sicher ein Unterschied zur FH-Ausbildung.

 

Sie mussten für die Zulassung zum PhD als FH-Absolventin zuerst weitere ECTS an der Uni sammeln. Wenn es die Möglichkeit zum PhD an der Fachhochschule gegeben hätte, hätten Sie dieses gewählt?

Schwierige Frage, da sie natürlich hypothetisch ist. Der PhD-Titel eröffnet neue Möglichkeiten, die über jene eines reinen FH-Abschlusses hinausgehen. Letztlich sind für mich nicht der Ort, wo man ihn absolviert, oder der leichtere Zugang in Bezug auf ECTS die Hauptargumente. Sondern der Inhalt wäre der ausschlaggebende Punkt. Bei gleichen Angeboten wäre die Art der Hochschule für mich unwichtig. Ich sehe die beiden Systeme nicht als Konkurrenz zueinander.

 

Dieser Artikel erschien als Erstpublikation im Magazin INLINE vom Mai 2021.

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