Sie gehen bereits mit 62 Jahren in den Ruhestand. Warum ist jetzt für Sie der richtige Zeitpunkt?
Drei Aspekte standen bei mir für diesen Entscheid im Vordergrund. Zwei betreffen wichtige Veränderungen bei der BFH. Zum einen sind das die beiden neuen Campus in Biel und Bern, zum anderen stehen mehrere Wechsel in Leitungspositionen an. Der neue Rektor soll bis zum Bezug und im ersten Betrieb die Neubauprojekte begleiten können und bei den Leitungspositionen mitbestimmen. Der dritte Aspekt ist privater Natur: Im Juni werde ich sieben Jahre Rektor gewesen sein. Das ist eine schöne Zeitspanne, ein frischer Wind tut da gut. Und nach 27 Jahren in Führungspositionen in Bildungsorganisationen möchte ich mich einmal etwas anderem widmen, solange ich noch «zwäg» bin.
Welches war Ihr grösster Glücksmoment in den sieben Jahren als BFH-Rektor?
Keine leichte Frage. Wenn Sie auch zwei akzeptieren, dann sind es für mich die beiden Jurierungen bei den Architekturwettbewerben für die Campus in Bern und Biel. An der Zukunft der BFH mitwirken, sie mitgestalten zu können, das ist wunderbar.
Ihre grösste Herausforderung?
Was mich praktisch täglich begleitet hat, war die Notwendigkeit, Politikerinnen und Politikern sowie den Medien immer wieder klarzumachen, dass Praxisorientierung und Wirtschaftsnähe das Profil der BFH – und der Fachhochschulen allgemein – ausmachen. Und dass keine Akademisierung stattfindet, wie uns immer wieder vorgehalten wurde. Dies ist unsere DNA, und trotzdem muss man es immer und immer wieder erklären.
Was geben Sie Ihrem Nachfolger mit auf den Weg?
Eigentlich nichts. Er ist bereits Rektor einer Fachhochschule, ein Kenner der Schweizer und internationalen Hochschullandschaft. Er soll der BFH seinen eigenen Stempel aufdrücken. Ich habe nur einen Tipp: Er kann sich jederzeit auf die Unterstützung des Rektorats und der Fachhochschulleitung verlassen. Diese Leute sind einsatzfreudig und leistungsbereit.
Verspüren Sie ein Glücksgefühl, wenn Sie auf den kommenden Lebensabschnitt vorausblicken?
Sicher. Als Rektor hat man eine Funktion, da ist vieles auch fremdgesteuert. Jetzt kommt eine Phase der Selbstbestimmung. Das ist neu, das stelle ich mir als glücksbringend vor.
Bitte umschreiben Sie Glück mit fünf Begriffen.
Freude: sich freuen und Freude bereiten. Lachen: auch über sich selber. Kinder. Natur. Toleranz: tolerant sein und toleriert werden. Und dazu glücklich sein und Glück haben. Ich denke, es braucht zum Glücklichsein etwas Glück im Leben. Und das hatte ich auch, wie ich gerne noch festhalten möchte.
Dieses Interview ist als Erstpublikation im Magazin INLINE Mai 2020 erschienen.