Die Bereitschaft für das lebenslange Lernen ist auf jeden Fall essenziell. Das ist auch in den Köpfen angekommen, wie Hinder anmerkt. Doch welche Kompetenzen, wo lernen?
Der praktische Weg über eine Berufslehre und die FH bietet nach wie vor hervorragende Aussichten, ist Hinder überzeugt – und er mahnt in Richtung der Hochschulen: «Diesen Vorteil des Praxisbezugs darf man nicht verwässern!» Dass Praktiker nach wie vor gefragt sind, zeigen denn auch die Zahlen des Arbeitgeberverbandes: seit 2010 hat die Zahl der Arbeitslosen mit beruflicher Grundbildung um 40 Prozent abgenommen.
Marc Schreiber hebt derweil die Bedeutung vom Lernen «on the job» hervor. «Viele unterschätzen, was sie dabei alles lernen.» Alleine durch eine detaillierte Jobbeschreibung kämen sehr viele Fähigkeiten zum Ausdruck. «Das ist für mich zentral.» Deshalb ist er skeptisch, wenn jemand eine Weiterbildung absolviere, nur weil man dies «sollte». «Ich finde es auch gefährlich, wenn wir versuchen, die Kompetenzen der Zukunft in Weiterbildungen zu erwerben.» Allgemeine Definitionen von Zukunftskompetenzen seien zwar einerseits sinnvoll, gleichzeitig etwas problematisch. «Wichtiger ist, welche Kompetenzen für mich selbst beim nächsten Schritt auf meinem Weg wichtig sind.»
Auf dieser Metaebene erteilt Schreiber auch seine Empfehlung an FH-Absolvent:innen: Den eigenen Weg gehen und sich nicht auf Arbeitsmarktprognosen ausrichten. «Folgen Sie Ihrem persönlichen roten Faden.» Oft sei man hin und her gerissen zwischen dem, was der Arbeitsmarkt verlange, was die Eltern sagten und dem, was man selber eigentlich wolle.» Schreibers Tipp: «Ausprobieren! So merkt man am besten, was richtig ist.» Ein Rezept, dass auch im KI-Zeitalter nicht an Gültigkeit verliert. Er sieht in der Unplanbarkeit zudem durchaus Gutes: «Sie nimmt auch den Druck, einen bestimmten Plan erfüllen zu müssen. Das kann befreiend sein.»