Benjamin Mühlemann (47) kann eine eindrückliche politische Laufbahn vorweisen: 2014 wurde er mit 35 Jahren in den Glarner Regierungsrat gewählt, 2022 wurde er Landammann, und nur ein Jahr später erfolgte die Wahl in den Ständerat. Dort hat er Einsitz hat in die Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK-S). Seit 2025 ist er zudem Co-Präsident der FDP Schweiz.
Ursprünglich hat er an der ZHAW in Journalismus und Kommunikation studiert und arbeitete als Journalist bei der Südostschweiz sowie in der Unternehmenskommunikation bei Axpo sowie beim Gebäudetechnikverband Suissetec. Nebst seinem Mandat bei FH SCHWEIZ ist Mühlemann unter anderem auch im Hochschulrat der Fachhochschule OST sowie Präsident des Verbandes Ospita, der die Interessen der Privatspitäler vertritt.
Im März hat er nun das Amt als Präsident von FH SCHWEIZ von seinem Vorgänger Andri Silberschmidt übernommen. Er kommt in eine Zeit des Übergangs beim Dachverband. So wird auch Geschäftsführer Toni Schmid infolge seiner Pension die operative Leitung der Geschäftsstelle im September an Sabine Östlund übergeben.
Nach einigen Wochen der «Eingewöhnung» haben wir unserem Präsidenten «auf den Zahn gefühlt» und möchten wissen, wo er die Stärken des Verbandes sieht und wie er ihn für die kommenden Jahre ausrichten will.
Benjamin: Ja, ich tauche von Tag zu Tag tiefer ein. FH SCHWEIZ ist eine Organisation, die man kaum nach einigen Wochen bereits vollständig überblickt. Unser Verband ist sehr vielfältig und breit, mit verschiedenen Perspektiven aus unterschiedlichen Regionen und Branchen. Was ich aber sagen kann ist: Gerade in dieser Breite und Vielfalt liegt die Stärke von FH SCHWEIZ, und es steckt eine enorme Energie in unserer Organisation.
Wir agieren als Stimme der praxisorientierten Hochschulbildung und sind direkt an der Schnittstelle zur beruflichen Entwicklung. FH-Absolventinnen und -absolventen sind Menschen, die Dinge umsetzen und nicht nur über Lösungen reden. FH SCHWEIZ ist ein Netzwerk von Macherinnen und Machern, welche die Verbindung sicherstellen zwischen Bildung und Gesellschaft.
Klar, mein Fokus aus Absolventensicht hat sich verstärkt. Ich habe das Alumniwesen immer schon als wichtig wahrgenommen. Nun aber sehe ich auch, wie gross unser Potenzial effektiv ist. Die Ehemaligen bauen Brücken, sind Vorbilder, und sie tragen wesentlich dazu bei, die Fachhochschulen weiterzuentwickeln. Spannend finde ich in diesem Kontext, dass auch die Kammer FH von Swissuniversities, also die Rektorinnen und Rektoren, sehr interessiert sind an dieser Zusammenarbeit auf institutioneller Ebene.
Sabine Östlund wird jetzt schon vor ihrem Stellenantritt laufend in wichtige Gespräche und Entscheidungen einbezogen, der Austausch stetig intensiviert. Die Fragen sind etwa: wie können wir die Mitgliedorganisationen stärker einbinden, die politische Stimme weiter schärfen, unsere Leistungen und Angebote besser sichtbar machen, gerade für jüngere Generationen? Ich bin überzeugt, dass sie hier wertvolle neue Impulse geben wird. FH SCHWEIZ wird ein neues Kapitel schrieben und kann dabei auf der hervorragenden Arbeit von Toni Schmid aufbauen, die er über die letzten 23 Jahre geleistet hat. Dank seines riesigen Engagements können wir ein hervorragendes Netzwerk übernehmen. Es das Vermächtnis von Toni, das uns für die weitere Arbeit eine supersolide Grundlage gibt.
Das sind drei Punkte:
Sichtbarkeit: Wir möchten selbstbewusster auftreten und besser wahrgenommen werden, genau wie das für die Fachhochschulen selbst auch ein Ziel sein muss. Wenn man sieht, was sie in der Schweiz zur Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit beitragen, sind sie in meinen Augen noch immer «unter Wert verkauft».
Durchlässigkeit: Sie ist bereits hoch, aber wir müssen ständig weiter daran arbeiten, diese zu pflegen und weiterzuentwickeln. Das kommt nicht von alleine. FH-Abschlüsse müssen den hohen Wert, den sie haben, auch beibehalten. Hinzu kommt der dritte Zyklus, also das FH-Doktorat, worauf wir einen Fokus legen müssen.
Relevanz: Das Alumniwesen wandelt sich. Jüngere Mitglieder haben andere Bedürfnis als die ältere Generation. Die Frage ist, wie wir relevant bleiben und allen einen Mehrwert bieten. Wir wollen nicht nur bestehende Mitglieder halten sondern vor allem neue gewinnen.
Durchaus, ich würde es als Wechselwirkung bezeichnen.
Andri ist jemand, der sehr viel Energie in seine Ziele investiert, ein ausgeprägtes politisches Gespür hat und immer in die Zukunft schaut. In diesem Sinne ist sein Wunsch natürlich, dass wir den Dachverband nicht einfach verwalten, sondern gestalten und weiterentwickeln. Ich nehme das gerne auf, denn Chancen und Opportunitäten gibt es zuhauf.
Natürlich auf die politische Arbeit! Die Mitwirkung in bildungspolitischen Themen gibt uns Sichtbarkeit. Je mehr wir uns einbringen, desto stärker. Wenn wir uns Gehör verschaffen, haben wir einen grossen Hebel, um den Wert unserer Abschlüsse zu stärken.
Am allerliebsten bin ich auf den Skiern. Für mich könnte deshalb gerne das ganze Jahr Winter sein (lacht). Abseits der Skipiste und ausserhalb der Wintermonate bin ich ebenfalls gerne mit der Familie in den Bergen unterwegs, sei es zu Fuss auf Wanderungen oder mit dem Mountainbike.

Benjamin Mühlemann, Präsident von FH SCHWEIZ mit seinem Vorgänger Andri Silberschmidt