Das Schweizer Militär holt sich IT-Kompetenz an der FHNW  

Militärkarriere mit FH-Bachelor

Berufsoffiziere in der Schweizer Armee sollen ihre technischen Fähigkeiten verbessern. Dies eröffnet auch neue Möglichkeiten für eine Militärkarriere via FH-Ausbildung.

Mit einem neuen Ausbildungsmodell öffnet die Schweizer Armee die Berufsoffizierslaufbahn gezielt für Absolventinnen und Absolventen von Fachhochschulen. Künftig können angehende Berufsoffiziere zunächst ein technisches Bachelorstudium an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) absolvieren und danach ihre militärische Ausbildung mit einem DAS (Diploma of Advanced Studies) in Militärwissenschaften an der ETH Zürich ergänzen.

Grundlage dafür ist ein «Letter of Intent», den Hans-Peter Walser, Chef Kommando Ausbildung der Schweizer Armee und Crispino Bergamaschi, Direktionspräsident der FHNW, Ende November 2025 unterzeichnet haben. Das Pilotprojekt startet per Herbstsemester 2026 mit den Studiengängen Informatik und Systemtechnik.

Aus Sicht der Armee geht es dabei um eine grundsätzliche Weiterentwicklung des Berufsoffizierskorps. «Es besteht generell Handlungsbedarf bezüglich technischer Kompetenzen im Berufsoffizierskorps», teilt David Marquis, Sprecher der Schweizer Armee, mit. Entsprechend sei vorgesehen, das Angebot in einer nächsten Phase zu erweitern.

Technologische Entwicklungen spielen eine zentrale Rolle. «Besonderer Bedarf besteht in den Bereichen, die in den jüngsten Konflikten das Gesicht des Krieges grundlegend verändert haben – beispielsweise Drohnen, Robotik oder elektromagnetische Kriegsführung.» Gleichzeitig gehe es darum, bestehende Systeme weiterzuentwickeln und sinnvoll zu ergänzen.

Zwar profitiere davon auch das 2024 gegründete Kommando Cyber, doch stehe dieses nicht im Zentrum der Initiative. Vielmehr geht es gemäss Marquis um einen grundsätzlichen Nachholbedarf. «In der Vergangenheit gelang es nur selten, den jährlichen Bedarf an Berufsoffizierinnen und Berufsoffizieren zu decken.» Der neue Weg über die FH solle diese Lücke schliessen – insbesondere in technischen Spezialfunktionen.

Dass die Armee dabei auf Fachhochschulen setzt, ist auch eine Konsequenz früherer Erfahrungen. Die 2024 sistierte zweijährige Militärschule für Anwärterinnen und Anwärter ohne gymnasiale Matura habe keinen eidgenössisch anerkannten Abschlussgeboten. «Das führte in der Weiterausbildung der Absolventinnen und Absolventen zu grossen Problemen», so Marquis. Ein Fachhochschulabschluss hingegen eröffne den Zugang zum DAS an der ETH Zürich sowie zu weiterführenden militärischen Studiengängen im In- und Ausland.

In der Forschung gäbe es bereits vereinzelte Kooperationsprojekte, etwa in den Bereichen der sicheren Datenübertragung oder der robotergestützten Maintenance von Flugzeugen, so Dominik Lehmann, Leiter Kommunikation der FHNW. Die neue Vereinbarung hebe diese Zusammenarbeit nun auf eine institutionelle Ebene in der Lehre.

Langfristig ist vorgesehen, das Modell auf weitere technische Fachrichtungen und auf
andere Schweizer Fachhochschulen auszuweiten. Damit entsteht ein Ausbildungsweg, der zivile Hochschulbildung und militärische Anforderungen enger verzahnt – und der zeigt, wie technisches Fachwissen zunehmend zu einem prägenden Element moderner Offiziersausbildung wird.