Bekannte Gesichter, ein Blick
Linda Pollari hatte schon bekannte Gesichter vor ihrer Linse, darunter Gerhard Schröder, Naomi Lareine oder Marc A. Trauffer. Auch für uns hat sie zahlreiche Bilder gemacht und unsere Reportagen bildlich abgerundet. Ob bekannte Persönlichkeit oder nicht, für ihren Zugang zum Shooting macht das für Linda keinen Unterschied: «Ich erkenne meistens relativ schnell, was mich an der Person interessiert, fasziniert oder was ich gerne übers Bild transportieren möchte. Dieser eine Moment des Fotografierens ist allerdings immer ein Unikat.»
Vielfalt statt einzelner Momente
Was von den vielen Shootings bleibt, sind für Linda weniger einzelne Momente als die Vielfalt der Begegnungen selbst. Sie durfte hinter die Kulissen eines Schauspielers blicken, mit einer Pilotin im Cockpit sitzen, einer Sozialarbeitsstudentin zuhören, die nebenbei als Gefängniswärterin arbeitet, oder einem Schriftsteller begegnen und erleben, wie präzis er seine Worte wählt. Auch ein Auftrag im SRF-Fernsehstudio zählt für sie zu den Highlights. «Diese Vielfalt empfinde ich bis heute als grosses Privileg. Jedes Shooting hat meinen Horizont ein Stück erweitert.»
Bei einem guten Porträt achtet Linda vor allem auf eines: Authentizität. «Ein gutes Porträt hat für mich einen ehrlichen Blick», sagt sie. Die licht- und kameratechnische Umsetzung trage ebenfalls wesentlich dazu bei, doch manchmal seien es gerade die unvorhergesehenen Momente, die eine besondere Wirkung entfalten und in Kombination einen richtigen «Top-Shot» ergeben.

Der Moment zwischen uns
In ihrem neuen Buch «Der Moment zwischen uns» geht es um das, was man beim Betrachten eines Bildes oft vergisst: den intimen Moment, in dem das Foto entsteht. Linda, die in Zürich lebt und arbeitet, zeigt redaktionelle Porträts, losgelöst aus dem ursprünglichen Zeitschriftenkontext. Im Fokus stehen die 60 Personen, mit denen sie diesen kurzen Moment des Auslösens geteilt hat. «Ich habe Begegnungen gesammelt», sagt Linda dazu. «Sowie jeder Mensch ist auch jede Begegnung einzigartig, und jedes meiner Porträts ist der Versuch, genau diesen einen Augenblick sichtbar zu machen.»
Ein Buch für alte und neue Begegnungen
Nach fast 20 Jahren fotografischem Schaffen freut sich Linda vor allem darüber, ihre Porträtarbeiten nun in etwas Handfestem zusammengetragen zu haben. Sie hofft, dass sich die abgebildeten Menschen wertgeschätzt fühlen, wenn sie das Buch mit ihrem eigenen Bild in den Händen halten. Ansonsten wünscht sie sich, dass ihr persönliches und berufliches Netzwerk Freude am Buch findet, und vielleicht auch jüngere Fotograf:innen, die sich davon inspirieren lassen.
BUCHVERNISSAGE
Möchtest du Linda Pollaris Buch gerne in den Händen halten? Dann komm am 2. September 2026 zur Buchvernissage im sphères vorbei.
Zur Buchvernissage