Vorteile - Nachteile

Philipp Schimeck
Treuhänder | Student FHNW
  • 06.11.2019
  • 4 min
Ein Studium mit Kindern. Ein Studium in Teilzeit. Ein Studium berufsbegleitend. Wie geht das? Ich weiss es auch nicht so genau, aber ich übe mich täglich darin. Hier ein weiterer Einblick in meinen Alltag, meine Gedanken und meine Herausforderungen. Viel Spass beim Lesen!

«Wer hat das Licht im Treppenhaus angemacht?», fragt mich mein Sohn. «Ich weiss es nicht, das war schon an», antworte ich. «Wieso kann ich das nicht ausmachen?», ich: «das geht automatisch aus». «Wer hat das gemacht? Wieso ist das so?», und dann wieder ich, mit dem Versuch, die Fragerei zu beenden und meinem Sohn trotzdem eine anstĂ€ndige Antwort zu geben, frĂŒhmorgens um sechs notabene, entgegne ihm, es gĂ€be halt bei allem Vor- und Nachteile.

 

Ich glaube, ich werde alt. Denn kaum habe ich das gesagt, musste ich auch schon ĂŒber mich lachen. Was fĂŒr eine Antwort fĂŒr meinen zweieinhalbjĂ€hrigen Sohn. Was bitte soll er mit so einer Aussage anfangen und beantwortet ist damit ja auch nichts. Immerhin sind die Schuhe nun angezogen und wir können uns auf den Weg in die Kita machen. Auf einen Weg mit tausenden von Fragen und Beobachtungen zur Dunkelheit, zu den Autos, zum Mann im gegenĂŒberliegenden GebĂ€ude, zur Nachbarskatze und, und, und.

 

An Fragen wachsen

Ich bin sehr stolz auf meinen Sohn, der so viel wissen will und mir dabei tĂ€glich die Augen öffnet fĂŒr Kleines, das ich aus Gewohnheit ĂŒbersehe, und fĂŒr Grosses, das ich nicht mehr hinterfrage. Ich denke immer wieder, dass auch ich viel von ihm lernen kann, lernen, zu studieren. Es scheint mir, als wĂ€ren meine Kinder die besseren Studierenden als ich. Sie fragen drauflos und wollen alles wissen, vorurteilslos, ohne Scham, ohne DĂŒnkel.

 

Sie beobachten, sie fragen und sie geben sich nicht zufrieden, sie bohren nach und sie sind sich auch nicht zu schade, die gleiche Frage hundertmal zu wiederholen. Denn sie wollen einfach verstehen! Denn sie wollen Wissen! Kein Geld, keine SĂŒssigkeiten, kein Status lockt, nur die Neugier und der Wissensdurst steuert sie. Und so versuche ich mir eine fette Scheibe von dieser Neugier abzuschneiden und auf mein tĂ€gliches Brot zu schmieren.

 

Sich den Herausforderungen stellen...

Als berufstĂ€tiger Teilzeitstudent kann ich in meinem Studium mit einer Reflexion ĂŒber meine Berufspraxis ECTS-Punkten erwerben. Die eigenen Erfahrungen im Berufsalltag sollen mit neuerworbenem Wissen aus verschiedenen Modulen verknĂŒpft und dokumentiert werden. Mein Thema war Organizational Citizenship Behavior. Dieses Modell skizziert verschiedene Dimensionen, wie Menschen sich in Organisationen ĂŒber die vertraglich vereinbarte Arbeitsleistung einsetzen und welche Vorteile daraus entstehen können. Eine dieser Dimensionen heisst sportsmanship , das Verhalten, sich auch in unliebsamen Situationen der Herausforderung zu stellen und das Beste daraus zu machen. Und wirklich, im Beruf fĂ€llt mir auf, wie wichtig diese Eigenschaft immer wieder ist, bei Alltagsproblemen, bei Konflikten, in Projekten und im Team.

 

...und ein Sportsman werden

Ok, doch was hat das alles mit den Vor- und Nachteilen des Lichtabschaltautomatismus im Treppenhaus zu tun? In der Sache wohl wenig. Im Kern hingegen sehe ich durchaus Parallelen: Die Welt ist oftmals sehr komplex und kann selten einfach erklĂ€rt werden. Meist liegt es am Betrachtenden, ob eine Situation oder eine Eigenschaft positiv oder negativ wahrgenommen wird. Und genau hier bietet sich fĂŒr uns alle eine grosse Chance: Wir sollten vermehrt versuchen, vorurteilslos und offen wie Kinder die Welt zu betrachten. Denn so erhalten wir die Möglichkeit, sportsmanlike Herausforderungen anzunehmen und uns auf die Vorteile zu fokussieren. Und ich behaupte einmal nicht nur auf der Arbeit, auch Zuhause, im Studium und in der Freizeit.

 

«Papi, was machst du da? Papi, ich will mit dir spielen!», «Ja, ich komme gleich, bin gleich fertig!». Zwischendurch ist es aber auch ganz schön, keine Fragen zu beantworten.

 

Kennst du das Lied «Jedes Geheimnis» von Sido? Nein?! Dann am besten vorurteilsfrei (Rap!) und offen daran herangehen! Mir geht dabei immer wieder das Herz auf und passend zum Thema. Einfach mal reinhören. Props fĂŒr Anina fĂŒr diesen Tipp 😊

 

«PAAPIIII!! Komm jetzt endlich!!!», «Ich kommeeeee (und danach wird geschlafen!)»

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