Study Life with Kids - Das Paradoxon



Mit 20 ist es mir nicht einmal in den Sinn gekommen, jemals zu studieren. Mir fehlte der Mut, das Selbstvertrauen, die Zeit, das Geld, einfach alles.

Scheinbar braucht es all das gar nicht. Oder erst recht nicht (?). Vielleicht funktioniert das gleich wie in der Wirtschaft: je knapper das Gut, desto begehrter und kostbarer ist es (das stimmt natürlich nicht mit allem, aber lassen wir das mal auf der Seite).


Was? Du studierst? Und hast Kinder? Und arbeitest? Ja, ja und ja. Zudem habe ich noch einen Partner UND einen Hund. Diese waren allerdings nicht geplant. Also den Partner und den Hund meine ich. Als nächstes kommt dann meist die zweifelnde Frage: Wie bringst du das alles unter einen Hut? "Einfach machen", war dann meine Antwort. Oder, "ehrlich gesagt - keine Ahnung". Gedacht habe ich aber oft: Wenn du mir sagen möchtest, das gehe nicht, sind das deine Grenzen, nicht meine.


Schauen wir uns das doch mal durch die Linse an: Im Fach "Visual Storytelling" wollten meine Teampartnerin und ich dann dieses ominöse "alles unter einen Hut bringen" - also eben Study Life with Kids - aufgreifen und ein für alle Mal festhalten. Einen Tag lang kam sie (Alter: Mitte Zwanzig / Zivilstand: ledig / Job: top / Ambitionen: auch top. Kurz: frei, ungebunden und voller Energie für das Studium und ihre Karriere) zu mir nachhause. Wir stellten die verschiedenen Szenen aus meinem Leben zusammen, welche sich deutlich zu ihrem unterscheiden. Beginnend am Morgen, wenn die Kinder aus dem Haus müssen, über den Mittagessen-Koch-Stress, während Lehrveranstaltungen (distance learning) an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich bis 12.15 Uhr dauern, über Hobbies koordinieren, bis zum Abendritual und ins Zubettgehen. Bis wir endlich alles im Kasten hatten, war es gegen 17.00 Uhr. Einige Szenen mussten wir x-Mal wiederholen. Entweder hatte ich einen Knopf in der Zunge oder den Text nicht mehr im Kopf. Oder aber, wir hatten aus der falschen Perspektive gefilmt. Die richtige Perspektive ist nämlich diese: wenn das Objekt im rechten oberen Quadrat platziert wird, muss dieses an der linken Seite von der Kamerafrau vorbei blicken.


...also quasi über den eigenen Quadranten hinaus. Das Filmen versinnbildlicht nicht nur den Perspektivenwechsel, es dient auch zur Reflexion bei. Wie bringe ich das nochmals unter einen Hut? Nein, ich bringe es nicht unter einen Hut. Die Kunst liegt doch vielmehr darin, verschiedene Hüte aufsetzen zu können. Im Job und in seinem Leben. Gestern konnte ich mir ein Studium nicht mal vorstellen und heute habe ich das 5. Semester hinter mich gebracht. Entgegen so mancher Zweifler, Skeptiker oder Bremser - mich inklusive.


PS. Dazu braucht es keinen Heldinnen-Status. Die Superhelden halte ich an der Hand....

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