Studium, Job, Kinder


Philipp Schimeck | Treuhänder | Student FHNW19.09.2019

Ich bin Vater, Student, Arbeitnehmer und schreibe regelmässig Kolumnen. Es ist ein täglicher Balanceakt Familie, Beziehung, Studium und Arbeit, meine heilige Vierfaltigkeit, unter einen Hut zu bringen und niemanden und nichts zu kurz kommen zu lassen. Aber ich trainiere jeden Tag. Hier ein Einblick, damit du dir ein Bild machen kannst.

Rechts von mir ein Kindertischset, eine Obstschale von Alessi, Äpfel, Banane, Zitrone und Limette, daneben eine Brezel, die mein Sohn so liebt, zwei Windlichter aus getöntem Glas, die kürzlich noch drei waren, bis meine Tochter eines davon auf den Boden katapultierte, links von mir ein Becher von Starbucks, aber darin Pfefferminztee aus der Migros, für meinen schmerzenden Rachen. Es ist neun Uhr, neun Uhr abends. Meine Frau ist gerade zu Bett gegangen, sie selber war bis vor kurzem noch an einer Sitzung in Zürich, wir leben in Basel, uns blieben nur wenige gemeinsame Minuten zum Reden, aber um ehrlich zu sein, war ich einfach auch zu müde und sie wohl auch und die Küche musste auch noch gemacht werden.


Mein Abendprogramm

Zwischen halb sieben und halb neun brachte ich unsere Kinder ins Bett, zuerst unsere Kleine, neun Monate alt, sie brauchte fast eine Stunde, in der unser zweieinhalbjähriger Sohn, und da bin ich sehr stolz auf ihn, sich toll selber beschäftigt hat, ab und zu vorbeigeschaut hat, aber immer schön leise war, leider dabei auch den Küchenboden vollgekritzelt hat, ebenso sein Gesicht, diverses Spielzeug und seine Kleidung. Je nu, auch wenn es ein Permanent-Marker war. Irgendeinmal geht es dann schon weg. Hoffentlich. Dann noch Zähneputzen und Büchli anschauen, seine fluoreszierenden Sterne im Kinderzimmer bewundern, etwas kuscheln und warten, bis dieses Nuschitierchen neben mir endlich einschläft.


Mein Morgenprogramm

Morgen wird er mich, wie auch schon das ganze Jahr über, sehr zuverlässig spätestens um sechs Uhr wecken. Wobei er seit neustem überzeugende Konkurrenz von seiner kleinen Schwester erhält, die gegen fünf Uhr wach wird und ihre Eltern bespassen will. Ich hoffe, das bessert sich noch vor der Zeitumstellung…

Auf jeden Fall habe ich morgen wieder Vorlesungen. Denn ich studiere Betriebsökonomie in Teilzeit an der FHNW. Das dritte von acht Semester hat gerade angefangen: Informationsmanagement, Italienisch, Management Accounting, Mikroökonomie und HRM/OB 2, eine Arbeit zur Berufspraxis. Dabei engagiere ich mich auch als Klassensprecher und als Mitglied in der Fachschaft Wirtschaft und setze mich dabei für die Interessen meiner Kommilitoninnen und Kommilitonen ein. Daneben arbeite ich noch 60% im Treuhandbereich. Zwei Abende pro Woche sind fürs Lernen reserviert wie auch der Sonntagmorgen. Die restlichen Abende verbringe ich bei meiner Familie und so auch der ganze Samstag. Schreibe Kolumnen für die Fachschaft und ab jetzt auch noch für die fhnews.ch.


Mein Leben

Warum tue ich mir das an? Das ist keine Frage, die ich mir bis jetzt gestellt habe. Denn ich liebe meinen Alltag. Intensiv, abwechslungsreich, spannend und herausfordernd. Ich bin sehr zufrieden mit meinem Leben, es erfüllt mich total. Nur Spass macht es nicht immer. Es ist ein dichtes Programm. Es ist viel. Ab und zu auch zu viel. Doch ich sehe das auch als Übung, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen, Dringendes von Aufschiebbarem, Unentbehrliches von Luxus. Es ist ein täglicher Balanceakt Familie, Beziehung, Studium und Arbeit, meine heilige Vierfaltigkeit, unter einen Hut zu bringen und niemanden und nichts zu kurz kommen zu lassen.


Doch wie geht das? Aus meiner Sicht läuft vieles darauf hinaus, Tagesabläufe einfach und konstant zu halten und Störendes direkt anzusprechen und anzupacken. Reden ist wichtig und dies möglichst offen und direkt. Sich gut absprechen, wer wann die Kinder von der Kita abholt, wer wann die Kinder alleine ins Bett bringen muss. An welchen Tagen ich lernen will, an welchen Tagen meine Frau am Abend etwas unternehmen will. Wenn das «Grundgerüst» Haushalt steht (also Einkaufen, Kochen, Waschen, Putzen, Kinderbetreuung, etc.), dann lässt sich darauf aufbauen. Und Chancen zu ergreifen, wenn sie da sind.


Wie das Schreiben für fhnews.ch. Denn so kann ich zum einen meine Schreibfertigkeiten üben und zum anderen ermöglicht es mir, einem breiteren Publikum einen Einblick in den Studienalltag mit Kindern und Job zu gewähren. Ich hoffe, ich bringe dich, meine Leserinnen und Leser, dabei zum Schmunzeln, rege dich zum Nachdenken an und biete spannende Perspektiven. Also, wenn alles klappt, wirst du mich für die nächsten sechs Semester nicht mehr so schnell los!

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