Wie entsteht aus einer Bachelorarbeit ein Format mit Publikationsperspektive? Ein möglicher Weg führt über das professionelle Förderumfeld der Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG): den sogenannten Pacte de l’audiovisuel. In diesem Jahr haben sich die Projekte der beiden Multimedia-Production-Studierenden Simone Etter und Steve Walker durchgesetzt. Unter dem Arbeitstitel «Goldstatus» entwickelt Simone Etter einen Podcast über die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Schweizer Musikbranche und verbindet persönliche Stimmen mit analytischem Blick auf Marktmechanismen und kreative Arbeit. «Ich habe mich sehr über die Zusage gefreut», sagt Simone Etter. «Nun denke ich nicht mehr nur an das Abschlusssemester, sondern an ein echtes Publikum. Das macht einen Unterschied.» Steve Walker realisiert ein animiertes Erklärvideo zur Geschichte des Schmuggelns in den Schweizer Alpen. Mithilfe von 3D-Animation beleuchtet er historische Ursachen, gesellschaftliche Auswirkungen und kulturelle Spuren des Phänomens in einem journalistischen Motion-Graphics-Format. Auch für ihn bedeutet die Zusage einen Perspektivenwechsel. «Mit der Förderung steigt der Anspruch. Jetzt geht es darum, das Konzept noch präziser auszuarbeiten und die Umsetzung sorgfältig zu planen. Das wird intensiv, aber bestimmt auch lehrreich.»
Mit der Förderung durch den Pacte de l’audiovisuel profitieren die Studierenden nicht nur von einer finanziellen Unterstützung, sondern erhalten gleichzeitig auch die Möglichkeit, ihre Projekte unter professionellen Bedingungen weiterzuentwickeln sowie fachliches Feedback und Einblick in reale Branchenprozesse zu erhalten. Dabei greifen Studienkonzept und Produktionsrealität ineinander. «Die Einbindung in ein professionelles Förderumfeld ist für unsere Studierenden enorm wertvoll», sagt Prof. Dr. Ulrike Mothes, Leiterin des Instituts für Multimedia Production. «Sie erleben, dass ihre Ideen Relevanz über das Studium hinaus entfalten können. Die Unterstützung der SRG schafft dafür einen wichtigen Rahmen.»
Bereits in der Vergangenheit haben sich Projekte des Studiengangs Multimedia Production durchgesetzt, was die thematische und formale Vielfalt studentischer Projekte unterstreicht. «Die Förderung junger Medienschaffender ist für uns zentral», sagt Benjamin Magnin, Co- Verantwortlicher des SRG-Förderprogramms Pacte de l’audiovisuel, welches jährlich zwei Projekte der FH Graubünden fördert. «Wir möchten Projekte unterstützen, die innovativ sind, aber die auch das Potenzial haben, ein breites Publikum zu erreichen. Wenn solche Arbeiten aus einem Studium heraus entstehen, zeigt das die Qualität der Ausbildung und eröffnet jungen Talenten konkrete Perspektiven in der Medienbranche.»
Zum Abschluss ihres Bachelorstudiums Multimedia Production verfügen die Studierenden über Schnittstellenkompetenzen im Bereich der multimedialen Gestaltung und Produktion. Ihnen steht eine Vielzahl an Karrieremöglichkeiten in einem lebendigen, kreativen und vielseitigen Arbeitsumfeld oder im eigenen Start-up offen. Das Joint-Degree-Studium wird gemeinsam von der FH Graubünden und der Berner Fachhochschule BFH, Departement Hochschule der Künste Bern (HKB), angeboten.
Im Jahr 2023 wurde unter anderem der interaktive Kurzfilm «Starrk» von Rosa Zimmermann und Jannis Pfister unterstützt. Das Projekt thematisiert die emotionalen und psychologischen Auswirkungen sexualisierter Gewalt und gewann später eine Bronze-Medaille beim Art Directors Club of Europe, einer der führenden Kreativorganisationen Europas.
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Im gleichen Jahr realisierten Nils Affolter und Phil Schneiter mit «La Via la Vita» eine dokumentarische Reise per Anhalter durch die Schweiz. Vom Beifahrersitz aus erzählen sie die Geschichten jener Menschen, die sie ein Stück des Weges begleiten, und zeichnen so ein vielschichtiges Porträt gesellschaftlicher Vielfalt.
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Zu den geförderten Arbeiten im Jahr 2024 zählt die Reportage «Frauen im Dienst» von Livia Gyger. Darin setzt sie sich filmisch mit der Rolle junger Frauen in der Schweizer Armee auseinander und verbindet persönliche Einblicke mit einer gesellschaftlichen Fragestellung.
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Ebenfalls unterstützt wurde das multimediale Projekt «Green Production in der Schweiz» von Nico Caccivio, das nachhaltige Produktionsweisen im audiovisuellen Bereich aufbereitet und als praxisnaher Leitfaden konzipiert ist.
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2025 folgten die KI-Rätselbox «Der Duft der Zukunft» von Léonie Schaub und die Webdokumentation «Porchabella» von Elina Preisig. Schaub entwickelte ein interaktives Lernformat, das zentrale Fragen rund um Künstliche Intelligenz spielerisch vermittelt und zur Reflexion anregt.
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Preisig realisierte mit «Porchabella» eine multimediale Webdokumentation über den Rückzug eines alpinen Gletschers und verknüpfte persönliche Perspektive mit digitalem Storytelling.
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