Nachhaltigkeit an den Hochschulen: die Studierenden bleiben dran


Gaia Di Salvo | Studentin13.05.2020

Die COVID-19 Pandemie hat einen erheblichen Einfluss auf die Durchführung der studentischen Nachhaltigkeitswoche in der Schweiz gehabt. Die Nachhaltigkeitswoche fand direkt vor oder während der aktuellen Pandemie statt. Wie haben lokale Organisator*innen auf die Pandemie reagiert?

Die Bewegung der Sustainability Week Switzerland (SWS) umfasst das studentische Engagement für mehr Nachhaltigkeit in 15 schweizerischen Städten, an 35 Hochschulen in allen drei Sprachregionen. Auf lokaler Ebene werden Nachhaltigkeitswochen organisiert, die von über 400 Studierenden durchgeführt werden. Das Ziel: Studierende zu befähigen, Nachhaltigkeit in alle Aspekte der Schweizer Hochschulen einzubringen. Das Bestreben ist, dass Studierende in der Schweiz ihre Institutionen zu Vorbildern für Nachhaltigkeit machen. 

Doch was bedeutet das genau? Innerhalb einer Woche im März werden zwischen 5 und über 50 Veranstaltungen organisiert, die öffentlich und kostenlos zugänglich sind. Die Veranstaltungen thematisieren verschiedene Dimensionen der Nachhaltigkeit: Von nachhaltigen Wirtschaftssystemen zu nachhaltiger Ernährung und Verhütung, bis zu Konferenzen über politische Anliegen. Dafür wird jährlich die Zusammenarbeit zwischen den Hochschulen und den Studierenden über Anliegen betreffend Nachhaltigkeit aufgefordert. Die Nachhaltigkeitswoche Schweiz, die Teil von VSN ist, möchte nicht nur mehr Bewusstsein schaffen, sondern auch konkrete Aktionen mit den Hochschulen zusammen initiieren und vorantreiben. In Zürich und in Lausanne wurden dieses Jahr grosse Podiumsdiskussionen mit Rektor*innen der jeweiligen Hochschulen über die Nachhaltigkeit ihren Instituten organisiert, um diesen Zweck zu verfolgen.


Die Impressionen einiger Organisator*innen

Normalerweise besuchen etwa 20’000 Personen pro Jahr aus der ganzen Schweiz die Veranstaltungen der Nachhaltigkeitswochen. Dieses Jahr wurde die Durchführung jedoch aufgrund der COVID-19-Pandemie und des resultierenden Lockdowns beeinflusst. Die meisten lokalen Nachhaltigkeitswochen konnten stattfinden; Lugano, Genf und Rapperswil mussten jedoch bis auf Weiteres verschoben werden. Wie haben die Organisator*innen ihre stattgefundenen Wochen gestaltet, und was sind ihre Eindrücke?

In Luzern mussten die Organisator*innen viel mit den Behörden in Kontakt sein. Sie konnten jedoch die meisten Events mit einigen Einschränkungen durchführen. "Ich wünsche mir, dass die Nachhaltigkeitswoche auch nach der Pandemie weiter an Einfluss gewinnt und für unsere Anliegen an den Hochschulen eine entscheidende Rolle spielen wird" sagt Shathu Vasa, der sich seit einigen Jahren dafür engagiert.

Die Nachhaltigkeitswoche Bern, die eine Woche vor Luzern stattfand, konnte alle ihre Veranstaltungen abhalten. Sarah Weissen, Mitorganisatorin der Woche, erzählt, dass das ehrenamtliche Organisationskomitee in Bern den Fokus auf die Praxis legt. Während der Woche wird viel Wert auf die Verbindung zwischen theoretischer Sensibilisierung über ökologische, soziale, ökonomische Nachhaltigkeit und deren praktischen Umsetzung gelegt. Einer der Schwerpunkte liegt auf der ökologischen Perspektive der Nachhaltigkeit an den Berner Hochschulen: Die studentische Organisation für Nachhaltigkeit (BENE) hat zum Beispiel zwei Gärten, in denen Workshops zum Thema Permakultur und urbanes Gärtnern stattfanden. 


Forderungen gemeinsam mit Hochschule entwickeln

Über das herausfordernde Jahr, das wir alle erleben, äussert sich Sarah positiv und gleichzeitig sehr realistisch: “Die zentralen Probleme bleiben mit oder ohne Pandemie die gleichen. Die Klima-Thematik muss auch in diesem Ausnahmezustand im Vordergrund stehen. Die Nachhaltigkeitswoche Bern wird sich weiter dafür engagieren, dass mehr Aufklärung und praktische Veränderungen zugunsten einer ökologischen Situation angeboten werden.” Sarah sieht auch Chancen in dieser Krise: “Die Krise hat uns einmal mehr bewusst gemacht, dass wir systemische Änderungen vorantreiben müssen, was sicher ein Fokus unserer Nachhaltigkeitswoche ist, um weitere Themen auf sozialem und ökonomischem Nachhaltigkeitsniveau zu thematisieren. Wir freuen uns bereits auf nächstes Jahr und besonders auf weitere Zusammenarbeit mit den Hochschulen, mit denen wir bereits im Kontakt für gemeinsame Forderungen sind.”

In Fribourg, wo die Nachhaltigkeitswoche Anfang März stattfand, ging es anders: “Wir mussten mit den lokalen Behörden reden, um sicher zu stellen, ob unsere Veranstaltungen mit bis zu 100 Personen stattfinden konnten”, erzählt Anna Schibli, “es war viel Arbeit, aber wir konnten zum Glück alle unsere Veranstaltungen durchführen. Die Pandemie hat also die Events und das Publikum nicht wirklich beeinflusst. Wir haben alle eine spannende Woche gehabt! Besonders beliebt waren das veganen Abendessen im “Centre Fries” (Kulturzentrum Fribourg) und die Konferenz “Pourquoi manger local? C’est loin d’être l’ideal”. Dieses Jahr war für uns sehr positiv: wir konnten ein grösseres Publikum als letztes Jahr erreichen und mit zwei weiteren Hochschulen eine Zusammenarbeit starten. Die organisatorische Situation war natürlich für das Team eher stressig.”


Eine globale Wirkung: die Sustainability Week International

Die Nachhaltigkeitswoche findet seit einem Jahr nicht nur in der Schweiz, sondern auch rund um den Globus statt. 2019 wurde die Sustainability Week International (SWI) gegründet, um das Konzept der Nachhaltigkeitswoche an Hochschulen ausserhalb der Schweiz zu verbreiten. Bereits 12 Nachhaltigkeitswochen in gleich vielen Ländern werden organisiert. Wegen der Pandemie konnte aber nur eine stattfinden, bevor die SWI offiziell alle weiteren Veranstaltungen absagen musste.


Die Stimmung bleibt gut 

“Es ist unglaublich inspirierend zu sehen, wie junge Menschen sich leidenschaftlich dafür engagieren, den Wandel an ihre Hochschule und in der Gesellschaft mitzu estalten” sagt Marie-Claire Graf, Co-Präsidentin der SWI. “Wir sind zuversichtlich, dass die Nachhaltigkeitswochen nächstes Jahr stattfinden werden.”

Die Nachhaltigkeitswoche in Accra, an der University of Ghana, konnte mit grossem Erfolg noch vor dem Ausbruch der Pandemie durchgeführt werden. Studierende führten zahlreiche thematische Workshops über die Sustainable Development Goals durch und bepflanzten einen Teil der Stadt, der dringend Revitalisierung der Fauna brauchte 

Für mehr Impressionen besuche die Fotogalerie.

Andere Nachhaltigkeitswochen in China und in Deutschland konnten ihr Angebot online durchführen. In Kathmandu wurden viele Events im Vorhinein bereits durchgeführt. 

“Wir haben die Organisator*innen der Wochen aufgefordert, sich an die Hygiene- und Sicherheitsvorschriften der WHO zu halten, sodass sie keine Risiken eingehen” so Marie-Claire Graf. Die SWI als Dachorganisation wird ihrerseits verschiedene Webinars anbieten, um die Kommunikation und Kontakte zwischen den Organisator*innen zu fördern.


Bring auch du dich ein

Sei es auf städtischer, schweizerischer oder internationaler Ebene, die Nachhaltigkeitswoche ist eine studentische Initiative, die mit viel Motivation und Einsatz Forderungen für mehr Nachhaltigkeit gestaltet. Die lokalen Wochen sind immer auf die Suche nach neuen Mitwirkenden, die sich einbringen. Es ist in herausfordernden Momenten wie diesen, dass wir das Potential der Studierenden sehen die zukunfts- und lösungsorientiert denken. Bis im 2021!


Alle vergangenen und geplanten Programme der Nachhaltigkeitswochen 2020 sind unter sustainabilityweek.ch und sustainability-week.org zu finden.

Kommentar erfassen

Kommentare (0)

Meistgelesen