Keine Stipendien? Drei Studierende teilen ihre Erfahrungen mit Bildungsdarlehen von EDUCA SWISS

Jasmina Gloor
Redaktorin Bildungsmagazin by Eduwo
  • 12.06.2019
  • 8 min
Wenn die Ausbildung ein Herzenswunsch ist, stellen monetäre Engpässe keinen Grund zum Aufgeben dar. Drei Studierende erzählen, wie sie zu ihren Bildungsdarlehen gekommen sind und dass es keine Rolle spielt, wie man in Natura aussieht.

In Zusammenarbeit mit der Stiftung EDUCA SWISS haben sich Nina, Fiona und Gabriel ihre Darlehen erarbeitet. Dass dies Motivation, Überwindung und Einsatz fordert, sich aber auch lohnt und erfĂŒllend sein kann, zeigen ihre Erfahrungen.

Die Schweizer reden ja bekanntlich nicht gerne ĂŒber Geld. Braucht es Überwindung, um ein Bildungsdarlehen zu bitten?

Gabriel (siehe Box A): Man wĂŒrde natĂŒrlich am liebsten alles selber machen, das ist schon so.

Fiona (Siehe Box B): Mich kostete es Überwindung zu sagen: Es ist nicht mein eigenes Geld, aber ich habe das Risiko abgeschĂ€tzt. Oder auch: Habe ich das zugute? Man ist ja schon privilegiert in der Schweiz und dann bekommt man noch ein Darlehen. Das ist nicht selbstverstĂ€ndlich.

Nina (Siehe Box C): Meine Eltern unterstĂŒtzen mich sehr und stehen hinter mir, aber Sie waren anfangs auch skeptisch: „Du hast doch jetzt einen guten Job, arbeite doch ein bisschen und beginne deine Ausbildung in ein paar Jahren.“ Bei EDUCA SWISS fĂŒhlte es sich dann aber völlig okay an – weil du das Geld zwar vorgeschossen bekommst, es dann aber auch wieder zurĂŒckzahlst. Du bekommst nicht einfach etwas geschenkt.

Wie kommt es denn dazu, dass man ein Darlehen in Anspruch nehmen muss?

Fiona: Ein Auslandsemsester kann man fast gar nicht zahlen, wenn man als Freemover geht. Trotzdem habe ich ein paar Unis in Kanada angeschaut. Bei einer hat das Angebot fĂŒr mich sehr gepasst. Da habe ich mir ĂŒberlegt, wie ich das selbst stemmen kann. Und ein paar Mal leer geschluckt. Auf der Suche nach Möglichkeiten stiess ich dann auf Darlehen.

Gabriel: Ich wusste schon bevor ich das Studium Lebensmittelwissenschaften anfing, dass ich Finanzierungshilfe brauche, weil es sonst einfach nicht reicht. Da ich anfangs kein Stipendium erhielt, habe ich mich nach weiteren Möglichkeiten umgeschaut.

Nina: Ich wusste, dass ich RettungssanitĂ€terin werden will. Gleichzeitig war mir aber auch bewusst, dass es schwierig sein wird eine Ausbildungsstelle zu finden. Ich absolvierte dennoch Praktika bei verschiedenen SpitĂ€lern und das bestĂ€tigte mich in meinem Vorhaben. Ich war mir zu 100 Prozent sicher. Neben meinem Studium als wissenschaftliche Illustratorin habe ich immer gearbeitet, aber ich hatte nie einen Job, bei dem man viel zur Seite legen kann. Da ich bereits eine Ausbildung habe, komme ich fĂŒr ein Stipendium nicht in Frage.

Und wie seid ihr auf die Stiftung EDUCA SWISS gekommen?

Gabriel: Die Stiftung habe ich im Internet gefunden.

Fiona: Ich habe online ein paar Stiftungen angeschaut und hatte dann das GefĂŒhl, ich passe am besten zum Zielpublikum von EDUCA SWISS. Es hat mich professionell gedĂŒnkt und es war auch ein gewisses Vertrauen vorhanden, was ich bei einer Bank vielleicht eher nicht gehabt hĂ€tte. Denn man hat gemerkt, ihnen ist der Mensch wichtig und Profit ist nicht primĂ€r das Ziel.

Nina: Mich hat der Kanton auf EDUCA SWISS aufmerksam gemacht.

Wie kann man sich den Prozess zu einem Bildungsdarlehen bei EDUCA SWISS vorstellen?

Gabriel: Man muss in einem Dokument einen Lebensentwurf erstellen, sich selber und seine Ziele im Leben reflektieren, auch was man erreichen möchte. Zusammen mit einem Budgetplan reicht man es dann online ein und wird zu einem persönlichen GesprĂ€ch eingeladen. Dort bespricht man mit seinem Coach beide Dokumente. Die Coaches beraten und merken dann auch, ob es fĂŒr den Aspirant wirklich das Richtige ist. Am Schluss kommen die Dokumente zu den potentiellen Darlehensgebern, diese melden sich dann mit DarlehensvorschlĂ€gen.

Nina: Das Dokument ist eine rechte Arbeit. Das hört sich jetzt abschreckend an (lacht). Aber man bekommt auch sehr viel UnterstĂŒtzung. Man muss sich wirklich viel Gedanken machen und das ist auch etwas Gutes.

Fiona: FĂŒr mich war es sehr spannend. Es braucht ziemlich viel Motivation und Arbeit. Aber ich denke, das ist vielleicht genau die Schwelle, die es braucht, um zu sehen: Will ich das wirklich oder ist es mir doch nicht so wichtig.

Wie gestaltet sich der Kontakt zu den Darlehensgebern?

Fiona: Bei mir haben sich mehrere Darlehensgeber gemeldet. Bei der ersten Person haben mich die Konditionen nicht vollends ĂŒberzeugt. Aber dann hat sich noch eine Person gemeldet, die ich sehr toll fand. Da hatte ich das GefĂŒhl, das passt wirklich und ich kann auch viel von dieser Person lernen. Wir haben uns auch getroffen. Es war wirklich ein freundschaftlicher Austausch.

Gabriel: Ich habe drei Darlehensgeber, die ich alle kennengelernt habe. Das war sehr interessant. Sie haben alle unterschiedliche GrĂŒnde, warum sie mich mit Darlehen unterstĂŒtzen. Einerseits ist es eine gute Möglichkeit fĂŒr sie, Geld anzulegen. Man wird davon nicht reich, aber es gibt trotzdem etwas Geld. Anderseits der gute Zweck dahinter: Jungen Leuten ihr Bildungsvorhaben zu ermöglichen.

Nina: Ich habe meinen Darlehensgeber nicht persönlich getroffen, wir haben einfach telefoniert. Der Person war es, glaube ich, einfach wichtig zu wissen, ob ich mir das gut ĂŒberlegt habe – nicht, wie ich in natura aussehe. Aber auch durch die telefonischen GesprĂ€che habe ich sehr viel UnterstĂŒtzung erhalten.

Was wĂŒrdet ihr anderen raten oder sagen, welche in eine Ă€hnliche Situation wie eure kommen?

Fiona: Zuerst mal schauen, ob UnterstĂŒtzung vom Staat möglich ist. Wenn man merkt, das geht nicht, sich gut ĂŒberlegen, ob es sich lohnt, dieses Geld in die Hand zu nehmen. Und sich fragen, inwiefern man spĂ€ter durch die Ausbildung anderen Leuten besser helfen oder sein Wissen weitergeben kann. Sodass es nicht nur um dich geht, sondern du auch etwas zurĂŒckgeben kannst.

Nina: Wenn man sich noch unsicher ist, ob man eine weitere Ausbildung machen will, dann ist es vielleicht noch nicht der richtige Zeitpunkt. Wenn du aber vollkommen davon ĂŒberzeugt bist, dass es das ist, was du machen willst – dann muss man alles probieren.

Gabriel: Es gibt sicher fĂŒr alle Leute eine Lösung, ihr Bildungsvorhaben zu erreichen, auch fĂŒr diejenigen, die kein Stipendium erhalten. Wenn man es denn auch wirklich will.

Box A l Gabriel: Lebensmittelwissenschaften

Gabriel schloss eine Lehre als BĂ€cker-Konditor mit anschliessender Berufsmatur ab und merkte bereits damals, dass er diesen Beruf nicht sein Leben lang ausĂŒben möchte. Da entdeckte er das Studium in Lebensmittelwissenschaften. Von Anfang an war klar, er braucht ein Stipendium. Aber: „Die Fristen fĂŒr Stipendien im Kanton Bern sind recht doof. Wenn man im September anfangen will, kann man das Gesuch erst im August eingeben. So fĂ€ngt man das Studium an, ohne zu wissen, ob man etwas erhĂ€lt.“ Ein Darlehen musste her.

Box B l Fiona: Auslandssemester als Freemover

Im Wirtschaftsingenieur-Studium sei es fast normal, dass man ein Auslandsemester mache, sagt Fiona ĂŒber ihren Studiengang. FĂŒr sie stand dabei der Mehrwert eines Auslandsemester im Vordergrund: „Der Nutzen muss sowohl fĂŒr meine Karriere, aber auch fĂŒr meine persönliche Entwicklung gegeben sein.“ Deswegen entschied sie sich gegen eine PartneruniversitĂ€t, da sie dort nicht jene Module belegen konnte, welche fĂŒr ihre Spezialisierung von Vorteil gewesen wĂ€ren. Ein Semester im Ausland als Freemover kann zwischen 7‘000 bis 25‘000 Schweizer Franken kosten.

Box C l Nina: Diplomierte RettungssanitÀterin FH

Nina hat wissenschaftliche Illustration studiert und auf diesem Beruf wollte sie sich auch selbstĂ€ndig machen. Als sie nach dem Studium als Übergangslösung im Sicherheitsdienst arbeitete, entdeckte sie jedoch eine ganz neue Seite an sich, die nicht mehr viel mit einem BĂŒrojob zu tun hatte. Durch den Kontakt mit dem Rettungsdienst im privaten Umfeld entstand langsam die Idee fĂŒr eine Ausbildung zur Diplomierten RettungssanitĂ€terin FH, welche sie nun mit Hilfe eines Darlehens kommenden Sommer umsetzt. Über die Stiftung sagt sie: „Ich habe mich von EDUCA SWISS immer sehr unterstĂŒtzt gefĂŒhlt.“

Dieser Beitrag ist als Erstpublikation im Bildungsmagazin der Bildungsplattform eduwo erschienen.

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