«Ich brauchte Kunden, keinen Businessplan»


Guy Studer FH SCHWEIZ19.08.2020

Kurt Klaus hat bereits im jungen Alter den Schritt gewagt und sich selbstständig gemacht. Vor 21 Jahren gründete Kurt Klaus seine Firma für Beratung und Training und bietet bis heute erfolgreich Coachings und private sowie auch Firmentrainings an. Seine Dienste haben bereits verschiedenste Kunden, vom KMU über Grossunternehmen bis hin zu im SMI kotierten Unternehmen, in Anspruch genommen. Im Interview verrät der Absolvent der früheren HWV St. Gallen (ab 1. September OST), worauf es beim Schritt in die Selbstständigkeit ankommt – und zeigt anhand von sich selbst auf, wie man mit Risiken und Vorsorge umgeht.

Herr Klaus, was gab bei Ihnn den Ausschlag, sich selbstständig zu machen?

Es waren verschiedene Faktoren. Im jungen Alter reizte mich die Abenteuerlust, ein selbstbestimmtes Leben oder zumindest die Idee davon. Ich wollte mir auch selber beweisen: Ich kann das. Dann spielte sicherlich auch die Aussicht auf ein gutes Einkommen eine Rolle oder zumindest der Traum davon. Auch wenn das nicht vorherrschend ist, war es mit ein Grund.


Und hat sich dieser Traum erfüllt?

Ganz klar ja. Ich führe ein selbstbestimmtes Leben, habe viele Freiheiten und einen guten Verdienst. Als Zeitverkäufer kann ich im Gegensatz zu anderen Branchen «nur» die effektiv geleisteten Stunden verrechnen. Persönlich bin ich sehr zufrieden damit. Ich lebe gut und konnte gut vorsorgen.


Stichwort Vorsorge: Inwiefern hat diese zu Beginn bei Ihnen eine Rolle gespielt?

Von Anfang an habe ich voll in die Säule 3a einbezahlt. Das lag gerade so drin. Wichtig war mir zudem, dass ich in die AHV einzahle und so AHV-Lücken vermeide. Zur restlichen beruflichen Vorsorge habe ich mir zu Beginn keine Gedanken gemacht. Das war damals nicht nötig.


Das andere ist die Risikoabwägung bei einer Selbstständigkeit. Man ist ja nicht so gut geschützt wie als Angestellter. Was haben Sie hier unternommen?

Damit habe ich mich intensiv befasst, denn ich fahre Motorrad und gehe gerne in die Berge. Als Worst Case galt für mich deshalb die Fragestellung: Was, wenn ich invalid werde? Mir war es wichtig, dass ich nicht aufgrund von Fahrlässigkeit plötzlich mit nichts dastehe. Das andere war die ökonomische Risikoabwägung. Mit wie viel Geld will ich starten, wie lange sollte es reichen? Mein Startkapital war dann ziemlich rasch aufgebraucht. Ich war bei einem Kontostand von 2000 Franken, als die Wende kam und es bergauf ging.


Wie haben Sie sich denn gegen das Risiko der Invalidität versichert?

Ich habe mich im Kollegenkreis umgehört und bin so auf den Schweizerischen Kaderverband (SKV) und seine Dienstleistungen gekommen. Als Risikoversicherung habe ich eine Säule 3b abgeschlossen. Im Ernstfall kommt diese dann zum Zug, wenn die Krankentaggeldversicherung endet, also nach zwei Jahren. Sie garantiert mir danach bis 65 eine monatliche Rente. Auch die Unfallversicherung und die Krankentaggeldversicherung habe ich über den SKV abgeschlossen, beide in einem Kollektivvertrag mit top Konditionen. Ich wurde dort gut beraten und fühle mich bis heute sehr gut aufgehoben. Wobei man das natürlich erst im Ernstfall richtig beurteilen kann.


Und heute haben Sie auch eine berufliche Vorsorge?

Ja. In Sachen BVG habe ich mir erst später Gedanken gemacht und die Frage gestellt: Ab wann könnte ich es mir leisten, mit der Arbeit aufzuhören? Da spielt natürlich auch die Überlegung mit, ab wann man vielleicht nicht mehr am Arbeitsmarkt gefragt ist.


Was raten Sie jungen Startup-Gründern hinsichtlich Versicherungen und Vorsorge?

Es ist zentral, dass man eine Vertrauensperson hat, die einem alles in Ruhe erklärt und die Bedürfnisse abklärt. Man sollte darauf achten, dass man keine Lücken in der AHV hat. Die berufliche Vorsorge muss nicht sofort geklärt werden. Wenn das Geschäft brummt, kann man sich immer noch einkaufen. Solange man jung ist, sollte man sich auf das Geschäft konzentrieren, wobei jung ist für mich alles unter 40.


Was raten Sie jungen Menschen allgemein beim Schritt in die Selbständigkeit?

Man sollte das mit voller Energie und zu 100 Prozent tun. Nur so bringt man die nötigen PS auf den Boden. So nebenbei selbstständig zu werden und zur Sicherheit ein Standbein in einer Anstellung zu behalten, ist schwierig, davon rate ich ab. Man kann nicht den Fünfer und das Weggli haben. Auch Selbstständigkeit aus einer Not heraus kommt selten gut. 


Und würden Sie selber alles wieder gleich machen wie damals?

Das klingt vielleicht blöd, aber ich würde wirklich alles wieder fast gleich machen. Allenfalls etwas ruhiger schlafen, aber das ist heute leicht gesagt. Ich habe immer auf meine Intuition gehört. Mein Motto war: Ich brauche Kunden und keinen Businessplan. Das funktioniert natürlich nur in der Dienstleistungsbranche. Trotzdem finde ich es wichtig, gerade zu Beginn einen marktorientierten Tatendrang an den Tag zu legen. Und dazu kommt auch das nötige Quäntchen Glück.


Dieser Beitrag ist als Erstpublikation im Magazin INLINE August 2020 erschienen.

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