Hong Kong: Von invasiven Mitbewohnern und künstlicher Intelligenz


Olivier Stamm | Student Shanghai Jiao Tong University FH-Absolvent | 12.03.2019

Es ging wieder Schlag auf Schlag seit dem letzten Update: Weihnachten in der Heimat, Kurzaufenthalt in Shanghai und schliesslich Ankunft, Alltag und Arbeit in Hong Kong.

Erst, wenn man mal weg war an Weihnachten, begreift man, wie viel einem die gemeinsamen Stunden mit der Familie zu dieser Zeit bedeuten. So zumindest geht es mir, entsprechend genoss ich die Weihnachtstage ungemein. Doch noch vor Neujahr reiste ich bereits wieder in Richtung Asien. Erst verbrachte ich ein paar Tage in Shanghai, um mich einerseits mit meinem Betreuer für die Masterarbeit und andererseits meiner Business Partnerin zu treffen. Dazu gleich etwas Schleichwerbung: Für meine Masterarbeit bin ich auf euren Support angewiesen. Dieser Link bringt euch zu einer fünfminütigen Umfrage zu Mobilen Bezahllösungen. Ich zähle auf euch! 

 

Und noch zu meiner Business Partnerin: Manche von euch wissen, dass ich einen ordentlichen Anteil meiner Freizeit einem Startup widme. Zusammen mit meinem guten Freund Nicolas gründeten wir im vergangenen Sommer die Xifu GmbH und sind mittlerweile online, um Herren mit massgeschneiderten Anzügen zu angemessenen Preisen auszustatten. Schaut vorbei: xifu.ch

 

Das Leben mit Katzen in Hong Kong

Nach drei Tagen Shanghai ging es dann nach Hong Kong, wo ich bis Ende März leben werde. Bekanntermassen ist Hong Kong eine der teuersten Städte, wenn nicht die teuerste der Welt, wenn es um den Wohnungsmarkt geht. Die Nachfrage ist so gross und das Angebot so knapp, dass ich für mein bescheidenes 8m2-Zimmer in einer Wohngemeinschaft stattliche CHF 950 pro Monat bezahle. Erstaunlicherweise ist dies immer noch verhältnismässig günstig für Hong Kong, wohl deswegen, weil ich mir die Wohnung mit zwei Mitbewohnern und vier Katzen teile. Und eben diese Katzen, machten mir die erste Nacht in der Wohnung zur Qual, das ging so:
Ich reiste per Zug von Shanghai nach Hong Kong. Circa 1'900 Kilometer bzw. 8 Stunden Hochgeschwindigkeitszug & 2 Stunden Verspätung führten dazu, dass ich erst nach Mitternacht zu meiner Wohnung gelangte. Ein Schlüssel war für mich gelegt, so weit - so gut. Als ich dann in die Wohnung trat, traf mich der Schlag. Ein penetranter Geruch lag in der Luft, der vom in der Wohnung verteilten Kot der Katzen stammte. Auch in meinem Zimmer roch es eigenartig. Erst dachte ich mir nichts dabei, bis ich merkte, dass die Katzen gleich mehrfach auf mein Bett urinierten. Da es zu diesem Zeitpunkt bereits 2 Uhr nachts war, legte ich mich trotzdem eingepackt in einen Seidenschlafsack ins «Urinbett» und entschied mich, die Probleme erst am nächsten Tag anzugehen. Das sind schon die Momente, wo ich mich frage, weshalb es mich immer ins Ausland treibt, wenn es sich doch in der Schweiz so wunderbar leben lässt.

 

Wie dem auch sei, mittlerweile hat sich alles gut eingependelt. Meine Zimmertür bleibt immer zu, sodass die Katzen draussen bleiben. Und dank dem neu angeschaffenen Luftentfeuchter ist der Schimmel mittlerweile auch besiegt. Yay!

 

Künstliche Intelligenz in der Praxis

Viel Zeit verbringe ich sowieso nicht in der Wohnung, denn ich bin zur Arbeit in Hong Kong. Ich arbeite im 20. Stock des Happy Buildings voll im Business Zentrum nahe Central. Synpulse, ein etabliertes, international tätiges Management-Consulting-Unternehmen mit mehr als 400 Angestellten, ermöglicht mir dieses Abenteuer. Mittlerweile sind bereits zwei Drittel meines Praktikums vergangen, doch schon jetzt kann ich diesem Praktikum nur Positives abgewinnen. Täglich lerne ich Neues zu den aktuellsten Trends und Technologien und deren Anwendungsweise in der Finanzbranche. So sind Machine Learning, künstliche Intelligenz oder Robotic Process Automation nicht mehr bloss abstrakte Themen, denn diese Technologien finden sich mittlerweile in markttauglichen Dienstleistungen wieder.

 

Ein weiteres wichtiges Puzzleteil zum Erfolg dieses Praktikums sind meine Arbeitskollegen. Sie kommen aus der Schweiz, Frankreich, den Niederlanden, Indien, Finnland, Festland-China, Hong Kong und weiteren Teilen der Welt. Ohne Ausnahme sind alle extrem hilfsbereit und zugänglich, sodass ich mich schnell ins Team integriert fühlte. An meinem Geburtstag im Februar organisierten meine Kollegen gar einen Kuchen für mich und auch ausserhalb der Arbeitszeiten verbringt man Zeit miteinander.

 

Wettspiele in anderer Dimension

Ich fühle mich also gut umsorgt und Heimweh kommt nicht auf. Dafür bleibt auch keine Zeit, denn immer ist was los. Ende Februar hatte ich Besuch von zwei treuen Freunden aus der Schweiz. Mit Leandro und Marc zogen wir einerseits in Hong Kong um die Häuser, andererseits liessen wir uns einen Abstecher nach Macao nicht nehmen. Die frühere portugiesische Kolonie ist vorallem als Glücksspieldestination und entsprechend auch als «Las Vegas des Ostens» bekannt. Der Vergleich hinkt der Realität allerdings insofern hinterher, als dass Macao’s Erlös aus Wettspielen mit rund USD 37 Milliarden sechs Mal grösser ist als in Las Vegas. Logisch liessen auch wir uns einen Besuch im Casino nicht nehmen. Was allerdings mehr beeindruckte als die Roulette-Tische war das pompöse Innendesign der Casinos und die dazugehörenden Prachthotels. Macao ist also auch ohne Gambling einen Besuch wert.

 

Und wenn wir schon beim Wettspiel sind. In Hong Kong, wie es sich für eine ehemalige englische Kolonie gehört, finden nach wie vor wöchentliche Pferderennen statt. Einerseits passiert dies in einem Stadion im neueren Teil Hong Kongs, andererseits gibt es mittwochabends immer noch die Events auf Hong Kong Island umringt von Wolkenkratzern. Auch hier gilt: Das Spektakel erklärt sich durch Kulisse und Ambiance und nicht dem Eifern nach dem grossen Jackpott. Zumindest bei mir.

 

Joggen mit Affen und Wildschweinen

Neben Arbeit und dem Entdecken Hong Kongs widme ich mich noch der gleichen Beschäftigung wie in Paris: Am Wochenende und manchmal vor der Arbeit schnüre ich mir die Sportschuhe und gehe Laufen. Das tolle an Hong Kong ist, dass man trotz «Big City Life» so nahe an der Natur ist. In weniger als 10 Minuten und nach 150 Höhenmeter den Berg hinauf bin ich im Wald. Von da aus kann man problemlos zwei, drei Stunden die Hügel hoch- und runterrennen. Dabei wird man mit tollen Aussichten und ungeahnten Bekanntschaften belohnt. Dass einem in Asien mal ein Affe über den Weg läuft geht ja, als ich aber auf ein Wildschwein samt Jungtier traf, blieb mir doch schnell die Spucke weg. Neben dem Laufen bleibt am Wochenende auch immer Zeit für ein kleineres oder grösseres Abenteuer. Mit einem Buch ausgerüstet bin ich oft mit Hong Kong’s Trams oder einer der zahlreichen Fähren unterwegs. Dann schlendere ich durch die Strassen und tauche ins lokale Leben ein, das mir während der Woche im westlichen Geschäftsviertel etwas fehlt.

 

So lebt es sich also in Hong Kong. Doch nicht mehr lange, denn bereits Ende Monat geht es wieder zurück nach Shanghai zum Abschluss meines Masters. So spielt das Leben! Liebe Grüsse in die Schweiz, Olivier

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