Goodbye, England! Hallo Social Distancing!


Angela Cantieni | Studentin Hochschule Luzern24.03.2020

Noch vor einer Woche war ich in meinem zweiten zuhause, in Winchester in Grossbritannien. Die Tage davor habe ich, wie fast alle, stetig die News verfolgt und gebannt mitverfolgt, wie sich die Lage in der Heimat entwickelt. Heute bin ich wieder zurück in der Schweiz und schaue auf die letzten Wochen zurück.

Obwohl stetig berichtet wurde, wie schlimm die Situation in Italien und allmählich in anderen Ländern war, wurde mir erst wenige Tage vor Abreise in die Schweiz bewusst, wie ernst die Lage ist. Das mag auch daran liegen, dass das Leben in England seinen gewohnten Gang genommen hat. Uni, Sport, Nachtleben, alles schien noch wie eh und je vor sich zu gehen. 


Lockere Stimmung in England

Doch am Donnerstag, dem 12. März, änderte sich die Stimmung. Vor allem für unzählige internationale Mitstudenten. Die unter anderem von Norwegen oder Finnland stammenden Studierenden mussten sich für eine frühzeitige Abreise entscheiden oder sich damit abfinden, die Sache in England auszusitzen. Während also die Hälfte meiner Freunde überstürzt nach Hause zurückkehrten, stürzten sich meine britischen Freunde in das Erwachen des Frühlings. Menschen waren draussen auf den Strassen unterwegs und genossen die warmen Sonnenstrahlen. Darunter viele ältere Menschen, die zur Risikogruppe gehören. Sie liessen es sich nicht nehmen, gemütlich durch die Gassen zu schlendern und mit Freunden einen Kaffee trinken zu gehen. Diese lockere Stimmung liess einem komplett vergessen, was in dem Rest der Welt vor sich ging. 


Die stetige Berichterstattung und der Kontakt mit Menschen aus der Schweiz, machte mir klar, dass trotz allem der Zeitpunkt kommen würde, an dem wir das Haus nicht mehr verlassen dürften. Ob ich dies in der Schweiz oder in England tun wollte, war das einzige worüber ich mir den Kopf zerbrechen konnte. Nachdem ich viele meiner Mitstudierenden zusammenpacken und abreisen sah, und dadurch, dass sich die Situation in der Schweiz beinahe stündlich änderte, musste ich mich dazu entscheiden, frühzeitig nach Hause zu reisen. Die Entscheidung viel mir unglaublich schwer. Nicht zuletzt, da ich geplant hatte, bis im Sommer in England zu leben. Innert zwei Tagen buchte ich meinen Flug, packte alles zusammen und verabschiedete mich von meinem Leben in Winchester. 


Überstürzte Heimreise

So einfach das klingt, so leicht war es aber nicht. Mein Flug wurde zweifach gestrichen, ich hatte viel zu viel Gepäck und dazwischen besuchte ich noch die letzten Face-to-Face Lektionen an meiner Universität. Am schlimmsten jedoch war die Ungewissheit. 


Während sich meine Welt innert weniger Tagen oder Stunden auf den Kopf stellte, wirkte es so, als würde das Leben meiner britischen Freunde wie gewohnt weiterlaufen. Pubs, ein Stück Kultur für England, waren bis zu meiner Abreise letzten Mittwoch noch geöffnet. Die Briten feierten am Dienstag, den 17. März, noch feuchtfröhlich den St. Patricks Day. Von ‘Social Distancing’ war damals keine Spur. Am Flughafen deuteten nur die Masken, die einige Reisenden trugen, auf den Virus hin. Doch dies hat sich gestern, am 23. März 2020, schlagartig geändert, als der Prime Minister Boris Johnson, die Bevölkerung dazu aufrief, zuhause zu bleiben. Die Corona-Realität ist nun auch in England angekommen. 

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