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Breathe In Breathe Out

Tamara Reichle, Jana Hug, Jana Leu, Ninian Mathis, Flavia Bernold und Oscar Krizan
Studierende Multimedia Production | FH Graubünden
  • 26.07.2021
  • 8 min
Ein Lied, eine Sängerin, ein Raum, sieben kreative Herzen – ein Musikvideo.

Lass mal schnell ein Musikvideo machen. Denkste! An zwei Drehtagen entstand das Musikvideo mit der Zürcher Künstlerin Stefanie Gubser alias Pina Jung. Doch wer jetzt denkt mit den zwei Drehtagen hat sich’s erledigt, täuscht sich gewaltig. Zu einem durchdachten und ordentlich konzipierten Musikvideo gehört nicht nur eine kreative Idee, sondern auch Musical-Breakdowns, Moodboards, ein Exposé, ein Storyboard, Shotlists, und, und, und. Das sind alles Werkzeuge, die helfen, die Idee greifbar und umsetzbar zu machen.

 

Weil sich bei diesem Projekt einiges an Konzeptionsmaterial gesammelt hat, wurde eine mögliche Step-by-Step-Konzeptionsanleitung für das nächstes Musikvideoprojekt zusammengestellt. Alle Dokumente sind einsehbar und können für den individuellen Gebrauch genutzt und abgewandelt werden.

 

Was dich aber zuvor noch erwartet? Wir beschreiben es mal als konzeptuelles Musikvideo mit einer Prise vom Performance- wie auch vom Narrativ-Musikvideo. Um zu wissen, was es damit auf sich hat, wird empfohlen, nach dem Videoschauen weiterzulesen. Und dann noch ein bisschen weiter, denn in der Kritik verbergen sich gleich noch ein paar hilfreiche Tipps und Tricks.

 

How to Musikvideo

Alle Dokumente zur Konzeption sind einsehbar und dürfen für den eigenen Gebrauch genutzt werden.
Portfolio mit Musical-Breakdown, Storyboard etc.
Template Shotlist
Template Drehplan
Template Equipmentliste

 

Schritt 1 | Informier dich

Es kann nicht schaden, sich mit der Geschichte des Musikvideos auseinanderzusetzen, bevor man sein eigenes produziert. Denn die Geschichte verrät einiges über die Machart, welche einen direkten Zusammenhang mit dem Vorhaben des Videos hat.

Hinweis: Bei diesem Abschnitt geht es unter anderem um geschichtliche Hintergründe. Falls dich das so gar nicht interessiert, kannst du diesen Teil überspringen.

 

Musikvideos entstanden aus einem simplen Zweck: Werbung machen. Es geht darum, die Sänger:innen und Bands und deren Musik anhand zur Musik passenden Kurzfilmen zu promoten. Zu den Pionieren in den 60er- und 70er-Jahren gehörten unter anderem die Beatles, die mit sehr einfach produzierten Videos, die einer Live – Performance ähnelten, ihren Fans ein Stück näher kamen – in die Flimmerkiste im eigenen Wohnzimmer.

 

Ab 1975 ging es mit den Promotionsvideos so richtig los. Den Beginn machten die Queens mit ihrem Stück „Bohemian Rhapsody“, dessen Video das perfekte Beispiel für ein erfolgreiches Musikvideo ist. Genau dort setzten wir an. Es ist mysteriös, überraschend und enthält Parts mit Live-Performances, welches dich beinahe in ein richtiges Queens-Konzert versetzt. Ein weiterer cleverer Zug: Eine Kameraeinstellung ist identisch mit dem Coverfoto des Albums Queen II. Stichwort Wiedererkennung.

 

Weitere wichtige Punkte sind:

  • audiovisuelle Übereinstimmung in Bezug auf Stimmung
  • Effekte passend zum Beat
  • Persönlichkeit und Stil des Sängers:der Sängerin/der Band einbringen
  • einheitliche Farbgebung
  • Story
  • Aufmerksamkeit durch Ungewöhnliches schaffen und halten

 

Es hilft, die Idee des eigenen Videos einem Musikvideo Style zuzuordnen. Es kann natürlich auch eine Mischform sein. Man spricht, neben Animations- und Lyricvideos, von drei unterschiedlichen Genres. Einmal das Performance-Video, wobei die Künster:innen (fast) durchgehend performen. Dann gibt es Musikvideos, die einem Narrativ, einer durchgehenden Storyline oder auch mehreren parallel verlaufenden Storylines folgen. Die konzeptuellen Musikvideos wiederum basieren auf einem einzigen Konzept oder einer Idee: Sie sind sehr ungewöhnlich und oft teuerer zu produzieren als die anderen beiden, da zum Beispiel aufwendige Special Effekt verwendet werden.

 

Schritt 2 | Inspirier dich

Geh auf YouTube und schaue dir einige Musikvideos an. Erstelle aus den Videos, die dich am meisten ansprechen, eine Playlist und schaue, ob du Gemeinsamkeiten findest oder eine ähnliche Struktur erkennst. Diese kannst du auf dein Idee ableiten.

 

Schritt 3| Stimmung einfangen durch gemeinsames Brainstorming

Höre dem Lied aufmerksam zu – das geht besonders gut mit geschlossenen Augen. Schreibe dir danach auf, was dir dabei in den Sinn kam. Das können einzelne Wörter sein, aber auch Muster oder kleine Zeichnungen. Lass dich von der Musik leiten. Mache diese Übung mit anderen Personen. Im Anschluss wird ausgetauscht und diskutiert. Die Wörter und Bilder geben dir eine erste Idee davon, wie du und andere Hörer:innen das Lied auffassen.

 

Schritt 4 | Lyrics verstehen

Wo es bei Schritt 3 primär um die allgemeine Auffassung der Stimmung geht, wird es nun analytischer. Liess aufmerksam die Lyrics durch und versuche sie zu interpretieren. Später kann mann die:der Sänger:in oder Band einbeziehen, um zu erfahren, welche Emotionen das Lied aus ihrer Sicht auslösen sollte.

 

Schritt 5 | Moodboards erstellen

Um die Bilder im Kopf auf Papier zu bringen, hilft es, Moodboards zu erstellen. Diese können, je nachdem, wo man im Ideenprozess steht, ganz unterschiedlich sein. Es können reine Farb-Moodboards sein, Bilder (beispielsweise von Unsplash), welche die Stimmung verraten oder bereits konkrete Szenenbeispiele. Sie helfen den Sänger:innen eine erste, sehr grobe Vorstellung zu geben, wie du das Video gestalten möchtest.

 

Schritt 6 | Musical-Breakdown

Setz dich nun noch tiefer mit der Musik auseinander. Der Musical-Breakdown nimmt das Lied in seinen Einzelteilen auseinander. Beats, Drops, Hits usw., werden sorgfältig gefiltert und beschrieben (siehe Musical-Breakdown). Je mehr du dich mit der Musik im Detail auseinandersetzt, umso sorgfältiger und treffender wird der Schnitt in der Postproduktion.

 

Schritt 7 | Skizzen

Die Skizzen können bereits die allerersten Teile des Storyboards werden. Falls du konkrete Ideen zu einer Szene hast, zeichne sie auf. Wenn dir zeichnen nicht so liegt, mach eine Art Collage

 

Schritt 8 | Exposé

Bringe deine Idee auf den Punkt. Dabei geht es darum zu beschreiben, was man sieht und welche Stimmung oder auch Emotionen hervorgerufen werden. Was ist die Hauptaussage? Das Exposé dient dazu, die eigene Idee zu verkaufen und neugierig zu machen.

Schritt 9 | Treatment

Das Exposé in detaillierter Form gibt die Chronologie des Videos vor. Deine Ideen werden dadurch auch für dich greifbarer. Es macht gar nichts, wenn sich konkrete Ideen später während dem Storyboarden noch verändern. Wie du anhand dieses Projekts sehen kannst, unterscheiden sich Treatment und Storyboard ebenfalls. Die Struktur wurde aber praktisch beibehalten. Falls das Treatment an Dritte (v.a. bei Sponsoring-Anfragen) weitergegeben wird, kann es Sinn machen, es an die neue Ideen anzupassen, um sie verständlich zu kommunizieren. Ansonsten ist das Treatment ein weiteres Tool im Prozess, welches dir hilft.

Schritt 10 | Storyboard – jetzt wird’s konkret

Storyboards sind vor allem bei Narrativen wichtig, aber eigentlich immer von Vorteil. Pfeile für geplante Kamerafahrten helfen den Kameraleuten, das Video zu verstehen und am Dreh viel effizienter zu arbeiten. Falls du dich mit dem Stift in der Hand nicht so wohl fühlst – keine Angst. Storyboards müssen nicht immer gezeichnet sein. Auch hier können Collagen reichen. Strichmännchen meistens auch. Hilfreiche Templates gibt es hier.

Schritt 11 | Shotlist

In den meisten Fällen wird nicht chronologisch nach Storyboard gedreht. In Bezug auf Licht-, Location- und Requisitensetting macht es je nachdem mehr Sinn zum Beispiel Szene 9.0 als erste und Szene 1.0 als letzte zu drehen. Oder müssen einzelne Szenen mehrfach gedreht werden (Overlays)? Dafür gibt es die Shotlist. Für die Vorbereitung ist es nützlich, die benötigten Requisiten dazuzuschreiben. Um später im Drehplan die Drehdauer der einzelnen Szenen abschätzen zu können, hilft es, die effektive Dauer der Szene im Track zu notieren.

Schritt 12 | Equipmentliste

Hier immer die verantwortliche Person und der aktuelle Stand der zu organisierenden Sachen vermerken (schon organisiert oder in Abklärung?). Teile die Equipmentliste in verschiedene Bereiche auf, um eine bessere Übersicht zu bewahren (siehe Equipmentliste).

Schritt 13 | Drehplan

Der Drehplan zeigt an, ob die geplante Zeit, überhaupt ausreicht, um alle Szenen zu drehen. Beim effektiven Dreh sieht man, wo man steht und wie viel noch zu tun ist. Beim Drehplan kommt die Shotlist wie zum Zug, da du anhand dessen die Drehdauer abschätzen kannst. Was oft vergessen geht, aber unbedingt in den Drehplan muss, sind Pausen- und Pufferzeiten! Schlussendlich hatten wir es dem Zeitpuffer zu verdanken, dass wir alle Szenen abdrehen konnten. Falls du dich wirklich strickt an den Drehplan halten kannst, ziehe ich den Hut vor dir.

 

Diese Step-by-Step-Anleitung betrifft nur die eigentliche Konzeption und Drehvorbereitung und gibt eine Idee, in welcher Abfolge man vorgehen kann. Diese muss aber nicht akribisch durchgesetzt werden. Schlussendlich entscheidet die Machart und Komplexität des Videos, welche Schritte und Vorbereitungen für das Endresultat überhaupt wichtig sind.
Auch bei diesem Projekt griffen die einen oder anderen Schritte ineinander über. Doch: Jeder einzelne Schritt hatte seine Wichtigkeit im Grossen und Ganzen.

 

Kommunikationsformate

(werden in der Kritik bei Abschnitt 9|Kommunikation beschrieben)
Da das Video noch nicht offiziell über den Account der Sängerin veröffentlicht wurde, handelt es sich beim Release um ein fiktives Datum. Nach der Veröffentlichung sind die Videos und Bilder auf dem Instagram-Account von Pina Jung zu finden.

 

Dieser Beitrag ist als Erstpublikation auf Digezz erschienen.

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