Alle Jahre wieder


Angela Cantieni | Studentin Hochschule Luzern03.01.2019

Die Schneeflocken tanzen vor dem Fenster und drinnen knistert das Kaminfeuer gemütlich vor sich her. Es riecht verlockend nach Orangen, Weihnachtsplätzchen und Tannenbaum. Das kann nur eines heissen: die Festtage sind da! Und mit den Festtagen kommt auch das neue Jahr. Ein Jahr in dem alles besser wird. Das glauben wir zumindest.

Wie jedes Jahr haben wir die unrealistische Illusion, dass wir im nächsten Jahr doch alles besser machen werden, als wir es jetzt tun. Weil wir ab jetzt nicht mehr «2018», sondern «2019» schreiben, werden wir sicherlich mehr Sport treiben. Im neuen Jahr wird es uns auch sicher weniger schwerfallen auf das verlockende Stück Kuchen zu verzichten. Und obwohl wir all diese Vorsätze bereits dieses Jahr nicht eingehalten haben und sie jetzt wirklich im neuen Jahr durchziehen werden, nehmen wir uns gleich noch vor, nicht immer alles aufzuschieben.

 

Klar, Neujahresvorsätze gehören zu Neujahr wie das Brot zum Fondue. Aber warum nehmen wir uns immer Dinge vor, die wir dann doch nicht einhalten? Wäre es nicht viel einfacher uns etwas vorzunehmen, dass wir problemlos erreichen können? Anstatt eine Diät zu halten, warum nicht einfach mal viel zu viele Teigwaren kochen und dann alle essen? Warum jede Nacht acht Stunden schlafen, wenn man auch gleich drei Staffeln der Lieblingssendung am Stück schauen kann?

 

Es gibt unbegrenzte Möglichkeiten für Neujahresvorsätze und doch beschliessen wir uns immer genau diese vorzunehmen, die wir dann doch nicht erfüllen. Obwohl es bewundernswert ist, dass wir stetig versuchen zu einem besseren Menschen zu werden, wählen wir doch mit Absicht Dinge aus, die wir eh nicht tun wollen. Wenn wir wirklich mehr Sport treiben wollen würden, wären wir doch schon heute daran. Aber bei Neujahresvorsätze gilt: Was du heute kannst erledigen, verschiebe ins neue Jahr, denn das tun alle anderen auch. Am Ende sind Neujahresvorsätze auch nur sozial akzeptierte Prokrastination.

 

Vielleicht wäre es mal an der Zeit, Neujahresvorsätze ganz anders anzugehen. Anstatt, dass wir stetig versuchen, an uns etwas zu ändern, wäre es doch auch mal schön, wenn wir uns vornehmen, uns mehr um uns selbst zu kümmern. Daher: esst einfach mal dieses Stück Kuchen, weil ihr es wollt und es schmeckt. Bleibt einfach mal liegen, weil wir doch sonst so viel herumrennen, um alles zu erledigen. Versucht einfach mal glücklich sein, weil wir uns viel zu wenig Zeit dafür nehmen.

 

Und ich werde mir vornehmen, im neuen Jahr mich nicht mehr ständig über die Neujahresvorsätze aufzuregen. Versprochen!

 

 

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