Gewaltprävention als gesamtgesellschaftliche Aufgabe
Was Rebecca Schaad manchmal frustriert, ist der gesellschaftliche Umgang mit Gewaltbetroffenen. «Noch immer müssen insbesondere Frauen darum kämpfen, dass ihnen geglaubt wird.» Gleichzeitig hätten die Täter oft keine Konsequenzen zu befürchten. Sei es, weil die Opfer von einer Anzeige absehen, weil sie ihre Ruhe haben wollen, um sich keine zusätzliche Bürde aufzulasten oder weil Übergriffe in Partnerschaften schwer nachzuweisen seien.
Trotz allem sieht die Beraterin immer wieder Lichtblicke am Horizont. Als Beispiel nennt sie das Gewaltschutzgesetz im Kanton Zürich, das Opfern häuslicher Gewalt einen niederschwelligen Zugang zu Beratung ermöglicht. Nun sei es wichtig, eine solche Lösung auch auf nationaler Ebene umzusetzen, sagt Rebecca Schaad. «Denn bis heute ist es abhängig vom Wohnort, ob und welche Unterstützung Gewaltbetroffene erhalten.» Hoffnung macht ihr die seit Mai aktive Opferhilfe-Hotline 142, die schweizweit Hilfe vermittelt.
Rebecca Schaad sieht Gewaltprävention auch als gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Das bedeute, hinzusehen und Haltung zu zeigen, wenn etwas nicht in Ordnung sei. «Man kann zum Beispiel seinem Kollegen klarmachen, dass seine sexistischen Sprüche inakzeptabel sind oder der Kollegin Hilfe anbieten, wenn sie von ihrem Partner schlecht behandelt wird.»
Podcast soll Betroffenen zeigen, dass sie nicht allein sind
Vor Kurzem hat Rebecca Schaad zusammen mit Gosalya Iyadurai, die ebenfalls in der Opferberatung tätig ist, den Podcast «Gewaltfrei» gegründet. Das Ziel: Häusliche Gewalt enttabuisieren und Betroffenen das Gefühl vermitteln, dass sie nicht allein sind. «Wir wollen sie auch ermutigen, sich Hilfe zu holen», sagt Rebecca Schaad.
Vor dem Hintergrund, dass viele Opfer an sich zweifeln und die Schuld zunächst bei sich selbst suchen, ist eine Botschaft besonders zentral: Die Verantwortung liegt nie bei denen, die Gewalt erfahren, sondern bei denen, die sie ausüben.