Es sei im Interesse der Unternehmen, die nachhaltige Mobilität bei Mitarbeitenden oder bei Kundinnen und Kunden zu fördern – schon aus wirtschaftlichen Gründen, sagt Gunnar Heipp. «Wenn Firmen ihre begrenzten Flächen für den produktiven Betrieb nutzen können, statt Infrastruktur für Parkplätze zur Verfügung zu stellen, ist das ein Vorteil.» Auch seien entsprechende Massnahmen aus Imagegründen lohnend. «Gerade Unternehmen, die sich zu Nachhaltigkeit bekennen, ein ESG-Reporting machen müssen und ihren CO₂-Fussabdruck reduzieren wollen, verlieren an Glaubwürdigkeit, wenn sie die betriebliche Mobilität ausser Acht lassen, zumal diese oft einen beachtlichen Teil aller Emissionen verursacht.» Und nicht zuletzt gehe es um Gesundheitsmanagement. Studien zeigen, dass Mitarbeitende, die regelmässig mit dem Velo zur Arbeit pendeln, seltener krankheitsbedingt fehlen. Davon profitieren nicht nur die Beschäftigten selbst, sondern auch die Unternehmen.
Vom Schüler bis zur Neuzuzügerin
Städte und Gemeinden haben ebenfalls wirksame Hebel, um das Mobilitätsverhalten der Bevölkerung in eine nachhaltige Richtung zu lenken. Das beginne bei der Information über lokale ÖV-Angebote, sagt Gunnar Heipp. «Eine gute Gelegenheit, diese vorzustellen, sind Veranstaltungen für Neuzuzügerinnen und Neuzuzüger. Auch, weil sich Menschen nach einem Wohnortwechsel in einer verhaltensoffenen Situation befinden.»
Insgesamt gelte es aber, bei verschiedenen Zielgruppen massgeschneidert anzusetzen. Etwa bei Schülerinnen und Schülern: Diese können beispielsweise im Rahmen von Projekten «erfahren», wie sie Wege eigenständig mit dem Velo zurücklegen – ganz ohne Elterntaxi. «Dadurch fördert man nicht nur die nachhaltige Mobilität, sondern bestärkt Kinder und Jugendliche in ihrer Selbstständigkeit», sagt Gunnar Heipp. Und nicht zuletzt nehme die jüngere Generation dann Einfluss auf das Mobilitätsverhalten der Eltern.
Städte und Gemeinden können aber auch mit ihren Planungsinstrumenten die Weichen für nachhaltige Mobilität stellen. Wird dieser Aspekt schon bei der Entwicklung neuer Quartiere mitgedacht, können verkehrsarme Siedlungen entstehen, in denen das Auto nicht mehr selbstverständlich die erste Wahl ist.