Autorin: Ursula Ammann
Irgendwann geht er uns alle an. Der Tod. Sei es durch den Verlust eines geliebten Menschen oder durch die Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit – Sterben ist unausweichlich und gehört zum Leben dazu. Gleichzeitig fällt es den meisten schwer, darüber zu sprechen. Doch genau das sei es, was Hinterbliebenen und unheilbar kranken Menschen letztlich helfe, sagt Michelle Mauchle, diplomierte Pflegefachfrau und Geschäftsleiterin der Fach- und Koordinationsstelle Palliative Care Stadt St. Gallen. «Zwar wird der Tod immer etwas Dramatisches und Schweres haben, doch das grosse Unbekannte verliert ein Stück weit seinen Schrecken, wenn man darüber spricht.»
Michelle Mauchle
Diplomierte Pflegefachfrau und Geschäftsleiterin der Fach- und Koordinationsstelle Palliative Care Stadt St. Gallen, Absolventin CAS Praxisentwicklung in der Palliative Care, OST – Ostschweizer Fachhochschule
Im Rahmen ihrer Weiterbildung, dem CAS Praxisentwicklung in der Palliative Care an der OST, hat sie sich intensiv mit der Planung eines öffentlichen Festivals zum Thema Tod befasst. Die Veranstaltung, die am 31. Oktober erstmals durchgeführt wird, soll den Dialog über Sterben und Tod fördern, die breite Bevölkerung sensibilisieren und mit Informationen Ängste nehmen. Damit bildet das Festival bewusst einen Gegenpol zur Sprachlosigkeit, die oft mit dem Lebensende verbunden ist.
«Last Call – der Tod lädt ein»: Wie der Titel bereits antönt, setzt das Festival auch auf Humor, Leichtigkeit und Kreativität. Neben fachlichen Informationen stehen Klang- und Bildinstallationen, Theatervorführungen und Lesungen auf dem Programm. Ein Erzählcafé sowie zahlreiche grössere und kleinere Begegnungs- und Mitmachangebote laden zudem dazu ein, sich dem Thema auf ganz unterschiedliche Weise zu nähern. Die Veranstaltung findet mitten in St. Gallen statt – im und rund um das Waaghaus.
Für Michelle Mauchle ist klar: «Das Thema Tod wühlt zwangsläufig auf, deshalb darf die Trauer durchaus ihren Platz haben.» Gleichzeitig wolle man aber niemanden bedrückt zurücklassen. Vielmehr solle durch Gespräche und Begegnungen Raum für Verbundenheit, Zuversicht und auch für heitere Momente entstehen.
«Die Auseinandersetzung mit dem Sterben löst verständlicherweise bei vielen Menschen eine natürliche Zurückhaltung oder sogar Abwehr aus», sagt Michelle Mauchle. Man müsse deshalb berücksichtigen, dass es eine höhere Hemmschwelle gebe, ein solches Festival zu besuchen. «Wenn es um den Tod geht, rennt einem niemand die Tür ein.»
Ziel war es deshalb, das Projekt möglichst breit abzustützen, indem zahlreiche Institutionen und Organisationen mit ins Boot geholt wurden – von Kulturschaffenden über Kirchenvertreterinnen bis hin zu Kinobetreibern. Auch bei der Wahl des Austragungsorts bestanden besondere Anforderungen. «Uns war wichtig, einen einladenden Ort zu schaffen, der den Besucherinnen und Besuchern zugleich genügend Raum zum Ausweichen bietet, falls sie von Emotionen überwältigt werden, die sie nicht mit anderen teilen möchten», erklärt Michelle Mauchle.
Michelle Mauchle blickt dem 31. Oktober mit Freude, aber auch mit einem gewissen Respekt entgegen. Denn für St. Gallen ist ein Festival rund um das Thema Tod Neuland. Trotzdem ist sie froh, es gewagt zu haben – im Bewusstsein, dass es auch kritische Reaktionen geben kann. «Aber auch diese fördern den Dialog», sagt sie.
Institutionsübergreifende, interdisziplinäre, evidenzbasierte und vor allem personorientierte Behandlungs- und Pflegeprozesse gewinnen im Zuge gesellschaftlicher Veränderungen immer mehr an Bedeutung. Diese Prozesse können jedoch nur erfolgreich umgesetzt werden, wenn alle Beteiligten in den Entwicklungsprozess einbezogen werden.
Das vorrangige Ziel der Praxisentwicklung besteht darin, Teams von Gesundheitsfachpersonen zu befähigen, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten stetig weiterzuentwickeln und die Arbeitskultur und den Versorgungskontext aktiv mitzugestalten. Im Zertifikatskurs (CAS) Praxisentwicklung in der Palliative und Dementia Care an der OST – Ostschweizer Fachhochschule werden anhand von Projektbeispielen Voraussetzungen, Methoden und Ansätze für wirksame und nachhaltige Praxisentwicklungsprojekte vermittelt und diskutiert.