Sozialraumtagung sucht Wege zu mehr Klimagerechtigkeit

Ein Platz mit wenig Schatten, eine Wohnung, die sich im Sommer aufheizt, ein grüner Treffpunkt im Quartier: Wie Menschen den Klimawandel erleben, hängt auch davon ab, wo und wie sie leben. Die Sozialraumtagung der OST – Ostschweizer Fachhochschule fragt am 11. November 2026 im Palace St.Gallen: «Wer darf hier gut leben?»

Auf dem Blumenbergplatz werden die Teilnehmenden Spuren lesen: Wie wurde dieser Ort früher genutzt, was hat sich verändert, und welche Möglichkeiten stecken heute in ihm? Wenige Strassen weiter lässt sich fragen, wer an heissen Tagen Schatten findet – und wer nicht. Die Sozialraumtagung der OST – Ostschweizer Fachhochschule verlegt einen Teil ihrer Gespräche hinaus in die Stadt. Denn dort wird sichtbar, wie eng Klimafragen mit Wohnen, Gesundheit und Teilhabe verbunden sind.

Wer darf hier gut leben?

Hitzetage belasten Menschen unterschiedlich. Wer in einer schlecht isolierten Wohnung lebt oder keinen kühlen Rückzugsort in der Nähe hat, spürt sie besonders stark. Zugleich können Massnahmen für eine grünere Stadt neue soziale Fragen aufwerfen: Was geschieht mit bezahlbarem Wohnraum, wenn Quartiere aufgewertet werden? Wer kann über die Nutzung von Boden und öffentlichen Räumen mitentscheiden? Unter dem Titel «Wer darf hier gut leben? – Wege zu mehr Solidarität und Klimagerechtigkeit» bringt das IFSAR Institut für Soziale Arbeit und Räume der OST Fachpersonen aus Praxis, Verwaltung und Wissenschaft mit Menschen aus Zivilgesellschaft und Kultur zusammen.

Den Auftakt bildet ein Sofagespräch über die Zukunft solidarischer und klimagerechter Städte. Mit dabei sind Zoe Stadler, Energieingenieurin am IET Institut für Energietechnik der OST, Thuraya Abbass, Aktivistin und Co-Präsidentin der Juso Stadt St.Gallen, sowie Sabeth Tödtli, Architektin und Urbanistin bei der Urban Equipe. Die Historikerin Judith Grosse vom Archiv für Frauen- und Sozialgeschichte Ostschweiz moderiert. Danach können die Teilnehmenden in zwei Runden Workshops und Exkursionen besuchen.

Exkursionen an Begegnungsorte in der Stadt

Die Themen reichen vom Boden bis zur Gesundheit. Am Blumenbergplatz erkundet die ArchitekturWerkstatt St.Gallen der OST, wie frühere Veränderungen den Stadtraum geprägt haben. Auf dem Areal Bach beim Bahnhof St.Fiden untersuchen Forschende der OST gemeinsam mit dem Verein Areal Bach, wie ein grüner Begegnungsort seine ökologischen und sozialen Qualitäten langfristig bewahren kann. Der Verein Gemeingut Boden fragt, wem der Boden gehört und wer über seine Nutzung entscheidet. Das ETH Wohnforum diskutiert, wie Klimaschutz in Städten gelingen kann, ohne Menschen durch steigende Wohnkosten zu verdrängen.

Andere Angebote führen mit dem Verein Grünes Gallustal durch grüne Quartierräume und untersuchen, wo Bäume, Schatten und Orte der Begegnung fehlen. Fachpersonen der FHNW und der OST nehmen die besondere Belastung psychisch erkrankter und neurodivergenter Menschen durch Hitze in den Blick. Das UrbanesGrünAtelier und HEKS Neue Gärten zeigen anhand gemeinschaftlicher Gartenprojekte, wie Menschen Räume selbst gestalten und dadurch Teilhabe erfahren können. Weitere Gespräche widmen sich der Mitbestimmung in der Stadt und der Zusammenarbeit zwischen Quartieren, Verwaltung und freiwillig Engagierten. So verbindet die Tagung Forschung mit Erfahrungen aus dem Alltag.

Abschluss mit Theater am Tisch

Zum Abschluss bringen Diana Dengler und Marcus Schäfer vom Theater am Tisch eine künstlerische Perspektive ein. Prof. Dr. Mathias Lindenau vom ISAL Institut für Soziale Arbeit im Lebensverlauf der OST fragt anschliessend, weshalb gesellschaftlicher Wandel auch die Fähigkeit braucht, sich andere Zukünfte vorzustellen. Nach dem offiziellen Programm bleibt die Palace Bar für Gespräche und Musik geöffnet.
Die Sozialraumtagung findet am Mittwoch, 11. November 2026, von 9.30 bis 17.30 Uhr im Palace St.Gallen statt.

Die Teilnahme kostet 180 Franken, für Studierende und Personen mit KulturLegi 70 Franken.

Anmeldungen sind bis zum 21. Oktober 2026 über die Website der OST möglich.