Seit Dezember 2024 unterstützt eine KI die Fachpersonen bei Brändi dabei die Journale der Klient*innen zu dokumentieren und Texte in Leichter Sprache zu verfassen.
Die Stiftung Brändi fördert die Inklusion von Menschen mit vorwiegend kognitiver oder psychischer Beeinträchtigung in Arbeit, Gesellschaft und Kultur.
Das Fachpersonal verbringt viel Zeit mit Dokumentationsaufgaben – KI kann hier gezielt unterstützen.
KI spart Zeit und erhöht die Dokumentationsqualität, aber der Erfolg hängt auch von der Teamakzeptanz ab.
Die Arbeit mit Menschen muss im Betreuungsalltag fachgerecht dokumentiert werden. So muss der individuelle Betreuungsaufwand festgehalten werden, einschliesslich Verlauf und Auswertung der Ziele, Rahmenbedingungen und Abmachungen.
Es werden neben Informationen zu Medikamenten, Arztterminen oder E-Mails mit Einverständniserklärungen vor allem auch Begleitgespräche, Handlungspläne oder Standortbestimmungen im Freitextformat festgehalten.
Für die Einträge gelten hohe Qualitätsansprüche. Sie sollen zwar kurz, aussagekräftig, prozess- und ressourcenorientiert erfolgen, verursachen aber trotzdem erhebliche Aufwände. Die Dokumentation dient unter anderem auch zur Plausibilisierung des Betreuungsbedarfes gegenüber kantonalen Stellen.
Einerseits unterstützt eine KI das Fachpersonal bei der internen Suche nach Dokumenten und Informationen. Hier kommt Retrieval Augmented Generation zum Einsatz. Neu hat Brändi spezifische Funktionen für die Textgenerierung implementiert.
Die Textgenerierung hilft in der Formulierung für Einträge im Klientenjournal oder bei der Generierung ganzer Texte in Leichter Sprache. Dabei berücksichtigt das Tool interne Richtlinien, übersetzt Stichworte in Fliesstexte, korrigiert Grammatikfehler oder weist auf unvollständige Passagen hin.
Das Tool spart Zeit, da Texte nicht mehr komplett selbst unter Berücksichtigung aller Vorgaben ausformuliert werden müssen. Gleichzeitig stellt die KI eine gleichbleibend hohe Qualität aller Einträge im Klientenjournal sicher, unabhängig vom Aufwand und der Erfahrung der betreuenden Person.
Eine KI funktioniert nur, wenn sie als relevantes und nützliches Tool akzeptiert wird.
Die implementierte Lösung ist einfach in der Anwendung. Die Hürde für das Fachpersonal ist entsprechend niedrig, der Nutzen direkt spürbar. Die KI passt sich den Menschen an, indem sie ihre Sprache spricht. In einer solchen Integration wirkt KI nicht mehr als abstraktes Konzept oder ferne Utopie sondern als Hilfe. Ausserdem wurde die Einführung durch freiwillige Schulungen und in Webinaren eng begleitet.
Die sehr gute Akzeptanz führt zu weiteren Ideen und Vorschlägen. So soll die KI-Anwendung direkt mit dem Klientenjournal verknüpft werden, sodass Texte nicht mehr vom Ausgabeprompt ins Klientenjournal kopiert werden müssen. Auch soll das KI-Tool weiterentwickelt werden, um bald auch bei der Erstellung von ganzen Berichten für die Behörden unterstützen zu können.
In diesem Projekt wurden unterschiedliche KI-Funktionen zur Unterstützung des Fachpersonals bei Brändi eingeführt.
Die BFH hat Brändi mit Andreas Liedtke das nötige Experten-Know-how zu Change-Management-Prozessen und der Einführung von KI in Unternehmen eingebracht. Dank dieser Expertise – und Andreas Liedtkes Einblick in die Organisation von Brändi – konnte das Projekt praxisbezogen und effizient umgesetzt werden.
Prof. Dr. Andreas Liedtke ist Leiter Transformation, Digitalisierung und ICT und Mitglied der Geschäftsleitung bei Brändi. Gleichzeitig ist er Dozent am Institut Digital Technology Management der BFH Wirtschaft. Seine Schwerpunkte dort sind Digitalisierung, Change- und Projekt-Management sowie Agilität.