Nicht jeder Kopfschmerz ist Migräne
Für eine erfolgreiche Behandlung ist eine sorgfältige Abklärung Voraussetzung. Es muss unterschieden werden, ob es sich um einen primären Kopfschmerz – beispielsweise eine Migräne oder einen Spannungskopfschmerz – oder um einen sekundären Kopfschmerz handelt, der durch eine andere Erkrankung verursacht wird und rasch medizinisch abgeklärt werden muss. Gerade hier übernehmen Physiotherapeut*innen und Pflegefachpersonen eine wichtige Aufgabe. Sie begleiten Patient*innen oft über längere Zeit und können Veränderungen früh erkennen. Gleichzeitig müssen sie beurteilen können, ob die Beschwerden beispielsweise eher vom Bewegungsapparat, vom Gleichgewichtssystem, vom Sehsystem, vom Nervensystem oder von mehreren Faktoren gleichzeitig ausgehen.
Die grösste Herausforderung liegt dabei in den Überlappungen. Nackenschmerzen können Teil einer Migräne sein, müssen aber nicht deren Ursache sein. Schwindel kann durch das Gleichgewichtssystem entstehen oder als Begleitsymptom einer Migräne auftreten. Wer ausschliesslich das schmerzende Körperteil behandelt, riskiert, die eigentliche Ursache zu übersehen.
Physiotherapie und Pflege mit Schlüsselrolle in Behandlung
Bis eine passende medikamentöse Therapie gefunden wird, vergehen im Durchschnitt mehrere Jahre. Medikamente können Attacken lindern oder vorbeugen, sie sind aber nur ein Teil der Behandlung. Physiotherapeut*innen helfen Betroffenen unter anderem dabei, ihre körperliche Belastbarkeit wieder aufzubauen, Verspannungen einzuordnen, Bewegungsängste abzubauen und einen besseren Umgang mit den Beschwerden zu entwickeln. Ebenso wichtig sind Aufklärung und Beratung: Welche Faktoren können eine Attacke begünstigen? Wie lassen sich Warnzeichen erkennen? Wann sollte eine ärztliche Kontrolle erfolgen? Auch Pflegefachpersonen übernehmen eine zentrale Rolle. Sie begleiten Betroffene oft langfristig, fördern das Selbstmanagement, unterstützen beim Umgang mit Medikamenten und helfen dabei, Veränderungen im Krankheitsverlauf frühzeitig zu erkennen.
Die Behandlung von Menschen mit Migräne stellt hohe Anforderungen an Gesundheitsfachpersonen. Wer die Erkrankung und ihre vielfältigen Erscheinungsformen versteht, kann Betroffene gezielt begleiten und Fehleinschätzungen vermeiden. Physiotherapeutin Heike Kubat forscht und unterrichtet an der BFH zu Migräne und Kopfschmerzerkrankungen. Im Interview erklärt sie, weshalb Migräne noch immer häufig unterschätzt wird, welche Rolle Trigger tatsächlich spielen, wie eine interprofessionelle Behandlung aussehen kann und was Arbeitgeber*innen dazu beitragen können, Betroffene im Berufsalltag zu unterstützen.