Remo, bitte beschreibe in drei Punkten, wie ich im Arbeitsmarkt attraktiv bleibe.
- Lebenslanges Lernen. Das heisst Weiterbildungen in einem gesunden Mass, analog zur Stelle und deinen Fähigkeiten. Eine Weiterbildung an die andere zu Reihen macht wenig Sinn.
- Offen denken! Über deinen Weg und deine Ziele. Wechsle in einem vernünftigen Abstand auch deinen Arbeitgeber. Das hält einen agil. Heute bleibt man nicht wie früher 20 oder 30 Jahre an einem Ort.
- Besinne dich auf das, was du gut machst. Ich frage immer in Interviews: Was machen Sie richtig gerne bei Ihrer Arbeit. Ganz einfach: Was man gerne macht, macht man auch gut. Und was man gut macht ist erfolgsversprechend. Klingt einfach, ist aber ein ganz wichtiger Aspekt. So kann man vielleicht auf einen ganz neuen Berufsweg kommen! Leben heisst auch, Erfahrungen zu sammeln. Was kann ich, was nicht? Sich auf die eigenen Stärken zu konzentrieren ist bereichernder, als im Kampf mit den Schwächen vorankommen zu wollen.
Deine Empfehlungen für ein Bewerbungsschreiben:
- Bitte keinen zu langen Lebenslauf: Kurz und prägnant, also maximal zwei Seiten. Es ist das erste Schaufenster um zu zeigen, was jemand aus der Praxis und Weitebildung mitbringt.
- Der Bildungsmarkt ist meiner Meinung nach übersättigt: Man kann bald überall ein EMBA machen. Daher kommt immer mehr darauf an, wo man etwas gemacht hat. Daher haben sicher in Zukunft auch Schweizer FH und Unis hohe Relevanz. Trotz Bologna. Weiterbildungsmarkt ist zu sehr zu einem Business geworden.
- Sich in der Bewerbung mit dem Unternehmen befassen. Ist das wirklich der richtige Arbeitgeber für mich? Im Bewerbungsschreiben auf das Unternehmen und dessen Werte eingehen. Möglichst kurz und knackig bleiben. Das Schreiben soll dein Gegenüber reizen, dich kennenlernen zu wollen und auch zum Ausdruck bringen, dass dich der Arbeitgeber reizt. Deshalb: Keine Standarttexte!
… für das Bewerbungsgespräch?
- Arbeitnehmer und auch Arbeitgeber möchten sich oft bestmöglich verkaufen. Dabei soll es ein gegenseitiges Kennenlernen sein. Das geht nur, wenn beide Seiten ehrlich sind. Also verstell dich nicht.
- Ganz wichtig: Auch erwähnen, was man weniger gut kann. Das zeigt deine Persönlichkeit, und du kannst beweisen, dass du reflektierst. Eine Schwäche ist kein Nachteil, sondern Bestandteil jeder Person. Die Arbeitgeberin muss abschätzen, ob sie mit dem Defizit umgehen kann oder nicht. Wenn es dann immer noch passt, passt es auch wirklich. Das ist Ziel.
- Sich geben wie man ist, auch mit der Kleidung. Wer sonst nie Anzug und Krawatte trägt soll dies auch nicht bei einem Bewerbungsgespräch tun. Trotzdem: gepflegt auftreten.
Welche Fehltritte hast du persönlich schon erlebt?
Wenn ein:e Kandidat:in grundsätzlich ganz anders daherkommt wie im Dossier dargestellt und somit nicht stimmig ist, dann kommt der Bewerbungsprozess rasch zu einem Ende.
Hast du ein Beispiel?
In der Covid-Zeit mussten wir viele Gespräche online führen. Da hat sich eine Person am Bildschirm ganz anders verkauft, als sie in Wirklichkeit daherkam. Gerade deshalb sind persönliche Gespräche so wichtig. Behält jemand Augenkontakt, wie ist der Handschlag. Kann jemand auf sein Gegenüber eingehen? Solche Dinge sind remote schwieriger zu erfassen.
Was begeistert dich bei einer Bewerberin oder einem Bewerber?
Menschen begeistern mich als Person, aber auch beruflich. Jedes Gespräch ist für mich eine Inspiration. Wenn ich in die Tiefe gehen kann und merke, dass sich ein Mensch öffnet, ist das pure Freude und Begeisterung. Der Mensch in all seinen Facetten ist das Spannendste, was es für mich gibt.