Wenn Studierende eine Ausrede brauchen…


Alyssia Kugler | Redaktorin Brainstorm Studentin ZHAW13.03.2019

… werden sie erst richtig kreativ. Man sagt ja, Not mache erfinderisch. Und hier ist die Not, einer anstrengenden Vorlesung zu entkommen oder seine Prioritäten zu demonstrieren.

Wenn die Ausrede zum Lachen ist, wird sie auch Mal in der Kaffeepause unter den Dozierenden vorgelesen. Natürlich nicht, um die Studierenden schlecht dastehen zu lassen: «Es ist einfach lustig», verrät uns eine Dozentin. Der Aufwand, um sich eine spezielle Geschichte auszudenken, scheint ihr grösser zu sein, als die Ersatzleistung, die den Studierenden fürs Fernbleiben einer Pflicht-Vorlesung aufgetragen wird. Es werden wohl trotzdem weiterhin amüsante Abmeldungen mit Geschichten von spontanen Stadtführungen auf dem Schulweg und Katzen mit Magenverstimmungen eintrudeln.


Auch Dozenten waren mal Studenten
Riskieren wir, mit Ausreden unser Gesicht vor den Dozierenden zu verlieren? Gemäss unserer Quelle*, die anonym bleiben möchte, nicht: «Ich habe kein Problem damit, wenn Studierende Ausreden bringen.» Verarscht werden und eine erzieherische Rolle einnehmen müssen, wollen sie als Lehrpersonen an Fachhochschulen natürlich doch nicht. Es dürfe nicht ausufern, aber es gehöre zum Leben und zum Studenten-Dasein dazu, dass man versuche sich durchzumogeln. «Ich habe das damals selber nicht anders gemacht», offenbart uns die Dozentin schmunzelnd.


Es gibt keinen Stereotypen
In der Klasse wird dennoch jeder Studierende gleich behandelt. Es werde nicht unterschieden zwischen denen, die «immer blöde Ausreden geben» und denen, die immer fleissig in den Unterricht kommen. «Ich versuche mir kein stereotypisches Bild von den einen oder anderen zu machen.»
Schliesslich sehen auch Dozierende ein, dass man nicht immer ganz konsequent durchs Leben gehen kann. «Man muss Entscheidungen treffen, immer wieder neu dealen, die Möglichkeiten austesten und so den persönlich idealen Weg suchen.»


Best of: Ausreden von Studierenden

 

«Guten Tag! Für nächste Woche muss ich mich für die Vorlesung abmelden. Ich kann auf diesen Stühlen in diesem Unterrichtssaal nicht sitzen. Sowieso ist das Sitzen in diesen Vorlesungsräumen eine einzige Katastrophe. Ich bekomme Rückenweh, werde unruhig und kann mich sowieso nicht mehr konzentrieren dann. Verstehen Sie das?»

 

«Ich muss mich vom Unterricht, der im Moment am Laufen ist, leider abmelden. Ich musste mit meiner Katze heute Morgen zum Tierarzt, offenbar hat sie eine Magenverstimmung. Ich habe mich vorgängig nicht gemeldet bei Ihnen, da ich Ihr Postfach nicht mit Bagatellen füllen wollte.»

 

« Ich bin in den Ferien und kann unmöglich an das Prüfungsgespräch kommen.»

 

«Ich konnte mich nicht vorgängig von der Vorlesung abmelden, denn ich hatte leider kein Guthaben mehr auf meiner SIM- Karte.»

 

«…ich wollte mich bestimmt mal bei Ihnen abmelden. Aber manchmal kommt es anders als man denkt. So schaffte ich es heute Morgen einfach nicht mehr, mich daran zu erinnern, dass man sich ja vorgängig abmelden müsste. Aber wie gesagt, ich hätte es bestimmt mal noch gemacht. Muss ich jetzt tatsächlich eine Ersatzleistung erbringen?»

 

Dieser Beitrag ist als Erstpublikation im Magazin Brainstorm erschienen.

Wenn alles schief läuft…

Vor einigen Jahren wollte ein Student den Termin für die mündliche Prüfung seiner Bachelor-Arbeit verschieben. Die Begründung des Studenten, er sei dann in den Ferien und könne unmöglich an das Prüfungsgespräch kommen, konnte die Studiengangleitung nicht akzeptieren. Der Student versprach daraufhin, früher aus den Ferien zurückzureisen.
Am Tag vor dem Gespräch meldete er sich aber plötzlich, um das Gespräch doch abzusagen. Er sei zwar extra früher aus den Ferien zurückgereist, sei aber krank und könne deshalb nicht an das Gespräch kommen. Dieser Information legte er ein Arztzeugnis bei, das bestätigte, dass er krank ist.
Es stellte sich heraus, dass das Arztzeugnis von einem Arzt aus seinem Verwandtenkreis stammte und der Student eigentlich gesund war. Deshalb wollte die Studiengangleitung einen Beweis dafür, dass er auch wirklich früher zurückgeflogen war. Der Student belegte es mit einem Scan seines Boarding Passes. Auch dieser erwies sich als Fälschung. Der Student hat seinen Bachelor nicht mehr gemacht.

 

* Das ist keine erfundene Story: Wir wollen weder Studierende, noch Dozierende, noch Departemente an den Pranger stellen. Deshalb sind alle Quellen für diesen Artikel anonym gehalten. Das Gespräch hat aber stattgefunden und die Ausreden sind Originalauszüge aus dem Postfach von Dozierenden aus verschiedenen Departementen.

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