„queerfeldein“ gewinnt HUGO


Mara Maria Möritz | Studierende der HKB Soprano31.03.2021

Das kollektiv CONTEMPORAMENT – bestehend aus Studierenden der Hochschule der Künste Bern und der Hochschule für Musik Nürnberg (D) - überzeugte beim internationalen HUGO Wettbewerb für neue Konzertformate Jury und Publikum.

„Neue Wege entstehen, indem wir sie gehen“ (F. Nietzsche)

In einer Gesellschaft, in der es schick wird, Homosexualität zu akzeptieren, schließen wir viele andere, queere Liebesformen immer noch aus. Bigamie – also die eheliche Partnerschaft mit zwei verschiedenen Personen – ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz strafbar. Aber warum eigentlich? Sollten wir daran etwas ändern? Wie beeinflusst unsere Beziehungsnorm Menschen, die einen anderen Weg gehen? Und liebst du überhaupt richtig?


Ich bin Mara, studiere an der Hochschule der Künste in Bern, habe meinen Bachelor in Nürnberg (D) gemacht und bin eine heterosexuelle Cis-Frau in einer monogamen Partnerschaft. Da ist mir natürlich sofort ins Auge gesprungen, dass die Geschichte des Schloss Amberg in Vorarlberg, für dass im diesjährigen HUGO konzipiert werden sollte, von nicht-monogamen Partnerschaften geprägt ist. Ich wurde mit meiner eigenen Unwissenheit und Vorurteilen konfrontiert. Mein erster Gedanke war „Bigamie ist das illegal?!“. Mein zweiter Gedanke war: „Warum eigentlich?“ - und dann war mir klar, dass ich darüber ein Performance-Konzept  schreiben muss. Genau so empfindet auch das kollektiv CONTEMPORAMENT, welches für das Projekt „queerfeldein“ besteht aus Rachel Müller Alonso (Jazz-Vocals), Kiara Konstantinou (Soundarts/elektronische Komposition), Mia Rosa (Stage & Costume), Lukas Amberger (Schauspiel & Gesang), Magdiel Baptistin Vaillant (Jazz-Arrangements), Philippe Gaspoz (Historische Improvisation) und meiner Wenigkeit (Mara Maria Möritz – Gesang, Konzept, Text, Projektleitung). Für uns alle ist „queerfeldein“ ein echtes Herzensprojekt geworden. Wir wollen Menschen in einen Dialog bringen und Vorurteile abbauen. Wir möchten mit Musik, Schauspiel und Literatur eine authentische Geschichte erzählen, die beweist, dass jede Liebe – so viel oder so wenig sie der Norm entspricht –  eine echt Liebe ist. Deswegen war die Freude riesig, als wir beim Online-Finale am 1. März sowohl die Jury als auch das Publikum überzeugen konnten. Am 28. November dürfen wir „queerfeldein“ im Rahmen der Montforter Zwischentöne auf Schloss Amberg in Feldkrich aufführen. Wen das Jury-Feedback und die anderen Final-Konzepte interessieren, kann das Finale unter https://www.youtube.com/watch?v=H-gHizWGQOw nachschauen. 


Aber nun wieder zurück zum Anfang, was ist der HUGO eigentlich und um was geht es in „queerfeldein“? 


Internationaler HUGO Wettbewerb für Neue Konzertformate 

Der Hugo ist der internationale Studierendenwettbewerb für neue Konzertformate. Die Aufgabe: Entwicklung eines 60-minütigen Konzertes massgeschneidert auf einen Aufführungsort. Das diesjährige Thema: Weg und Einfall. 


Geschichte des Schlosses: 

Kaiser Maximilian erbaute das Schloss Amberg um ca. 1500 für seine zweite Geliebte, mit der er einen Sohn hatte.

1900 wurde Paula Ludwig auf Schloss Amberg geboren. Ein Grossteil ihres literarischen Schaffens geht aus Inspirationen von ihrer langjährigen Dreiecksbeziehung mit Iwan und Claire Goll hervor.


„queerfeldein“ – Die Performance 

Musikalische Grundlage ist Schuberts Skizzen-Oper „Graf von Gleichen“. Schubert hat kurz vor seinem Tod an der Geschichte um den bigamen Adligen gearbeitet und konnte sie trotz dringendem Wunsch im Krankenbett nicht vervollständigen. Richard Dünser hat Schuberts Einfälle mit auf den Weg in seine Heimat Vorarlberg genommen und orchestriert. Wir nehmen das Libretto von Bauernfeld, Schuberts und Dünsers Einfälle mit auf unseren eigenen Weg: Wir ergänzen den Text mit Literatur der Goll-Ludwig-Beziehung und zeitgenössischen Texten. Wir fügen Hammerklavier- und Jazzpiano-Aufnahmen, Interviews mit betroffenen Menschen und ExpertInnen der Region und elektronische Klänge zu Soundscapes zusammen, die das Orchester ersetzen.


Die drei Protagonist*innen nehmen die Musik mit auf eigene Wege von der Klassik über Sprechgesang zu Latino-Jazz. Die Skizze versinnbildlicht den musikalischen „Weg und Einfall“. Die Performance dreht sich um Wege und Einfälle zwischen eigener Sexualität und gesellschaftlicher Norm.


Drei KünstlerInnen verkörpern in drei Räumen die drei Parteien einer bigamen Beziehung und spielen dreimal die gleiche Szene. Das Publikum wird in drei Gruppen geteilt, die sich auf die Räume verteilen. Nach jedem Durchgang führen Guides die Zuschauergruppen in den nächsten Raum und die ProtagonistInnen beginnen von vorne. Im Laufe der 60 Minuten vervollständigt sich die Handlung durch die drei verschiedenen Perspektiven.


Wer einen künsterlischen Einblick haben möchte, kann unseren Trailer unter https://www.youtube.com/watch?v=vhuJQ4UTt0Q anschauen. Mehr Informationen zum Konzept gibt es unter https://maramaria-moeritz.com/2021/03/14/queerfeldein/

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