Mentale Gesundheit ist keine Privatsache!

Nadine Schmid
Wirtschaftspsychologin MSc FH & dipl. Coach SCA
  • 15.04.2024
  • 4 min
Psychische Belastung ist für viele Realität. Doch wie können Unternehmen mentale Gesundheit fördern?

14.4% der M√§nner und 21.1% der Frauen in der Schweiz leiden unter mittlerer bis hoher psychischer Belastung (2022, Bundesamt f√ľr Statistik).

Die Arbeitsaufgaben, die Stimmung im Team, die Kommunikation, die F√ľhrungsperson - all das kann einen Einfluss auf die psychische Belastung haben. Unternehmen tragen eine Verantwortung; nicht nur aus moralischer Sicht sondern auch aus rechtlicher Sicht (bsp. F√ľrsorgepflicht).¬†

Die psychische Belastung der Mitarbeitenden beeinflusst die Krankheitstage, die Arbeitsleistung, die Motivation und den Team-Spirit, und ist somit auch ein grosser Kostentreiber dem definitiv mehr Beachtung geschenkt werden sollte.

Wie also können Unternehmen ihre Verantwortung wahrnehmen und mentale Gesundheit fördern?

Schulung der F√ľhrungskr√§fte in Bezug auf Mitarbeiter- und Selbstf√ľhrung

Paradoxerweise f√ľhrt die unterste F√ľhrungsetage bis zu 90% aller Mitarbeitenden und trotzdem wird am wenigsten Weiterbildungsbudget in diese F√ľhrungsstufe investiert. Doch gute F√ľhrung muss gelernt sein und setzt ein hohes Mass an Selbstreflektion und innerer Klarheit voraus. Wie sagt man so sch√∂n "die Mitarbeitenden verlassen nicht ihren Job, sondern ihren Vorgesetzten" die Statistik untermauert dies; 62% haben schon Mal aufgrund ihres direkten Vorgesetzten die Stelle gek√ľndigt.

Viele F√ľhrungskr√§fte starten nach dem Motto Try & Error. Das mag beim neuen Smartphone oder Fernseher funktionieren, wo man sich ohne Bedienungsanleitung durch klickt und drauf los probiert. Doch bei Menschen ist das schwierig, denn Menschen vergessen nicht. Haben sich die Mitarbeitenden ihre Meinung √ľber die neue F√ľhrungskraft gebildet, ist es schwierig diese zu √§ndern.

F√ľhrungskr√§fte brauchen Selbstf√ľhrungs-Skills und F√ľhrungsskills, Know-How und Do-How.

Kommunikationskompetenzen entwickeln und Dialog fördern 

Die F√∂rderung von Kommunikationskompetenzen √ľber das ganze Team hinweg mag sehr sinnvoll sein. Denn in vielen B√ľros wird nicht miteinander, sondern √ľbereinander geredet. Wie also wollen wir innerhalb des Teams miteinander kommunizieren? Welches Verhalten ist uns wichtig? Welche Werte leben wir? Wie gibt man richtig Feedback? Solche Themen lohnen sich auf jeden Fall genauer anzuschauen, um ein f√∂rderliches Umfeld zu schaffen.

Wertsch√§tzender und respektvoller Umgang √ľber alle Hierarchie-Stufen leben

Wertsch√§tzung muss nicht immer monet√§r sein. F√ľr viele Menschen bedeutet Wertsch√§tzung vor allem "gesehen werden". Der Aufwand, die Bem√ľhungen, die √úberstunden, die Loyalit√§t - einfach mal Danke sagen, was tolles Organisieren, eine kleine Geste - es gibt viele M√∂glichkeiten Wertsch√§tzung zu zeigen. Respektvoller Umgang ist nicht nur innerhalb des Teams wichtig, sondern auch dar√ľber hinaus. Wie reden wir mit internen Stakeholdern, wie reden wir mit Kunden - ein gemeinsames L√§stern verbindet zwar f√ľr einen Moment, aber mittel- bis langfristig macht es unzufrieden, weil man sich auf das Negative fokussiert.

Positive Fehlerkultur etablieren

Fehler passieren, Fehler sind menschlich. Wichtig ist, dass eine Kultur etabliert werden kann, wo √ľber Fehler gesprochen wird und aus Fehlern gelernt werden kann. Mitarbeitende, die Fehler gemacht haben, sollten sich nicht f√ľrchten m√ľssen, ihren Fehler zuzugeben, sondern ermutigt sein, nach L√∂sungen f√ľr optimierte Prozesse zu suchen, um diesen Fehler zuk√ľnftig zu vermeiden.

Mitarbeitende in Veränderungen einbeziehen; gemeinsam gestalten

Viele Projekte scheitern an der Akzeptanz der Mitarbeitenden. Warum die Mitarbeitenden nicht miteinbeziehen? Wichtig ist eine klare Rollenverteilung und Erwartungsmanagement; dann kann man stark von der erweiterten Sicht der Beteiligten profitieren und die Akzeptanz erhöhen.

Schaffen von attraktiven Arbeitsbedingungen und Gestaltungsspielräumen 

Gestaltungsspielraum hilft den Arbeitnehmenden auf ihre individuellen Bed√ľrfnisse besser eingehen zu k√∂nnen und so eine bessere Leistung zu erbringen. Wie viel Gestaltungsspielraum die Mitarbeitenden bei ihrer Arbeit haben, hat viele Einflussfaktoren (gibt es √Ėffnungszeiten? gibt es Stellvertretungsregelungen? wer darf was entscheiden etc.). Beim Schaffen von attraktiven Arbeitsbedingungen sollen zwingend die unterschiedlichen Anspr√ľche je nach Alter, Geschlecht etc. der Arbeitnehmenden ber√ľcksichtigt werden - denn ein 20-J√§hriger Single sieht attraktive Arbeitsbedingungen anders, als eine 30-J√§hrige Mama oder ein 60-J√§hriger Mann.

Betriebliches Mentoring

Betriebliches Mentoring ist ein Mix aus Coaching, Beratung und Training - je nach Ziel einer Session wechselt die externe Fachperson zwischen den drei Rollen. Betriebliches Mentoring hilft den Mitarbeitenden ganz individuell, um der belastenden Situation l√∂sungsorientiert zu begegnen, eigene Ressourcen zu erkennen und Eigenverantwortung zu √ľbernehmen. Firmen wie KeyMoment Coaching bieten Betriebliches Mentoring als Abonnement f√ľr Unternehmen an, wo es als zus√§tzlichen Benefit von Mitarbeitenden sehr gesch√§tzt wird und nat√ľrlich auch den Unternehmen einen Mehrwert verschafft.

 

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