Für Kinder und Jugendliche ist das Leben im digitalen Raum eine alltägliche Realität. Dabei nimmt das Thema Gewalt einen beträchtlichen Raum ein. Eine der grössten Herausforderungen für Jugendliche besteht darin, die Grenze zwischen alltäglichem Necken und inakzeptablen Grenzüberschreitungen zu ziehen.
Diese Grenze ist nicht statisch, sondern variiert je nach Beziehung, Situation und Publikum. Während Erwachsene oft vor dem Versand von Nacktaufnahmen warnen, werden solche Handlungen unter Jugendlichen vielfach als gegenseitiger Vertrauensbeweis verstanden.
Häufig fehlt den Betroffenen die Handhabe, ein schlechtes Gefühl richtig einzuordnen. Hinzu kommt eine ausgeprägte Scham, über Sexualität und digitale Übergriffe zu sprechen. Diese Scham führt dazu, dass Jugendliche selbst dann nicht nach Unterstützung fragen, wenn Erwachsene bereits über Vorfälle informiert sind.
Wird digitaler Missbrauch durch die Veröffentlichung auf Plattformen breit zugänglich, entstehen für die Betroffenen furchtbare Situationen, die ihr Wohlbefinden ernsthaft gefährden können.
Trotz der Dringlichkeit ist bisher wenig darüber bekannt, wie das Schweizer Kindesschutzsystem bei sexualisierter Online-Gewalt reagiert. Es fehlen Erkenntnisse darüber, welche Hindernisse, etwa Verharmlosungen oder Täter-Opfer-Umkehr, den Zugang zu professioneller Unterstützung erschweren.
Um diese Lücke zu schliessen, führt das Institut Kinder- und Jugendhilfe die Studie «Kindesschutz und professionelle Unterstützung bei sexualisierter Onlinegewalt in der Schweiz» durch. Ziel ist es:
Das Bewusstsein für die Problematik zu schärfen.
Die Unterstützungsmöglichkeiten für betroffene Kinder und Jugendliche nachhaltig zu verbessern.
Den Dialog über digitale Gewalt zu erleichtern, um die Hemmschwelle für Hilfegesuche zu senken.
Weiterführende Informationen: Detaillierte Informationen zum Forschungsprojekt finden Sie auf der Webseite des Instituts:
Projektdetails: Kindesschutz bei sexualisierter OnlinegewaltKontakt: Prof. Dr. Rahel Heeg, Co-Leiterin Institut Kinder- und Jugendhilfe, Hochschule für Soziale Arbeit FHNW