Man kennt sie gut von den Fassaden traditioneller Bauernhäuser. Die Rede ist von der Holzschindel, die nebst Fassaden auch für Dächer verwendet wurde und wird. Modern interpretiert, findet sie auch immer mehr Eingang in die moderne Holzarchitektur. In diesem Segment positioniert sich auch NIKI HolzSchindeln, ein kleiner Zwei-Frau-Mann-Betrieb im bernischen Kiesen. Nadja Riedweg ist Co-Inhaberin, zusammen mit ihrem Partner Niki Wüthrich, seines Zeichens Fassadenbauer. An der BFH hat Nadja sich zur Holzingenieurin ausbilden lassen, vom «Holz-Virus» ist sie aber schon seit der Kindheit befallen.
Erlebt die Schindel ein Revival?
Diesen Eindruck haben wir auf alle Fälle. Einen Teil unserer Arbeit machen zwar Sanierungen denkmalgeschützter Häuser aus. Dieser Teil hängt von keinem Trend ab. Aber wir stellen fest, dass sich auch Architekten immer häufiger mit nachhaltigen Materialien und Kreislaufwirtschaft auseinandersetzen. Gleichzeitig werden sie als architektonisches Element entdeckt. Die Nachfrage steigt entsprechend, wir erhalten immer mehr Anfragen. Aber wir reden noch immer von einer ganz, ganz kleinen Nische innerhalb der Holzbausparte.
Und wer setzt bei den Bauherren auf diese Nische, ausser die Denkmalpflege?
Einerseits sind das private und institutionelle Bauherren, immer öfter auch für grössere Überbauungen. Oftmals ist es auch die öffentliche Hand, also Gemeinden, wie zum Beispiel mit Schulhausprojekten. Wenn wir dann Holz aus dem gemeindeeigenen Wald verwenden können, ist das natürlich sehr interessant für beide Seiten.
Wo liegen die Vorteile von Holzschindeln?
Sie können sehr vielseitig verwendet werden, sowohl für Fassaden als auch Dächer. Ein sehr grosser Vorteil aber, über den praktisch alle staunen, ist die Langlebigkeit. Wir haben neulich ein Haus saniert mit 250 Jahre alten Schindeln. Und wir mussten nur einen Teil davon ganz auswechseln. Auf Dächern ist die Lebensdauer natürlich kürzer. Gerade bei handgespaltenen Schindeln ist die Qualität hervorragend, da diese entlang der Faserstruktur geteilt werden und dadurch sehr beständig sind. Im Vergleich zu anderen Materialien hat Holz zudem eine viel bessere Energiebilanz, erst recht, wenn es aus der Schweiz stammt. Und modern interpretiert, kann man mit Schindeln spannende architektonische Akzente setzen.
