Die Schweizer Berufsbildung ist weltweit einzigartig. Sie umfasst nicht nur die Berufslehre, sondern auch die Höhere Berufsbildung und die Höheren Fachschulen (Erwachsenenbildung). Der zweite Weg ist derjenige der Hochschulen, die sich in universitäre Hochschulen und Fachhochschulen unterteilen. Dieser Weg ist seit der Bologna- Reform harmonisiert. Merkmale dafür sind die einheitliche Vergabe von ECTS-Punkten sowie Titel wie «Bachelor » und «Master».
Immer mehr Menschen bilden sich weiter. Im Volksmund wird die «Verakademisierung » stets negativ konnotiert. Der Bildungsbericht von Prof. Stefan Wolter zeigt hingegen klar auf, dass die zunehmende Bildungslust der Bevölkerung gut ist. Der Arbeitsmarkt hat kein Problem, die Akademiker «unterzubringen». Im Gegenteil: Die Arbeitslosenquote ist tief, die Löhne nehmen zu. So weit, so gut.
Menschen aus aller Welt kommen in die Schweiz, um unsere Berufsbildung kennenzulernen. Dennoch gibt es bei uns den Trend, dass Eltern ihr Kind um fast jeden Preis ans Gymnasium bringen wollen. Ich kann das nicht nachvollziehen. Aus der Politik kommt deshalb der Ruf, man müsse die Berufsbildung stärken. Als KV-Absolvent teile ich diese Haltung. Eine Stärkung muss jedoch systemisch passieren und nicht nur symbolisch, indem man den Abschlüssen das Prädikat «Professional Bachelor/Master» verleiht. Vor allem auch deshalb nicht, weil zum Beispiel Abschlüsse der Höheren Berufsbildung teilweise nur 1000 Stunden Aufwand mit sich bringen, während ein Hochschul-Bachelor 5400 Stunden Aufwand bedeutet.
Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass es keinen Titel-Wirrwarr gibt. Je nachdem müssen wir aber mit einem Kompromissantrag kommen, um Schlimmeres zu verhindern. Affaire à suivre ...
Andri Silberschmidt, Nationalrat und Präsident FH SCHWEIZ
