HES-Dialogue 2026: Ausbildung für die Zukunft im Zeitalter der künstlichen Intelligenz

Wie kann man die Fachkräfte von morgen vorbereiten, wenn künstliche Intelligenz bereits heute die Berufe von heute verändert? Um diese Frage drehte sich die erste Ausgabe des «HES-Dialogue», die am Freitag, den 23. Oktober 2026, in Lausanne am Hauptsitz der Vaudoise Assurances stattfand und von HES SUISSE organisiert wurde.

Unter dem Motto «Technologie & künstliche Intelligenz: Bilden wir für die Vergangenheit aus?» brachte diese Veranstaltung drei Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zusammen: Mathilde Crevoisier Crelier, Ständerätin, Luciana Vaccaro, Rektorin der HES-SO und Präsidentin von swissuniversities, sowie Jean-Daniel Laffely, CEO der Vaudoise Versicherungen. Unter der Moderation von Marc Benninger, einem auf Personalwesen spezialisierten Journalisten, bot die Podiumsdiskussion Gelegenheit, unterschiedliche Perspektiven zur Zukunft der Ausbildung und der Beschäftigung auszutauschen.

Vermittlung nachhaltiger Kompetenzen in einer sich wandelnden Welt

Warum sollte man einen Beruf erlernen, der morgen vielleicht schon nicht mehr existiert? Diese Frage zog sich wie ein roter Faden durch die Diskussionen. Über den Erwerb von Fachwissen hinaus muss die Ausbildung dazu beitragen, Analysefähigkeiten, kritisches Denken und die Fähigkeit zur Anpassung an Veränderungen in der Arbeitswelt zu entwickeln.

Luciana Vaccaro hob insbesondere die Entwicklung der Rolle der Lehre hervor, die zunehmend eine Dimension der Begleitung und des pädagogischen Coachings integrieren muss. In einem Umfeld, in dem künstliche Intelligenz den Zugang zu Informationen erleichtert, wird es von grundlegender Bedeutung, zu lernen, Fragen zu stellen, Urteilsvermögen zu entwickeln und ethische Aspekte zu berücksichtigen. Die durchschnittliche Konzentrationsdauer eines Studierenden ist in den letzten 20 Jahren von 45 Minuten auf 7 Minuten gesunken. Diese Situation erfordert eine Anpassung.

Künstliche Intelligenz: Wandel statt Verlust von Arbeitsplätzen?

Auf Unternehmensseite berichtete Jean-Daniel Laffely über die Erfahrungen der Vaudoise, wo künstliche Intelligenz dazu beiträgt, Arbeitsprozesse zu transformieren. Über die Zeitersparnis hinaus ermöglicht ihre Integration eine Verbesserung der Dienstleistungsqualität und die Schaffung von mehr Mehrwert. Anstatt lediglich Arbeitsplätze abzubauen, gehen die aktuellen Veränderungen auch mit der Entstehung neuer Funktionen einher.

Diese positiven Aussichten lassen jedoch gewisse Bedenken nicht ausser Acht, insbesondere die zunehmenden Schwierigkeiten, mit denen junge Absolvent:innen beim Einstieg in den Arbeitsmarkt konfrontiert sind. Ein Phänomen, dessen Ursachen laut Luciana Vaccaro noch analysiert werden müssen und das eine aufmerksame Beobachtung der Entwicklung des Arbeitsmarktes erfordert.

Weiterbildung – eine gemeinsame Verantwortung

Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussionen: die Notwendigkeit, nachhaltig in die Weiterbildung zu investieren. Angesichts des immer schnelleren technologischen Wandels darf sich das Lernen nicht mehr auf die ersten Jahre des Berufslebens beschränken.

Im Mittelpunkt des Austauschs standen insbesondere die Rolle der Weiterbildung in den Geschäftsmodellen der Unternehmen sowie die Möglichkeiten einer gemeinsamen Finanzierung durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Auch wenn die Ansätze hinsichtlich der konkreten Modalitäten auseinandergehen, waren sich die Referent:innen über einen wesentlichen Grundsatz einig: Weiterbildung ist eine unverzichtbare Investition, sowohl für den Einzelnen als auch für die Wirtschaft und die Gesellschaft insgesamt. Für Jean-Daniel Laffely muss Weiterbildung zweifellos Teil des Geschäftsplans eines Unternehmens sein. Die Vaudoise investiert übrigens erheblich in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter:innen.

Auf politischer Ebene ging Mathilde Crevoisier Crelier auch auf die Herausforderungen bei der Regulierung der künstlichen Intelligenz ein und verwies dabei insbesondere auf die Arbeiten des Europarats sowie auf die Bedeutung eines auf die verschiedenen Wirtschaftszweige zugeschnittenen Ansatzes.

Ein unverzichtbarer Dialog, um die Zukunft zu gestalten

Diese erste Ausgabe von «HES-Dialogue» hat eine gemeinsame Überzeugung deutlich gemacht: In einem sich ständig wandelnden beruflichen Umfeld sind die Fähigkeit zu lernen, sich anzupassen und kritisch zu denken ein grosser Vorteil.

Der Abend wurde mit einem Apéro mit Häppchen fortgesetzt, der den Teilnehmer:innen die Gelegenheit bot, die Diskussionen fortzusetzen.

Fotos: Pixofluna