Wie sind die Forschenden vorgegangen?
Die Forschenden entwickelten mit Vertreter*innen von Patient*innen und Fachpersonen ein Vorgehen, das sich in der Psychiatrie und der Langzeitpflege als wirksam erwiesen hat. Dabei werden die Patient*innen einbezogen, wenn es darum geht, Alternativen zu entwickeln, um freiheitseinschränkende Massnahmen möglichst zu verhindern.
Während eines Monats liessen die Forschenden das Vorgehen auf der Abteilung für Medizin und Chirurgie eines Spitals im Kanton Bern testen. Die Pflegefachpersonen besprachen beim Spitaleintritt mit Patient*innen das vorhandene Risiko für den Einsatz von freiheitsbeschränkenden Massnahmen und legten gemeinsam mit ihnen die Alternativen fest, die bei Bedarf angewendet werden sollten.
Zu welchen Ergebnissen ist die Studie gekommen?
Der Anteil der freiheitseinschränkenden Massnahmen reduzierte sich auf der Abteilung von rund 10 Prozent auf knapp 5 Prozent. Gleichzeitig wurden wesentlich mehr alternative Interventionen dokumentiert. Während die Reaktionen der Patient*innen durchwegs positiv waren, äusserten sich die Fachpersonen skeptischer, da für sie der Einbezug von Patient*innen zeitintensiv war. Angesichts der kurzen Dauer des Projektes und der dadurch vergleichsweise geringen Zahl Patient*innen muss die Wirkung in einem grösseren Projekt noch bestätigt werden.
Welches war die grösste Herausforderung, die es zu überwinden galt?
Die Arbeitssituation in der Pflege erwies sich als grösste Herausforderung. Jede Veränderung in den Abläufen der Fachpersonen bringt anfänglich einen erhöhten Aufwand mit sich, was die oft unter Druck stehenden Pflegenden im Moment stärker gewichten als den langfristigen Nutzen, der mit einem neuen Vorgehen erzielt werden könnte. Gerade die langfristigen Vorteile des neuen Vorgehens waren für die Pflegenden zu wenig klar erkennbar.