«Es ist mir wichtig, an Klischees zu kratzen»

Der Weg von Svenja Plaas führte sie von Zürich über Wien bis in die Cité des Arts nach Paris. Im Gespräch erzählt die Illustratorin und Künstlerin, warum sie gerne Grenzen auslotet, was sie an Klischees stört und weshalb kreative Arbeit für sie vor allem eines bedeutet: genau hinzuschauen.

Svenja Plaas arbeitet für verschiedene Auftraggeber*innen in den Bereichen Editorial Design, Branding, Schul- und Kinderbücher sowie Animation. Nebst Auftragsarbeiten hat sie Wandbilder, Installationen und Comic-Publikationen realisiert. 2025 arbeitete sie in der Cité des Arts in Paris, ermöglicht durch ein Atelierstipendium des Kanton Aargau. Sie hat Grafikdesign an der Zürcher Hochschule der Künste und Filmmontage an der Filmakademie Wien studiert. Aktuell lebt Svenja in Berikon (AG) und Wien. 

Was ist dein Lieblingsmaterial oder Arbeitsgerät? Wie bist du dazu gekommen?

Ich arbeite meistens in einer Mischform von analoger und digitaler Technik. Z.B. mit Stiften (von Fineliner bis fetten Markern), Pinsel und Tusche. Oft arbeite ich von unterwegs und schleppe auch den Scanner mit, was etwas unpraktisch ist. Jedoch zeichne ich gerne im analogen Raum. Ich mag „Fehler“, die dabei passieren und handgemachte Strukturen. Pinsel und Tusche helfen, Formen abstrakter zu denken, da man nicht so präzise arbeiten kann.


Welche Themen beschäftigen dich besonders stark? Was zeichnest du am liebsten?

Ich zeichne gerne Menschen. Als Kind habe ich am liebsten Zirkus-Akrobatinnen, Wimmelbilder und fassadenlose Häuser mit vielen Details gezeichnet. Davon habe ich mich nicht so weit entfernt. Es ist mir wichtig an Klischees zu kratzen und ich mag das Absurde, Surreale und Humorvolle. Mir gefällt es Figuren beim Scheitern zu zeigen. Niederlagen haben etwas Tragisches und gleichzeitig etwas sehr Komisches. Jede*r kann sich damit identifizieren.



Wie schaffst du es, unter Zeitdruck kreativ zu bleiben?


Um ein Bild zu entwickeln, schätze ich es, wenn ich mehrere Tage Zeit habe. Es kommt auch immer wieder vor, dass man einen schlechten Tag hat, an dem nichts weitergeht. Ausserdem wird der Arbeitsprozess unbewusst fortgesetzt, wenn man dazwischen ganz andere Dinge tut. Die Distanz und Ablenkung bringen einem auf neue Ideen. Knappe Deadlines haben hingegen den Vorteil, dass man sich schneller für einen Entwurf entscheiden muss.

Über «Meet the Illustrator»

Die hier porträtierten Illustrator:innen sind FH-Absolvent:innen und Mitglied bei www.illustratoren-schweiz.ch. Der Verein Illustratorinnen und Illustratoren Schweiz macht professionelle Illustration zugänglich und fördert die Vernetzung. Die Interviews sind erstmals als Teil der Porträtserie «Meet the Members» von Illustrator:innen Schweiz entstanden.


Werke von Svenja Plaas: