Autor: Urs P. Hassler, SBAP-Präsident
An der Diplomfeier des Departements Angewandte Psychologie der ZHAW vom 17. September 2025 zeichnete der SBAP drei herausragende Masterarbeiten aus. Nominiert waren zwölf Arbeiten. Beurteilt wurden diese nach Aktualitätsbezug, Praxisrelevanz, Originalität und Stringenz.
Der Preis wird alljährlich im Herbst vergeben und würdigt den grossen Einsatz der Absolvierenden. Die fünf ausgezeichneten Personen erhielten zudem je einen Gutschein für ein Jahr SBAP-Mitgliedschaft.
Jamila Amina Moutiq widmete sich einem oft tabuisierten Thema: sexualisierte Gewalt unter Patienten in psychiatrischen Einrichtungen. In acht Interviews mit Fachpersonen aus psychiatrischen Kliniken und einer Opferberatungsstelle untersuchte sie, wie solche Vorfälle wahrgenommen und bearbeitet werden. Die Ergebnisse zeigen Unsicherheiten insbesondere bei subtilen Grenzverletzungen. Zugleich benennt die Arbeit konkrete Schutzfaktoren von klaren Zuständigkeiten und Leitlinien über interne Schulungen bis zum Einbezug externer Fachstellen.
Sabina Frieda Hutter Bischofberger und Christine Scheidegger untersuchten das Erleben nonbinärer Jugendlicher an Schulen in der Deutschschweiz. Aus acht Interviews mit 14- bis 20-Jährigen entwickelten sie das Dreiecksmodell «Kein Platz – Ablehnung – Druck». Daraus leiten sie praxisnahe Empfehlungen ab, darunter inklusive Schulregeln, niedrigschwellige Anlaufstellen, Weiterbildungen für Fachpersonen und schulweite Prävention. Zum Bericht Nonbinäre Jugendliche – «Schmerz im Herz».
Roman Rey und Siril Laura Wallimann machten das Zürcher Ressourcen Modell (ZRM) für blinde und hochgradig sehbeeinträchtigte Menschen zugänglich. In einem dreitägigen Training mit acht Teilnehmenden erprobten sie barrierefreie Unterlagen, nichtvisuelle Methoden und organisatorische Anpassungen. Die Studie zeigt, dass eine solche Umsetzung möglich ist, sofern die methodischen Elemente konsequent angepasst werden. Hier gehts direkt zum Bericht über das Zürcher Ressourcen Modell.
Gemeinsam verdeutlichen die drei Arbeiten, weshalb der Masterpreis für die Psychologie wichtig ist: Er rückt Forschung ins Blickfeld, die wissenschaftliche Sorgfalt mit konkreten Fragen aus dem Berufsalltag verbindet.
Die ausgezeichneten Arbeiten machen wenig beachtete Erfahrungen sichtbar, prüfen praktische Lösungen und formulieren Ansatzpunkte für Veränderung. Damit stehen sie beispielhaft für eine Angewandte Psychologie, die gesellschaftliche Herausforderungen aufnimmt und Erkenntnisse für die Praxis nutzbar macht.